Soziale Arbeit in der Risikogesellschaft und Netzkultur

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Die Risikogesellschaft und der technologische Wandel

Es ist festzustellen, dass in der Gesellschaft, in der die Logik der Gefahrenproduktion dominiert, diese die Logik der industriellen Produktion verdrängt.

Die Analyse der Veränderungen, die wir erleben, sowie zukünftige Trends, die in der heutigen Gesellschaft entstehen, müssen die sozialen Macht- und Verteilungsstrukturen, Bürokratien, Regeln und die dominante Rationalität berücksichtigen. Diese Analyse muss auf den Inhalten und realen Konsequenzen basieren, welche die Vollendung der Industriegesellschaft und die Risiken, die nach ihrer Fertigstellung auftreten, mit sich bringen.

Die prospektive Analyse ist in dem Maße eine Notwendigkeit, in dem die Schaffung von Wohlstand durch die Risikoproduktion begleitet wird. Zudem führt die Vollendung des industriellen Projekts der Moderne zur Transformation der Gesellschaft und macht die Lebensfähigkeit unter den Bedingungen, wie sie in der Vergangenheit gedacht wurden, unmöglich.

In diesem Sinne werden Fragen der Entwicklung und Anwendung von Technologien durch Fragen der politischen „Verwaltung“, der Wissenschaft und der Risiken angewandter Technologien ersetzt.

Beachten Sie, dass die Risikoanalyse explizit die Werte aufzeigt, die unsere Gesellschaften regieren sollten. Daher ist es notwendig, sich der Werte bewusst zu sein, welche die Entwicklung der Moderne tatsächlich regieren, und diese in die öffentliche Debatte einzubringen. Die Risikoanalyse hat es mit Konflikten zu tun, die zwischen wissenschaftlicher Rationalität und sozialer Rationalität auftreten.

Die Analyse der Zukunft wird deshalb zu einer Schlüsselfrage für das Überleben und die Lebensfähigkeit des Systems. Die Logik der Produktion von Reichtum führt letztendlich zur Risikogesellschaft.

Für Ulrich Beck liegt der Schlüssel zur Analyse der Zukunft in der Aufdeckung der Muster und Entwicklungen, welche die technologische Evolution regieren.

Theoretische Perspektiven nach Manuel Castells

Aus einer anderen Perspektive konzentriert sich die theoretische Position von Manuel Castells auf zwei Hauptpunkte:

  • Die Hypothese, dass alle Trends der Veränderung in dieser Welt neu und verwirrend miteinander verbunden sind und wir eine Beziehung zwischen ihnen herstellen können. Er vertritt die Auffassung, dass trotz einer langen Tradition teils tragischer intellektueller Fehler die Beobachtung, Analyse und Theoriebildung ein Weg sind, um zu einer anderen und besseren Welt beizutragen.
  • Er lehnt technologischen Determinismus ab. Technologie ist ein gesellschaftliches Produkt; die Interaktion zwischen Technologie und Gesellschaft bestimmt das Schicksal beider. Mit dem Aufkommen eines neuen Gesellschaftsmodells – dem Kapitalismus auf der Grundlage der Informationstechnologie-Revolution und deren Umstrukturierung – müssen wir die Geschichte, Kultur und Institutionen der jeweiligen Gesellschaft neu darstellen. Die wissenschaftliche Analyse muss daher mit der Möglichkeit unterschiedlicher sozialer und technologischer Trajektorien beginnen.

Für Castells sind Gesellschaften historisch um menschliche Prozesse herum organisiert, die durch Produktionsverhältnisse, Erfahrung und Macht strukturiert sind. Aus dem neuen Modell des Informationswachstums entstehen neue historische Formen der Interaktion, Kontrolle und des sozialen Wandels.

Das neue sozio-technische Paradigma

Wir stehen vor einem neuen sozio-technischen Paradigma, dessen historisches Ergebnis an der Kreuzung zweier unabhängiger Trends liegt: der Entwicklung neuer Informationstechnologien und dem Versuch, die alte Gesellschaft unter Nutzung der Macht der Technologie umzurüsten.

Wir begegnen einer neuen dominanten Sozialstruktur: der Netzwerkgesellschaft; einer neuen Wirtschaft: der informationellen/globalen Wirtschaft; und einer neuen Kultur: der Kultur der realen Virtualität.

In dieser neuen Gesellschaft werden soziale Klassenspaltungen und Machtverhältnisse neu definiert. Im neuen Medium des „Netzes der Netze“, dem Internet, werden Gruppenbeziehungen umformuliert, wodurch sogenannte „virtuelle Gemeinschaften“ entstehen.

