Die Philosophie des Thomas von Aquin

Philosophie und Ethik4,04 KB

Vernunft und Glaube

Der Vorentwurf des thomistischen Denkens befasst sich mit dem scholastischen Problem: der Vereinbarkeit von Vernunft und Glauben. Der Grund allein kann Wissen über die Wahrheiten der Welt (Ontologie) erreichen. Über Gott kann man jedoch nur sagen, „was er nicht ist“ (natürliche Theologie). Gott kann durch den Menschen nur dann mittels der Vernunft erkannt werden, wenn diese als „Magd des Glaubens“ dient, um deren Bedeutung zu klären (offenbarte Theologie).

Natürliche Theologie

Die Summa theologica beginnt mit Fragen der natürlichen Theologie:

  • Ist es notwendig, die Existenz Gottes zu beweisen? Ja, denn wir können Gott nicht direkt wahrnehmen; Atheismus ist eine irrationale Haltung.
  • Welche Art von Beweis ist möglich? Man muss davon ausgehen, dass die Welt für die Sinne als Wirkung einer notwendigen Ursache erscheint (Beweis a posteriori). Der ontologische Beweis (a priori) ist daher falsch.
  • Was zeigen diese Beweise konkret? Die fünf Wege (fünf Gottesbeweise).
  • Wie zeigt sich Gott in diesen Beweisen? Als treibende Kraft aller Veränderungen, als erste Ursache, als notwendiges Wesen, als Wesen mit dem höchsten Grad an Vollkommenheit und als Ziel, auf das alles zustrebt.

Ontologie

Die von Gott geschaffene Welt wird im Allgemeinen durch Aristoteles erklärt:

  • Theorie des Hylemorphismus: Alles Sein ist eine Integration von Materie und Form.
  • Theorie der vier Ursachen: Jede Veränderung oder Bewegung wird durch materielle, formale, effiziente und finale Ursachen erklärt.
  • Aristotelische Kosmologie: Die Erde steht im Mittelpunkt des Universums.

Thomas von Aquin wiederholt Aristoteles jedoch nicht nur, sondern verbindet dessen Philosophie mit dem christlichen Dogma und nutzt Ideen von Denkern wie Platon, Plotin, Augustinus, Avicenna, Averroes und Maimonides.

Anthropologie

Der Mensch ist vollkommen, da er „nach dem Bild und Gleichnis Gottes“ geschaffen ist. Er besteht aus Körper und Seele. Die Seele ist die Form des Körpers, doch Thomas lehnt die platonische Vorstellung des Körpers als „Gefängnis“ ab. Die Seele ist eine quasi-Substanz: Sie kann den Körper zwar vorübergehend verlassen, erreicht aber erst durch die Auferstehung des Fleisches ihre volle Perfektion.

Ethik

Das ultimative Ziel des Menschen ist das Glück. Während Aristoteles das Glück in der Ausübung geistiger Fähigkeiten und der Tugend sah, erkennt Thomas, dass das höchste Gut über den menschlichen Verstand hinausgeht. Wahres Glück wird erst nach der Auferstehung in der ewigen Anschauung Gottes erreicht. Das Leben sollte daher nach dem ewigen Gesetz Gottes ausgerichtet sein, das sich im Naturrecht widerspiegelt. Das Naturrecht ist:

  • Universell: Gilt für alle Menschen zu allen Zeiten.
  • Unveränderlich: Ändert sich nie.
  • Dauerhaft: Im menschlichen Herzen eingeschrieben.

Politik

Thomas stützt sich auf aristotelisches Denken, ergänzt es jedoch um christliche Innovationen. Er unterscheidet zwischen legitimen Regierungsformen (Monarchie, Aristokratie, Demokratie) und illegitimen (Tyrannei, Oligarchie, Demagogie). Das Ziel des Staates sollte das ewige Heil der Untertanen sein, wobei die zivile Macht der kirchlichen untergeordnet ist.

Die fünf Wege (Gottesbeweise)

  1. Bewegung: Alles, was sich bewegt, wird von etwas anderem bewegt.
  2. Ursache: Alles hat eine effiziente Ursache.
  3. Kontingenz: Es gibt notwendige Wesen, die nicht aus dem Nichts entstehen.
  4. Vollkommenheit: Es gibt Abstufungen der Perfektion, die auf ein Maximum hindeuten.
  5. Zweck: Intelligente Wesen handeln nach einem Ziel.

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