Alban Berg und Anton Webern: Meister der Zweiten Wiener Schule
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Alban Berg: Lyrik und Expressionismus
Alban Berg war der Lieblingsschüler von Arnold Schönberg. Er gilt als der lyrischste der drei Hauptvertreter der Zweiten Wiener Schule, möglicherweise aufgrund seiner Freundschaft mit Gustav Mahler. Dessen Werke, insbesondere die 6. Sinfonie, übten großen Einfluss auf Berg aus. Obwohl Berg streng atonal komponierte und die Zwölftontechnik auf höchstem Niveau anwandte, blieb seine Musik oft lyrischer. Er ordnete die Tonreihen so an, dass sie Erinnerungen weckten, was seine Werke für ein breiteres Publikum zugänglicher machte als die von Schönberg oder Webern.
Zu Beginn seiner Schaffensperiode genehmigte er – unter der Aufsicht seines Lehrers – einen stark von Wagner beeinflussten Stil, der durch die Ausbeutung einer sehr freien Atonalität gekennzeichnet war.
Meisterwerk "Wozzeck"
Sein Meisterwerk ist die Oper "Wozzeck" (die er Mahler aus Freundschaft widmete). Es ist eine Oper, in der ein unglücklicher Soldat seine untreue Geliebte tötet und sich anschließend erhängt. Sie ist der Prototyp des sozialen Dokuments in einer expressionistischen Arbeit. Sie ist im post-wagnerianischen, chromatisch-dissonanten Stil geschrieben und stellt das klassische Beispiel des chromatischen atonalen Stils dar, kombiniert mit klassischen Formen (Sonatenhauptsatzform, Variationen, Leitmotivtechnik, traditionelle Gesangsformen).
Zweite Schaffensperiode und Violinkonzert
In seiner zweiten Periode entstanden Werke wie:
- "Die Wein-Kantate"
- "Konzert für Violine und Orchester"
- "Lulu"
Das "Konzert für Violine und Orchester", untertitelt "Dem Andenken eines Engels" (gewidmet der früh verstorbenen Tochter aus seiner zweiten Ehe mit Mahler), ist bemerkenswert. In diesem Werk versucht Berg, obwohl die Zwölftonmethode die einzige Alternative zum tonalen System darstellt, die Logik des Systems zu nutzen, ohne seine Ausdrucksfreiheit zu entfremden oder tonale Erinnerungen aufzuzwingen. Die Tonreihe lehnt sich an die Akkorde des Violinkonzerts in g-Moll, D-Dur, a-Moll, E-Dur und die ersten Töne des Bach-Chorals "Es ist genug" an.
Oper "Lulu"
Seine Oper "Lulu" ist ein Ausdruck, aber abstrakter und komplexer als "Wozzeck", mit mehr Symbolik. Ihre Musik ist streng nach der Zwölftonmethode organisiert, wenn auch nicht ohne gewisse klangliche Anklänge.
Die Handlung dreht sich um eine Frau, die einen Arzt und einen Maler heiratet, die sie indirekt tötet. Später tötet sie einen ihrer früheren Liebhaber und kommt ins Gefängnis. Der Sohn eines ihrer Opfer verliebt sich in sie. Gräfin Geschwitz, die lesbisch ist, befreit sie aus dem Gefängnis und lebt mit ihr zusammen, um sie zu erpressen. Lulu endet als Prostituierte in London, wo sie von Jack dem Ripper getötet wird. Die Nachricht besagt, dass die einzige attraktive Rolle, die eine Frau im Leben spielen kann, die der Geliebten oder der Prostituierten ist.
Der dritte Akt blieb aufgrund von Bergs Tod unvollendet und wurde von Friedrich Cerha vollendet, der auch für die Orchestrierung der Lulu-Symphonie verantwortlich war.
Anton Webern: Klassische Strenge und Serialismus
Anton Webern war in Bezug auf Form und Stil weitaus anspruchsvoller und daher strenger. Wenn Berg das romantische Potenzial der Lehren Schönbergs ausschöpfte, verkörperte Webern deren klassisches Potenzial: "Atonalität ohne Romantik". Webern gilt als der Ausgangspunkt des Serialismus.
Atonale Phase
Alle Werke dieser Phase sind durch die Noten, Nuancen und Dynamiken gekennzeichnet, die mit größter Strenge "auf die Spitze getrieben" ausgedrückt werden. Alles ist genauestens durchdacht; keine Note oder Pause fehlt.
Die Merkmale seiner Arbeit sind:
- Verzicht auf die klassische Form.
- Fehlen von Symmetrie, Wiederholung und thematischer Entwicklung.
- Kürze und Prägnanz (Op. 10 Nr. 4 dauert nur 20 Sekunden und umfasst 6 Takte).
- Ausdrucksstarke Kondensation.
- Das Werk muss als Ganzes gehört werden.
- Die Stille ist ein integraler Bestandteil des musikalischen Diskurses. Klang und Stille sind gleichermaßen wichtige Werte.
- Die Dynamik ist äußerst diskret, wobei jedoch forte und pianissimo vorherrschen.
Dodekaphone Phase
Im Jahr 1924 begann er eine zweite Schaffensphase, als er die Zwölftonmethode von Schönberg übernahm. Für Anton Webern schien der Serialismus das System seiner früheren Kompositionen zu befreien.
Zwischen 1914 und 1926 schrieb er hauptsächlich Lieder, die auf zwei kontrapunktischen Elementen basierten: der Liedtradition und der Präsenz des Volkstümlichen. Seine Ausbildung als Musikwissenschaftler half ihm nicht, die Formen der Vergangenheit zu rekonstruieren, sondern neue formale Kriterien zu entwickeln.
Von 1926 bis zu seinem Tod ignorierte er die Singstimme, und seine Werke wurden strenger und perfekter. Weberns Werke sind millimetergenaue Skalen, in denen alles exakt so ist, wie er es beabsichtigt hat. Seine Anforderungen lassen keinen Interpretationsspielraum; sie sind extrem präzise. Er schrieb nie Opern, da dies seiner Tendenz zur Präzision widersprochen hätte. Seine Sensibilität für Klangfarbe und klangliche Klarheit führte ihn oft zu unerwarteten Besetzungen, wie dem Quartett op. 22 für Violine, Klarinette, Tenor und Klavier. Mit wenigen Ausnahmen sind seine Werke im Kammermusikstil gehalten.