Sprachfunktionen und soziale Sprachvarietäten erklärt
Sprachfunktionen nach Roman Jakobson
Referenzielle Funktion (Darstellungsfunktion)
Diese Funktion konzentriert sich auf den Kontext oder den Referenten, um Informationen über die Realität außerhalb der Sprache zu vermitteln. Ihr charakteristisches Merkmal ist die Objektivität. Es fehlen die sprachlichen Ressourcen, die in anderen Funktionen dominieren. Charakteristisch sind: Indikativ, Mangel an wertenden Adjektiven, neutraler Wortschatz und eine denotative Intonation.
Emotive Funktion (Ausdrucksfunktion)
Diese Funktion ist auf den Sender ausgerichtet. Die Nachricht vermittelt Fakten, Empfindungen und betont die Haltung des Sprechers zum Gesagten. Die Subjektivität wird durch spezielle sprachliche Mittel ausgedrückt: Ausrufe, exklamative Sätze, wertende Adjektive oder Pronomen, Konjunktiv mit optionalem Wert sowie affektive Suffixe.
Konative Funktion (Appellfunktion)
Sie ist auf den Empfänger ausgerichtet. Ziel ist es, das Verhalten des Empfängers zu beeinflussen, etwa durch eine Antwort, eine Handlung oder eine Einstellungsänderung. Diese Funktion ist typisch für Werbesprache und ideologische Propaganda, findet sich aber auch in der Umgangssprache. Kennzeichen sind Vokative, Imperative, Fragesätze sowie affektive und rhetorische Elemente.
Phatische Funktion (Kontaktfunktion)
Diese Funktion ist auf den Kanal ausgerichtet. Ziel ist es, einen Kommunikationskanal zwischen Sender und Empfänger zu etablieren, aufrechtzuerhalten oder zu schließen. Sie umfasst Höflichkeitsformeln, Beileidsbekundungen oder Glückwünsche. Die Botschaft beschränkt sich hier oft auf die Wiederholung von Klischees.
Metasprachliche Funktion
Sie ist auf den Code zentriert. Die Nachricht bezieht sich auf die Sprache selbst. Die verbale Sprache ist das einzige Kommunikationssystem, das über sich selbst sprechen kann (Reflexivität). Dies ist die charakteristische Funktion der Linguistik, von Wörterbüchern und Grammatiken.
Poetische Funktion
Sie ist auf die Botschaft selbst ausgerichtet. Die Aufmerksamkeit liegt auf der Gestaltung der Nachricht. Durch verschiedene Ressourcen auf klanglicher, morphosyntaktischer und lexikalischer Ebene wird eine ästhetische Wirkung erzielt. Sie ist einzigartig in Literatur und Poesie, findet sich aber auch in der Werbung und Alltagssprache.
Soziale Sprachvarietäten
Die Ausprägung einer Sprache in einer bestimmten sozialen Schicht wird als diastratische Varietät, Soziolekt oder Sprachniveau bezeichnet. Der Bildungsgrad und das kulturelle Umfeld des Sprechers sind entscheidende Faktoren. Weitere Einflüsse sind:
- Habitat: Ländliche vs. städtische Sprache
- Alter
- Beruf oder Tätigkeit
Gehobenes Sprachniveau
Es wird von Personen mit hohem kulturellem Niveau verwendet und entspricht oft der wissenschaftlichen oder literarischen Sprache. Merkmale sind:
- Korrektheit: Strenge Einhaltung der Sprachregeln.
- Lexikalischer Reichtum: Präziser Wortschatz, der auch wissenschaftliche Begriffe umfasst.
- Abstraktionsfähigkeit: Ausdruck von Tiefe und komplexen Begriffen.
- Literarische Tradition.
Standardsprache
Dieses Sprachniveau ist ein mittlerer, aber formeller Standard. Es folgt den gesetzlichen Anforderungen der Sprache, ist jedoch weniger starr als das gehobene Niveau. Es dient als Modell für die mündliche und schriftliche Kommunikation der breiten Bevölkerung.
Umgangssprache (Populäres Niveau)
Es ist ein mittleres Sprachniveau für den täglichen Gebrauch. Merkmale sind:
- Subjektivität des Sprechers
- Ökonomie der sprachlichen Mittel
- Ständige Appelle an den Zuhörer
- Verwendung von Sprichwörtern
Vulgärsprache
Wird oft von bildungsfernen Schichten verwendet. Es handelt sich um ein eingeschränktes System mit einfacher Grammatik und begrenztem Wortschatz. Gekennzeichnet durch Abweichungen von der Standardsprache, ständige Verwendung von Slang und fehlerhafte Schreibweisen.