Satzbau: Koordination, Unterordnung & Nebeneinanderstellung
Beziehungen zwischen den Sätzen
Koordination, Unterordnung und Nebeneinanderstellung
Ein Satzgefüge besteht aus mehr als einem Verb. Wenn 4 Verben vorhanden sind, sind es 4 Sätze; wenn es 2 Verben sind, handelt es sich um 2 Teilsätze (Propositionen). Diese binden oft zwei Sätze aneinander, die voneinander abhängig sein können. Wir können sie analysieren, als wären es zwei einfache Sätze. Eine Koordinationsbeziehung liegt vor, wenn zwei Sätze gleichrangig sind.
Wenn ein Satz von einem anderen abhängt, sprechen wir von Unterordnung. Sowohl bei der Koordination als auch bei der Unterordnung ist oft eine Verbindung (Link) vorhanden, die den Kontakt herstellt und die Beziehung zwischen den Sätzen ausdrückt. Wenn kein Link vorhanden ist und die Sätze nur durch ein Komma getrennt werden, spricht man von Nebeneinanderstellung (Juxtaposition).
Beispiele für Satzverbindungen
Koordination
Ester Bécquer las ein Gedicht und Gabriel spielte Gitarre.
Hier werden die Sätze durch die Verbindung (und) getrennt und gleichzeitig verknüpft.
Nebeneinanderstellung (Juxtaposition)
Ester Bécquer las ein Gedicht, Gabriel spielte Gitarre.
Hier gibt es kein Bindewort (Nexus) zwischen den Sätzen, sie sind lediglich durch ein Komma getrennt.
Unterordnung
Während Ester Bécquer ein Gedicht las, spielte Gabriel Gitarre.
Hier hängt ein Satz vom anderen ab. Der erste Teil ergibt ohne den zweiten keinen vollständigen Sinn. Innerhalb dieses Gefüges gibt es zwei Bereiche:
- Bedingter Satz (Nebensatz): Er ist allein nicht sinnvoll („Als Ester ein Gedicht las...“).
- Hauptsatz: Er trägt den vollen Sinn („...spielte Gabriel Gitarre“).
Arten koordinierter Sätze
Koordinierte Sätze werden durch Konjunktionen oder konjunktionale Phrasen verbunden:
- Kopulativ (anreihend): Verbindungen wie und (sowie).
- Disjunktiv (alternativ): Verbindungen wie oder.
- Adversativ (gegensätzlich): Verbindungen wie aber, doch, sondern.
- Distributiv (verteilend): Diese Sätze stellen Handlungen dar, die sich nicht ausschließen, sondern eine Korrelation zeigen („Einige sprachen, andere hörten zu“; „Gestern hat es geregnet, heute scheint eine strahlende Sonne“).
- Erklärend (explikativ): Ein Satz verdeutlicht den Sinn des anderen („Frösche sind Amphibien, das heißt, sie leben an Land und im Wasser“).
Untergeordnete Nebensätze
Nebensätze hängen von einem anderen Satz ab und übernehmen eine Funktion innerhalb dieses Satzes oder ergänzen die Proposition. Sie werden nach der Wortart klassifiziert, der sie entsprechen:
- Substantivsatz (Substantivische These): „Dass mich dies stört, macht mich nervös.“ (Entspricht dem Substantiv: „Nervosität stört mich“).
- Adjektivsatz (Relativsatz): „Marisol hat einen Freund, der auf Reisen ist.“ (Entspricht dem Adjektiv: „Marisol hat einen reisenden Freund“).
- Adverbialsatz: „Er kam, wohin sie wollten.“ (Entspricht dem Adverb: „Er kam dorthin“).
Besonderheiten der Nebeneinanderstellung
Die Beziehung der Nebeneinanderstellung tritt auf, wenn bestimmte Sätze ohne Nexus verbunden werden („Singen, Tanzen, ich hatte viel Spaß“). Diese behalten eine Koordinationsbeziehung bei, wenn sie zuvor koordiniert waren („Singen und Tanzen und viel Spaß haben“). Eine Unterordnungsbeziehung liegt vor bei: „Es ist sehr spät, ich gehe schlafen“ (entspricht: „Es ist zu spät, sodass ich schlafen gehe“).
Substantivische Nebensätze im Detail
Substantivsätze übernehmen die Funktionen eines Substantivs: Subjekt, direktes Objekt (CD) oder Nomenkomplement (CN). Sie können durch eine Präposition eingeleitet werden („Er beschuldigt mich der Arroganz“). Ein Substantivsatz entspricht einem Substantiv und dient oft als direktes Objekt. Wir können ihn durch ein neutrales Pronomen („das“, „etwas“) ersetzen, was hilft, die syntaktische Funktion zu bestimmen.
Klassifizierung nach dem Bindewort:
- Deklarativ: Eingeleitet durch die Verbindung „dass“ („Es ist wahr, dass er nicht aus dem Haus geht“ -> „Das ist wahr“ = Subjekt).
- Indirekte Fragen:
- Total: Eingeleitet durch „ob“ („Ich frage mich, ob du mir Arroganz vorwirfst“ -> „Ich frage mich das“ = direktes Objekt).
- Partial: Eingeleitet durch Interrogativpronomen wie wer, wann, wo („Ich frage mich, wer zu mir kommt“).
- Relativsätze ohne Bezugswort: Eingeleitet durch „wer auch immer“ („Wer mein Haus betreten will, kann dies tun“ -> „Diese Person kann es tun“).
Präpositionale Funktionen
Einige Funktionen (Nomenkomplement, indirektes Objekt, Präpositionalobjekt/CRV) erfordern eine Präposition. Beispiel: „Er ist des Sieges sicher“ (Präposition + NP -> CRV). Die Konjunktion „dass“ charakterisiert den Substantivsatz, nicht die Präposition.
Infinitivkonstruktionen
Der Infinitiv ist eine infinite Verbform, die wie ein Substantiv fungiert und dessen Funktionen übernimmt, ohne den verbalen Charakter zu verlieren. Der Infinitiv hat eine doppelte Funktion: Er wirkt als Name und als Verb.
Beispiel: „In mein Haus zu gehen, ist sehr einfach.“
- Nominaler Charakter: Das fettgedruckte Fragment kann durch eine Nominalphrase (SN) ersetzt werden, die dieselbe Funktion (Subjekt) hat: „Der Eintritt ist sehr einfach.“
- Verbaler Charakter: Er behält seine verbalen Eigenschaften bei, wie zum Beispiel eine Ortsbestimmung: „In mein Haus“ (adverbiale Bestimmung des Ortes).