Die amerikanische Revolution und das Rechtssystem
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Im Einzelnen gilt dies nicht für die amerikanischen Erfahrungen. Dort existieren Rechte, die bereits vor der Staatsgründung festgelegt wurden. Die Revolution wird in einer Dimension definiert, die als natürliche Geschichte verstanden werden kann. Diese Rechte sind sowohl durch die vorwiegend europäischen theoretischen Formulierungen als auch durch die britische historistische Tradition der begrenzten staatlichen Zwecke zur Gefahrenabwehr gerechtfertigt.
Historismus und Individualismus
Kurz gesagt ist die Kultur der amerikanischen Revolution sowohl von Historismus als auch von individualistischem Charakter geprägt. Dies ist möglich, weil Historismus und Individualismus auf amerikanischem Boden anders interagierten als auf dem alten Kontinent. Das erste Modell, gestützt auf die britische Tradition, emanzipierte sich durch die Möglichkeit einer schriftlichen Verfassung. Das zweite Modell hingegen löste sich vom europäisch-kontinentalen Kontext des modernen Staates als höchste Konzentration von Imperium und orientiert sich am klassischen britischen Binom von Freiheit und Eigentum.
Unterschiede zur Französischen Revolution
Die Kultur der amerikanischen Revolutionäre unterscheidet sich stark von der traditionellen britischen, selbst in ihrem historistischen Bestandteil. Gleichzeitig weichen der Individualismus und der Kontraktualismus der Revolutionäre von Kontinentaleuropa und insbesondere von der Französischen Revolution ab.
Zwei Auffassungen der politischen Repräsentation
Das Mutterland und die Kolonien vertraten zwei unterschiedliche Auffassungen der politischen Repräsentation. Für die englischen Monarchen war ihr Verhalten völlig legitim. Sie gingen davon aus, dass Steuern durch die Versammlung aller Engländer – das britische Parlament – legitimiert seien, in dem sich alle Untertanen Ihrer Majestät vertreten fühlen sollten.
Dies sollte unabhängig davon gelten, ob sie ihr Stimmrecht tatsächlich ausübten. Die amerikanischen Kolonisten und viele andere Engländer in der Heimat fühlten sich jedoch nicht vom Parlament als legitimer Behörde vertreten.
Interessen der Zivilgesellschaft
Für die amerikanischen Kolonisten war eine solche Argumentation nicht überzeugend, da sie auf einer anderen Konzeption der politischen Repräsentation beruhten. Sie waren daran gewöhnt, Vertreter als Träger spezifischer Interessen der Zivilgesellschaft und Wirtschaft zu betrachten. In einem Kontext großer sozialer Fließfähigkeit war der Abstand zwischen der politischen Klasse und der Zivilgesellschaft sehr gering.
Die historische und soziale Situation, in der die Kolonisten ihre Vorstellungen entwickelten, unterschied sich stark vom Mutterland. Dort hatte sich eine politische Klasse adliger Herkunft etabliert, die sich als repräsentativ für alle Engländer sah. Die Siedler konnten nicht akzeptieren, von einem Parlament vertreten zu werden, das viele Meilen entfernt war, das sie nicht gewählt hatten und das ihre spezifischen Interessen kaum kannte.