Realismus und Naturalismus in der Literatur des 19. Jahrhunderts

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Der Realismus: Spiegelbild der bürgerlichen Gesellschaft

Bis 1870 bevorzugte die Öffentlichkeit eine romantische Vorliebe für Literatur. Zwischen 1870 und 1880 wandelte sich dies hin zu Werken, die zeitgenössische Themen und den Lebensstil der Menschen widerspiegelten. Der Realismus wurde zum Ausdruck der herrschenden Mentalität des liberalen Bürgertums dieser Periode.

Merkmale des Realismus

  • Beobachtung der Wirklichkeit: Fokus auf rationale Analyse und literarische Wahrscheinlichkeit.
  • Objektivität: Der Schriftsteller strebt nach einer objektiven Darstellung, auch wenn persönliche Sichtweisen einfließen.
  • Psychologische Charakterisierung: Die innere Welt der Figuren und ihre Beziehung zur Gesellschaft stehen im Mittelpunkt.
  • Struktur: Geschlossene Handlungsstränge mit klassischem Aufbau (Einleitung, Knotenpunkt, Ergebnis) und eine einfache, alltagsnahe Sprache.

Wichtige Vertreter

Juan Valera verkörperte einen eher psychologischen als sozialen Realismus. Er thematisierte die Liebe mit weiblichen Protagonisten und vermittelte eine freudige Vorstellung der Existenz. Seine Romane Pepita Jiménez und Juanita la Larga waren besonders in Andalusien erfolgreich.

Benito Pérez Galdós war ein äußerst produktiver Autor, dessen umfangreiches Werk drei Stufen durchlief:

  • Erste Stufe: Frühe Romane als Propagandawerkzeuge für den Liberalismus.
  • Zweite Stufe: Zeitgenössische spanische Romane wie Doña Perfecta, La desheredada und Fortunata y Jacinta, mit Fokus auf die innere Welt der Figuren.
  • Dritte Stufe: Interesse an spirituellen und rätselhaften Charakteren, wie in Misericordia.

Naturalismus: Der Roman als Labor

Der Naturalismus betrachtet den Roman als ein experimentelles Labor zur Untersuchung menschlichen Verhaltens. Leopoldo Alas „Clarín“ schuf mit seinem Werk das authentische Meisterwerk der spanischen Literatur. Emilia Pardo Bazán führte den Naturalismus in Spanien ein, lehnte jedoch die rein wissenschaftliche Doktrin ab. Ihre bekanntesten Werke, Los pazos de Ulloa und La madre naturaleza, spielen in der galizischen Landschaft und porträtieren eine rückständige ländliche Gesellschaft.

Die lateinamerikanische Moderne

In Lateinamerika entstand die Moderne als Reaktion auf den Materialismus und die Vulgarität der modernen Welt. Schriftsteller wie José Martí und Rubén Darío entwickelten eine neue Sprache, die sich durch folgende Merkmale auszeichnet:

  • Ästhetizismus: Kultivierung der Kunst um ihrer selbst willen.
  • Exotik: Inspiration durch ferne Welten und die Natur.
  • Sprachliche Innovation: Verwendung von Symbolen (z. B. die Farbe Blau), originelle Metrik und ein ausgewähltes Vokabular.

Rubén Daríos Werk entwickelte sich von Azul... über Prosas profanas hin zu Cantos de vida y esperanza, welches den Übergang zur Generation von 98 einleitete.

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