Objektive vs. Subjektive Werte: C.S. Lewis' Kritik
Kritik an subjektiven Werten in der Bildung
Die Autoren des sogenannten „Grünbuchs“, von C.S. Lewis als Gaius und Titius bezeichnet, behaupten, dass eine Person, die ein Werturteil abgibt, lediglich etwas über ihre eigenen Gefühle aussagt und nicht über das bewertete Objekt selbst. Diese Annahme ist jedoch fehlerhaft.
Die Fehler des „Grünbuchs“
Nicht alle Werturteile beziehen sich auf Gefühle. Ein extremes Beispiel: Erhabene Schönheit, die zu Ekstase führt, kann kaum mit Schmerz gleichgesetzt werden. Die Autoren versuchen, Literatur auf das Wecken von Gefühlen zu reduzieren, doch wahre Literatur erhebt sich darüber.
Zwei zentrale Fehler lassen sich in ihrer Argumentation finden:
- Die Annahme, dass alle Werturteile sich auf einen emotionalen Zustand beziehen.
- Die Schlussfolgerung, dass solche Aussagen keine objektive Bedeutung hätten.
Wenn wir etwas als „wichtig“ bezeichnen und damit nur etwas über unsere eigenen Gefühle aussagen, könnten wir nie wirklich über die Sache selbst sprechen. Lewis kritisiert Gaius und Titius dafür, dass ihre Lehrmethoden Kinder dazu verleiten, die durch Literatur hervorgerufenen Gefühle als vernachlässigbar oder der Vernunft entgegengesetzt zu betrachten. Es geht jedoch darum, die Köpfe junger Menschen zu schützen und die richtigen, angemessenen Gefühle zu kultivieren, nicht beliebige neue zu erfinden.
Das Tao als Fundament objektiver Werte
Dem Subjektivismus von Gaius und Titius stellt Lewis das Tao gegenüber. Dies ist die Lehre vom objektiven Wert – ein System universeller moralischer Wahrheiten und Tugenden, die in allen Kulturen anerkannt werden. Das Tao repräsentiert die natürlichen Tugenden, die tugendhafte Menschen zum Guten führen.
Die Verfechter subjektiver Werte, die „Innovatoren“, untergraben diese traditionellen Werte. Sie behaupten, dass die von ihnen vorgeschlagenen neuen Werte die einzig „realen“ seien, während fundamentale Werte nur eine Fassade darstellten. Doch ohne objektive Werte können wir nicht leben; sie sind notwendig und nützlich.
Die Wahl: Initiation oder Konditionierung
Die entscheidende Frage lautet: Entscheiden wir uns für eine „Initiation“ in das universelle Erbe objektiver Werte oder für eine „Konditionierung“ zu einer neuen Reihe subjektiver Werte, durch die Menschen zu manipulierbaren Schachfiguren werden? Für die Innovatoren sind Emotionen irrational und müssen entweder entfernt oder durch neue Gefühle ersetzt werden, die nichts mit Wahrheit oder Gerechtigkeit zu tun haben. Dies ist eine Form der Manipulation.
Ohne die Hilfe geschulter Emotionen ist der Verstand machtlos. Die moderne Bildung von Gaius und Titius produziert „Menschen ohne Brust“ – Menschen ohne das entscheidende Element der geschulten Emotion, das den Menschen zum Menschen macht.
Die Zerstörung der Gesellschaft durch Subjektivismus
Eine Erziehung zum moralischen Subjektivismus wird letztendlich die Gesellschaft zerstören, die ihn akzeptiert. Gaius und Titius entwerten angemessene Emotionen, um die Rolle objektiver Werte für die Menschheit zu zerstören. Sie ebnen den Weg für eine Kultur, in der das Gift des Subjektivismus in Ethik, Religion und Politik herrscht.
Widersprüche in der Philosophie von Gaius und Titius
Ihre Philosophie ist in sich widersprüchlich. Während sie den moralischen Subjektivismus predigen, fördern sie gleichzeitig ihre eigenen Zielwerte. Ihre Skepsis ist lediglich ein Werkzeug, um die traditionelle Moral (das Tao) anzugreifen, während sie ihre eigenen Ansichten für unantastbar halten.
Das Scheitern des Utilitarismus als neue Moral
Wenn die traditionelle, absolute Moral des Tao abgelehnt wird, was kann dann als Grundlage für neue Werte dienen? Wenn Werte nicht real und objektiv sind, auf welcher Basis können sie gefördert werden? Der Utilitarismus antwortet: „Tut es, weil es funktioniert!“ Das bedeutet jedoch, dass einige zum Nutzen anderer geopfert werden müssen. Da diesem Vorschlag eine solide Grundlage in der Vernunft fehlt, bleibt als einzige Alternative die Lehre vom reinen Instinkt.