Platons Ethik und die Theorie des idealen Staates

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Die platonische Ethik

Für Platon ergibt sich die Bestimmung des Menschen aus der Aktivität der einzelnen Seelenfunktionen, die jeweils durch eine spezielle Tugend geprägt sind. Tugend bedeutet hierbei eine „Ausbildung“ der Seele. Alle Gewohnheiten, die uns zum Guten führen, sind Tugenden; jene, die zum Bösen führen, sind Laster.

Für Platon ist die Idee des Guten ein Selbstzweck, der auf der Grundlage des Prinzips „Erkenne dich selbst“ beruht. In der Theorie wie in der Praxis ist die zentrale Fähigkeit die Klugheit (Phronesis), die uns dazu bringt, das richtige Maß zu finden, sodass weder Exzesse noch Mängel entstehen. Das sittlich Gute ist für Platon eine Mischung aus dem, was dem Menschen eigen ist: Wissen verbunden mit Gefühl. Vergnügen bedeutet hierbei nicht bloß die Abwesenheit von Schmerz. Diese Klugheit ist dem rationalen Teil der Seele zugeordnet und stellt im Grunde eine Form von Weisheit dar.

Mäßigung ist die Fähigkeit der Vernunft, Wünsche zu beherrschen. Wenn jeder Teil der Seele – der rationale, der mutartige (jähzornige) und der begehrende (konkupiszible) – seine Funktion erfüllt, ist das Ergebnis geistige Harmonie. Dies ist für Platon gleichbedeutend mit der Gerechtigkeit des Einzelnen.

Die Idee der Gerechtigkeit hat sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt, bedeutete ursprünglich jedoch genau diese Harmonie. Ein Problem dieses Ansatzes ist laut Platon, dass Individuen nur in einem entsprechenden sozialen Umfeld wahrhaft gerecht sein können. Dies verknüpft die Moral untrennbar mit der Politik. Daher wendet sich Platon der Politik zu.

Platons politische Philosophie

Das politische Problem stellt sich für Platon vor allem als die Notwendigkeit dar, eine gerechte Stadt zu schaffen. Dies ist vor dem Hintergrund der Geschichte seiner Heimatstadt Athen zu verstehen. Athen entwickelte sich von einer Monarchie zur Aristokratie, durchlief Phasen der Tyrannei und Demokratie, was schließlich zum Kollaps und zum Verschwinden des Stadtstaates führte.

Der Ursprung dieser Transformationen liegt im Kampf zwischen zwei gegensätzlichen sozialen Schichten: dem Landadel und dem Volk. Das Volk strebte nach immer mehr Macht, während der Adel seine Privilegien nicht aufgeben wollte. Über zwei Jahrhunderte führten diese Kämpfe zu erheblichen politischen Umwälzungen, geprägt von Figuren wie Drakon, Solon, Peisistratos und Ephialtes.

Platon sieht diese Veränderungen als einen Prozess der Degeneration. Eine Konstante, die sich bis zum schlimmsten Verbrechen steigerte: dem Tod des Sokrates. Angesichts dieser Entartung bewunderte Platon Staaten mit stabilen Verfassungen und unveränderlichen Gesetzen, wie etwa Sparta oder die ägyptische Monarchie. Das spartanische Regime bestand tausend Jahre, die ägyptische Monarchie sogar fast 3000 Jahre.

Platon entwirft ein politisches System, das so perfekt ist, dass es nicht mehr geändert werden sollte. Um dieses Design zu erstellen, gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Der Rückgriff auf die empirische Analyse. Dieser widmet Platon einige Abschnitte in seinen Werken Der Staat (Politeia) und Der Staatsmann (Politikos).

Die Analyse der Staatsformen in der „Politeia“

  • a) Aristokratie: Die vollkommenste Form, in der die Herrscher die Stadt mit Klugheit und Weisheit regieren.
  • b) Timokratie: Die Aristokratie kann zur Timokratie degenerieren. In dieser Regierungsform suchen die Herrscher nach Ruhm und Ehre. Dies führt dazu, dass die oberen Klassen die unteren unterdrücken.
  • c) Oligarchie: Die Timokratie kann in eine Oligarchie übergehen, ein System, in dem sich der Reichtum in den Händen weniger konzentriert. Es entstehen zwei Klassen: die reichen Oligarchen und die arme Masse, die nach Macht strebt.
  • d) Demokratie: Wenn das Volk die Macht übernimmt, entsteht die Demokratie. Das Ergebnis wird als chaotisch beschrieben, sodass die Demokratie schließlich in Tyrannei ausartet.
  • e) Tyrannei: Die Tyrannei ist die Herrschaft des Dreistesten und Gewalttätigsten. In diesem Regime werden Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit unterdrückt. Daher betrachtet Platon sie als das schlimmste aller politischen Systeme.

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