Altenglisch: Grammatik, Wortschatz und Entwicklung

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Das altenglische Verb im Kontrast zum modernen Englisch

Die Flexion des Altenglischen (OE) kennt nur zwei einfache Zeitformen: Gegenwart und Vergangenheit. Abgesehen von einer Ausnahme gab es keine Flexionsformen für das Passiv. Ein besonderes Merkmal der germanischen Sprachen war die Einteilung des Verbs in zwei große Klassen: die schwachen und die starken Verben, die im modernen Englisch als regelmäßige und unregelmäßige Verben bekannt sind.

Starke und schwache Verben

Starke Verben (z. B. singen) verändern ihre Zeitform durch einen Wechsel des Wurzelvokals. Bei schwachen Verben (z. B. ging) wird diese Änderung durch das Anhängen eines „Dentals“ (oft mit einer zusätzlichen Silbe) bewirkt.

  • Schwache Verben: Sie sind die häufigste Form. Heute haben diese Verben meist unterschiedliche Vokale in Gegenwart, Vergangenheit und Partizip.
  • Starke Verben: Diese lassen sich in sieben Klassen gruppieren (z. B. helpan-healp-hulpon-holpen).

Formen des altenglischen Verbs

Das OE kannte vier Formen: Infinitiv, Präteritum Singular (1. und 3. Person), Präteritum Plural und Partizip. Viele Verben bildeten ihre Vergangenheit durch Suffixe wie -ede, -ode oder -de.

Dialekte und Merkmale des Altenglischen

Es gab vier Hauptdialekte im OE: Northumbria, Mercia (beide oft als Anglisch zusammengefasst), Westsächsisch und Kentisch. Westsächsisch entwickelte sich aufgrund der politischen Bedeutung des Königreichs zum literarischen Standard.

Sprachliche Charakteristika

Die Aussprache des OE unterscheidet sich deutlich vom modernen Englisch, insbesondere bei langen Vokalen. Ein auffälliges Merkmal der Rechtschreibung war die Verwendung von Digraphen wie þ (th) und æ. Der Wortschatz war fast rein germanisch, bevor er durch die normannische Eroberung und den Einfluss von Latein und Französisch stark erweitert wurde.

Wortschatz: Funktionen und Morphologie

Ein Hauptmerkmal des altenglischen Wortschatzes ist seine Ressourcenvielfalt. Durch Komposition und Ableitung konnten komplexe Konzepte ausgedrückt werden. Wörter wie daegred (Morgendämmerung) verdeutlichen die Fähigkeit, durch Kombination einheimischer Begriffe neue Wörter zu bilden. Auch in der poetischen Sprache war dieser Einfallsreichtum durch Synonyme und Metaphern (z. B. Freude + Holz für Harfe) präsent.

Herkunft und Perioden der englischen Sprache

Englisch gehört zum westgermanischen Zweig. Die Entwicklung lässt sich in drei Perioden unterteilen:

  • Altenglisch (450–1150): Die Zeit der vollen Beugungen. Englisch war eine synthetische Sprache.
  • Mittelenglisch (1150–1500): Die Zeit der nivellierten Beugungen, in der die Flexion stark reduziert wurde.
  • Modernes Englisch (ab 1500): Die Zeit der verlorenen Beugungen, in der das ursprüngliche Flexionssystem weitgehend verschwand.

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