Ammoniak-Toxizität: Reizwirkung auf Atemwege, Grenzwerte & Schutzmaßnahmen
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Reizende Wirkung von Gasen auf die oberen Atemwege
Diese Stoffgruppe entfaltet ihre Wirkung ausschließlich in den oberen Atemwegen (Nase und Rachen), ohne den Hals oder die Bronchien zu beeinträchtigen. Aufgrund ihrer außerordentlichen Wasserlöslichkeit werden diese Substanzen vollständig von der Nase und dem Rachen absorbiert, sodass die Luft, die in die Lunge gelangt, praktisch rein ist.
Ammoniak (NH₃)
- Formel: NH3
- Synonym: Wasserfreies Ammoniak
- Merkmale: Ein farbloses Gas mit stechendem, ätzendem und erstickendem Geruch. Kann unter Druck verflüssigt werden.
Quellen der Exposition
- Chemische Industrie: Herstellung von Düngemitteln, Textilien, Leder, Zellstoff und Papier; als Lösungsmittel und Stabilisator (z. B. bei der Gummiherstellung).
- Synthese: Organische und anorganische Synthese von Salpetersäure, Harnstoff, Kunststoffen, Harzen, synthetischen Fasern, Sprengstoffen, Raketentreibstoffen, Cyaniden, Amiden, Farbstoffen, Aminen und Haushaltsreinigern.
- Bergbau und Metallurgie: Extraktion und Reinigung metallurgischer Erze, Schrottverarbeitung, Glühen, Atom-Wasserstoff-Schweißen, Elektronik- und Stahlindustrie.
- Ölraffinerie: Als Neutralisationsmittel, bei der Herstellung und Verwertung des katalytischen Krackens und zur Gewinnung von Paraffinen aus Schmierölen.
- Kältemittel: Einsatz in Kälteanlagen, Kühlanlagen und bei der Lagerung von Tiefkühlprodukten.
Aufnahmewege (Expositionspfade)
Ammoniak kann durch Einatmen, Haut- oder Augenkontakt in den Körper gelangen. Eine orale Aufnahme ist ebenfalls möglich.
Gesundheitliche Auswirkungen (Pathologie)
Ammoniakdampf wirkt stark reizend auf die Augen (insbesondere die Hornhaut), die Atemwege und die Haut.
- Akute Inhalation: Das Einatmen von Konzentrationen zwischen 2500 und 6500 ppm verursacht Atemnot, Brustschmerzen und Lungenödeme, was tödlich sein kann.
- Spätfolgen: Als Spätfolgen sind Bronchitis oder Lungenentzündung sowie eine bleibende Beeinträchtigung der Lungenfunktion bekannt.
- Toleranz: Eine Toleranz gegenüber allgemein reizenden Ammoniak-Konzentrationen kann durch Anpassung erworben werden. Dieses Phänomen wird häufig bei Arbeitnehmern beobachtet, die sich an die Auswirkungen der Belastung gewöhnt haben.
- Flüssiges Ammoniak: Flüssiges wasserfreies Ammoniak kann zu schweren Augenverletzungen oder Erblindung führen. Es verursacht Verbrennungen ersten und zweiten Grades der Haut, die oft schwerwiegend sind und bei großflächiger Ausdehnung tödlich sein können.
Grenzwerte für Ammoniak (Exposition)
- Zulässiger gewichteter Grenzwert (TWA): 20 ppm (14 mg/m³)
- Kurzzeitgrenzwert (STEL): 35 ppm (24 mg/m³)
Klinisches Bild der Ammoniak-Exposition
Akute Symptome
Ammoniak wirkt stark reizend auf Augen, Atemwege und Haut. Akute Exposition kann folgende Symptome verursachen:
- Brennen und Tränen der Augen, laufende Nase, Husten.
- Schmerzen im Brustkorb, Atemstillstand und Tod.
- Schwere und verzögerte Atembeschwerden.
- Hautkontakt mit hohen Gaskonzentrationen kann zu Verbrennungen und Blasen führen.
- Kontakt mit flüssigem Ammoniak oder Ammoniaklösungen kann schwere Verätzungen der Augen und der Haut verursachen.
Chronische Symptome
Wiederholte Exposition gegenüber Ammoniakgas kann zu chronischen Reizungen der Augen und der oberen Atemwege führen.
Kontrollmaßnahmen und Arbeitsschutz
Technische Kontrollen
- Geschlossene Verfahren
- Lokale Absauganlagen (örtliche Abluftanlagen)
- Allgemeine Verdünnungslüftung
Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
- Wasserdichte Kleidung, Handschuhe, Gesichtsschutz und andere Schutzkleidung sind erforderlich, um Hautkontakt zu verhindern.
- Notduschen sollten installiert werden, wenn die Gefahr besteht, dass Arbeitnehmer Ammoniak ausgesetzt sind.