Nietzsches Nihilismus: aktiver und passiver Nihilismus
Zusammenfassung
Der Text erläutert Nietzsches Unterscheidung zwischen aktivem und passivem Nihilismus und ordnet sie in seine Kritik der westlichen Philosophie und Metaphysik ein. Er zeigt, wie der Verfall der Werte den „letzten Menschen“ hervorbringt und wie der aktive Nihilismus neue Werte vorbereitet. Außerdem werden Nietzsches Ablehnung metaphysischer Begriffe und seine Auffassung von Wahrheit als Interpretation dargestellt.
Kernpunkte
- Aktiver Nihilismus ist die Macht des Geistes, passiver Nihilismus der Niedergang dieser Macht.
- Der passive Nihilismus entlarvt alle Werte der westlichen Kultur als falsch; „Gott ist tot“ bedeutet, dass bisherige Wahrheiten ihre Gültigkeit verlieren.
- Der aktive Nihilismus zerstört Werte durch den Willen zur Macht und ist die Voraussetzung für die Schaffung neuer Werte.
- Nietzsche kritisiert Begriffe wie „Sein“, „Selbst“, „Substanz“, „Ursache“ und „Zweck“ und die Abwertung der Sinne.
- Der größte Fehler der Metaphysik ist für Nietzsche die Annahme einer „wahren Welt“ hinter der realen Welt.
- Nach Nietzsche gibt es keine Fakten, sondern nur Interpretationen; diese Position heißt Perspektivismus.
Nihilismus: Eine philosophische Einordnung
Ich unterscheide zwischen zwei Arten des Nihilismus:
- Aktiver Nihilismus: Die Macht des Geistes.
- Passiver Nihilismus: Der Niedergang und Verfall der Macht des Geistes.
Der Nihilismus ist als eine Funktion des Willens definiert. Nimmt dieser Wille ab, führt dies zum passiven Nihilismus. Nietzsche argumentiert, dass diese Form des Nihilismus die Negation des Lebens darstellt, da sie alle Werte der westlichen Kultur als falsch entlarvt. Mit dem Einzug dieses Nihilismus steht die Zivilisation ohne Werte da (der Ausspruch „Gott ist tot“ verdeutlicht, dass bisherige Wahrheiten ihre Gültigkeit verlieren).
Der letzte Mensch und der aktive Nihilismus
In dieser Zeit entsteht der „letzte Mensch“. Nietzsche setzt dem den aktiven Nihilismus entgegen. Hierbei werden Werte nicht durch ihren eigenen Zusammenbruch vernichtet, sondern durch den Willen zur Macht aktiv zerstört. Dies ist die notwendige Voraussetzung für die Schaffung neuer Werte. Jede Kritik Nietzsches ist eine Manifestation des aktiven Nihilismus, der die alten Verbindlichkeiten auflöst, damit eine neue Zivilisation auf den Trümmern der alten entstehen kann.
Kritik der westlichen Philosophie
Die traditionelle Philosophie ist nach Nietzsche beschädigt. Philosophische „Wahrheiten“ offenbaren oft nur einen Instinkt, eine unausgesprochene Angst oder einen Wunsch. Nietzsche lehnt fast die gesamte westliche Philosophie ab (mit der möglichen Ausnahme von Heraklit) und greift ihre großen metaphysischen Konzepte an.
Ablehnung metaphysischer Konzepte
Besonders kritisiert er das Konzept des „Seins“ sowie Begriffe wie „Selbst“, „Substanz“, „Ursache“ und „Zweck“. All diese Vorstellungen beruhen auf einer Abwertung der Sinne und einer Überbewertung der Vernunft. Nietzsche betont, dass wir das Zeugnis der Sinne zu Unrecht abgelehnt haben.
Die Irrtümer der Metaphysik
Der größte Fehler der Metaphysik ist die Annahme einer „wahren Welt“ hinter der offensichtlich realen Welt. Nietzsche revidiert den Begriff der Wahrheit: Es gibt keine Fakten, sondern nur Interpretationen. Die Welt ist für uns unendlich geworden. Nietzsche vertritt eine Auffassung, die als Perspektivismus bekannt ist, sich jedoch auch als eine Form des Pragmatismus deuten lässt, bei der eine Wahrheit aufgrund ihres pragmatischen Wertes als „wahr“ gilt.
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PDF Word HTMLHäufige Fragen
Was unterscheidet aktiven und passiven Nihilismus bei Nietzsche?
Aktiver Nihilismus ist die Macht des Geistes, die Werte durch den Willen zur Macht zerstört. Passiver Nihilismus ist der Niedergang dieser Macht, der die Werte nur durch ihren eigenen Zusammenbruch entwertet.
Was bedeutet „Gott ist tot“ im Kontext des Nihilismus?
Der Ausspruch verdeutlicht, dass bisherige Wahrheiten, insbesondere die christlich geprägten Werte, ihre Gültigkeit verlieren. Damit steht die Zivilisation ohne verbindliche Werte da.
Was ist der „letzte Mensch“?
Der „letzte Mensch“ entsteht in der Zeit des passiven Nihilismus, in der die Werte zusammenbrechen. Der Text beschreibt ihn als Ergebnis dieses Verfalls, dem Nietzsche den aktiven Nihilismus entgegensetzt.
Welche Position vertritt Nietzsche zur Wahrheit?
Nietzsche revidiert den Wahrheitsbegriff: Es gibt keine Fakten, sondern nur Interpretationen. Diese Auffassung nennt man Perspektivismus, sie lässt sich auch als eine Form des Pragmatismus deuten.
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