3.2. Soziale Interaktion und Arbeitsmarkt

Die Platzierung auf dem Arbeitsmarkt, ein anständiger Job und der Erfolg eigener Projekte sind für Menschen von zentraler Bedeutung. Viele Prozesse des persönlichen und sozialen Zerfalls begannen mit einem Scheitern, einer Krise oder der Unfähigkeit, Chancen am Arbeitsplatz zu bewältigen.

Teamarbeit und soziale Kompetenzen, die in der Gruppendynamik verstärkt werden, sind zunehmend Voraussetzungen für den Zugang zur Beschäftigung. Sozialarbeiter müssen daher die grundlegenden Funktionen des Arbeitsmarktes in heutigen Gesellschaften kennen.

Die technologische Revolution, die den Beginn des 21. Jahrhunderts geprägt hat, transformierte die Unternehmensstrukturen. Sie definiert Stärken und Schwächen und präsentiert gleichzeitig neue Chancen und Bedrohungen in der Umwelt.

Gruppen der Sozialen Arbeit (TS) verfügen in diesem Bereich über ein breites Handlungsfeld: Viele Schulungen in Unternehmen nutzen die Gruppendynamik, um bei Arbeitnehmern die Anforderungen an eine auf Teamarbeit basierende Organisation zu stärken. Bei der Analyse der Interaktion zwischen neuen Technologien, Unternehmen und unserer Disziplin müssen wir uns fragen, was sich geändert hat, um die Chancen und Unwägbarkeiten der nahen Zukunft zu verstehen.

Die Auswirkungen neuer Technologien sind mit der Revolution der Energiequellen sowie den wechselnden Management- und Organisationsmethoden verknüpft, die ihren Ursprung in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts haben.

Innovation und lernende Organisationen

Zwei Merkmale prägen den laufenden Wandel: die Beschleunigung der Innovation und die Konvergenz der Technologien. Beides führt zu einer stärkeren Integration von Design-, Kommunikations-, Produktions- und Vertriebssystemen. In diesem Umfeld sind Anpassungsfähigkeit, Lernfähigkeit und Innovation entscheidend, was zur sogenannten „lernenden Organisation“ führt – einer Organisation, die in einem sich ständig wandelnden Umfeld lernt und sich anpasst.

Arbeitnehmer benötigen soziale Kompetenzen für die Teamarbeit. Während die Gruppendynamik innerhalb der Gesellschaft diese Fähigkeiten stärken kann, werden Krisensituationen oft durch Interventionen der Sozialen Arbeit (TS) mit spezifischen Gruppenmethoden gelöst. Hierbei müssen persönliche, familiäre und soziale Differenzen, die direkt mit dem Arbeitsplatz verbunden sind, aufgearbeitet werden.

Wir können die wichtigsten Trends der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes sowie die geforderten neuen Fähigkeiten zusammenfassen, die ein Fachgebiet für die Soziale Arbeit mit Gruppen eröffnen (siehe Tabelle 2: TS-Gruppen, Betriebs- und Volkswirtschaft Trends XXI Century).

Perspektiven für das Studium der Gruppendynamik

  • Gruppen und soziale Interaktion

Menschen werden in ein Feld von Gruppenbeziehungen hineingeboren. Unsere Identität wird durch Sozialisation gebildet, in der wir Rollen spielen, Verhaltensregeln lernen und Kriterien zur Interpretation unserer Kultur übernehmen. Wir interagieren in einem komplexen Prozess, in dem wir uns anpassen, wählen und unsere Umwelt beeinflussen.

Die Gruppendynamik ermöglicht es uns, Verhaltensmuster, die persönliche Identität, das Selbstwertgefühl sowie Kommunikations- und Analysefähigkeiten (privat und beruflich) zu verbessern.

Unsere Identität basiert auf sozialen Beziehungen, primär innerhalb von Gruppen. Genau deshalb nimmt die Soziale Arbeit (TS) mit Gruppen den Prozess der psychischen und sozialen Entwicklung als Ausgangspunkt, der in Primärgruppen (intim), Sekundärgruppen (produktiv) und dem gesamten Beziehungsnetzwerk stattfindet. Das Ziel unserer Disziplin ist klar: die notwendigen Fähigkeiten zu stärken, um die soziale Einbettung in einem sich wandelnden Umfeld durch Gruppendynamik zu fördern.

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