Psychomotorische Faktoren und funktionelle Einheiten
Jede geistige Tätigkeit erfordert ein Minimum an Wachheit und Aufmerksamkeit. Die kortikale selektive Aufmerksamkeit sowie Strukturen mit Zwei-Wege-Beziehungen zum Kortex und zum limbischen System sind für die emotionale Regulation essenziell.
Hierarchische Organisation der psychomotorischen Faktoren
Die Funktionen basieren auf den drei grundlegenden funktionellen Einheiten des Gehirns nach Luria. Diese Faktoren übersetzen komplexe Aktivitäten in spezifische Beiträge für alle Funktionsbereiche. Sie sind in drei selbstregulierten, dynamischen Schaltkreisen organisiert, die eine Konstellation bilden, welche die psychomotorische Entwicklung des Kindes maßgeblich prägt.
1. Der psychomotorische Faktor: Tonus
Der Tonus ist die neurophysiologische Basis für Frühwarn- und Überwachungssysteme, die für jede geistige Aktivität erforderlich sind. Er umfasst die aktive Spannung der Muskulatur und bereitet die grundlegenden psychomotorischen Aktivitäten vor.
- Tonus-Regulation: Von Überkontraktion (Paratonie, Katatonie) bis zur Entspannung in Ruhe (Hypotonie).
- Bedeutung nach Wallon: Der Tonus steht in engem Zusammenhang mit Haltungen, Posen und Gesten.
- Tonischer Dialog: Ein Austausch zwischen Mutter und Neugeborenem, der Gefühle wie Lust oder Unlust widerspiegelt.
2. Psychomotorische Balance
Die Balance ist die Voraussetzung für willkürliche Bewegungen und die posturale Anpassung gegen die Schwerkraft. Sie basiert auf:
- Propriozeption (tiefe Empfindlichkeit)
- Vestibulärer Funktion
- Visueller Wahrnehmung
Das posturale System ermöglicht es, den Körper im Raum zu halten, was die Hirnrinde von der ständigen Kontrolle der Position entlastet und Kapazitäten für neue Lernprozesse freigibt.
Lateralität und zerebrale Spezialisierung
Die Spezialisierung der Großhirnhemisphären ist entscheidend für die kognitive Entwicklung:
- Linke Hemisphäre: Übernimmt höhere geistige Prozesse und sprachliche Funktionen.
- Rechte Hemisphäre: Unterstützt räumliches Denken und visuelle Orientierung.
Die bilaterale Integration des Körpers ist ein Endprodukt der zentralen Verarbeitung sensorisch-motorischer Fähigkeiten. Probleme in der Lateralität können die kognitive Entwicklung und den Spracherwerb beeinflussen.
Somatognosie und Körperbild
Der Scheitellappen integriert globale sensorische Informationen (Propriozeption) zur Bildung des Körperbildes (Somatognosie). Dies ist ein multifaktorielles Konstrukt, das die Identität, das Selbstwertgefühl und die räumlich-zeitliche Orientierung umfasst.
Strukturierung von Raum und Zeit
Die räumliche und zeitliche Strukturierung ist für komplexes Lernen unerlässlich:
- Raum: Entwicklung von der intra-räumlichen zur inter-räumlichen Dimension.
- Zeit: Der Rhythmus ist die Basis für die zeitliche Organisation, die für Motorik, Sprache, Lesen und Rechnen entscheidend ist.