Analyse von Carmen Laforets 'Nada': Rollen und Rebellion
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Andreas Verhalten als „Chica Rara“
Welche Aspekte von Andreas Verhalten entsprechen dem Typus des „seltenen Mädchens“ (Chica Rara), wie er von Carmen Martín Gaite beschrieben wurde?
Andrea ist ein Mädchen, das im Gegensatz zu den typischen weiblichen Modellen der romantischen Fiktion steht. Sie lehnt ein herkömmliches, vorgezeichnetes Leben ab. Sie ist frei, unabhängig und möchte sowohl ihre berufliche Zukunft als auch ihr Gefühlsleben selbst wählen. Man kann sie als eine feministische Frau betrachten.
Die komplexe Figur des Román
Román ist eine der komplexesten Figuren des Romans. Wie erklären Sie seine Anziehungskraft auf Frauen und wie bewerten Sie diese?
Seine Anziehungskraft basiert auf der Aura des Geheimnisvollen, die ihn umgibt. Er verkörpert den Typus des Don Juan, eines Bohemiens und abenteuerlichen, missverstandenen Künstlers. Diese Mischung macht ihn für Frauen attraktiv, da er vom konventionellen Männermodell der damaligen Zeit abweicht: Er war weder religiös noch formal angepasst.
Rebellion der Generationen
Fast alle jungen Personen des Romans zeigen eine gewisse generationsbedingte Rebellion gegen Erwachsene. Vergleichen Sie Andreas Rebellion mit der von Ena und Angustias.
Andrea rebelliert gegen ihre Tante Angustias, weil sie deren Unterdrückung und den damit verbundenen Schmerz nicht akzeptiert. Sie möchte sich nicht dem Modell des devoten Mädchens unterwerfen, das nur danach strebt, eine „gute Mutter“ zu werden. In Bezug auf Ena: Sie genießt zwar mehr Freiheit als Andrea, fühlt sich aber dennoch von ihren Eltern entfremdet. Dies ist einerseits eine Frage des Alters, andererseits liegt es daran, dass ihre Eltern das typische bürgerliche Familienmodell der Zeit repräsentieren. Ena strebt nach einem Lebensstil, der weniger eintönig ist als der ihrer Eltern.
Das Gespräch zwischen Andrea und Enas Mutter
Das Gespräch zwischen Andrea und Enas Mutter ist entscheidend. Welches Frauenmodell verkörpert Enas Mutter und wie reagiert Andrea darauf?
Enas Mutter hat sich entschieden, all ihre Zuneigung ihren Kindern zu widmen. Sie hat die romantische Liebe aufgegeben, da ihr Mann sie nur noch als Mutter seiner Kinder sieht. Sie ist eine Frau, die sich – wie viele andere ihres Alters – dem sozialen Fatum gefügt hat. Obwohl sie versucht, mit dem, was sie hat, glücklich zu sein, erreicht sie nie wahre Erfüllung. Diese radikale Entscheidung für die Mutterschaft beeindruckt Andrea so sehr, dass sie diese Gedanken fast als ihre eigenen übernimmt (vgl. S. 223: „Meine Gedanken harmonisierten...“).
Soziale Sektoren im Roman
Ist Enas Familie repräsentativ für einen sozialen Sektor? Welche Sektoren repräsentieren Andreas Freunde?
Enas Familie ist repräsentativ für die Bourgeoisie. Andreas Freunde gehören ebenfalls diesem sozialen Bereich an, führen aber im Gegensatz zu ihren Eltern ein Leben als Bohemiens und sorgen sich weniger um die sozialen Probleme der Zeit.
Drei Frauenmodelle im Vergleich
Im Roman werden drei verschiedene Frauenmodelle dargestellt. Beschreiben Sie diese kurz und nennen Sie deren Widersprüche.
Wir können drei wesentliche Frauenmodelle unterscheiden:
- Die fromme, traditionelle Frau: Angustias und die Großmutter.
- Die „befreite“ Frau: Gloria.
- Die moderne bürgerliche Frau und Mutter: Enas Mutter und Ena.
Widersprüche der Charaktere
- Angustias: Sie führt heimlich eine Affäre mit ihrem Chef, was im krassen Widerspruch zu ihrer strengen katholischen Moral steht.
- Gloria: Sie gilt als liberal, wird jedoch von Juan misshandelt; sie ist keine wirklich emanzipierte Frau, wie man es erwarten würde.
- Enas Mutter: Als moderne Bürgerliche ist sie in ihrer konventionellen Ehe unglücklich. Sie sehnt sich nach der romantischen Liebe zu Román, wagt es aber nicht, ihr bürgerliches Leben und den damit verbundenen Komfort aufzugeben.
Erzählperspektive und die Barrio-Chino-Episode
Die Ich-Erzählung prägt den Roman. Gibt es eine Episode, die aus zwei Blickwinkeln erzählt wird?
Ja, die Episode im Barrio Chino (Xino-Viertel) wird mit zwei Stimmen bzw. aus zwei Perspektiven berichtet: einmal von Andrea (S. 166–169) und einmal von Gloria (S. 229–231).
Katalanische Einflüsse im Text
Im Roman werden einige katalanische Begriffe verwendet. Wo tauchen diese auf?
Einige Begriffe wie „Camàlics“ (S. 14), „Mosaics“ (S. 15), „Wurst“ (S. 124) und „Drapaire“ (S. 227) werden vom Erzähler verwendet. Andere Begriffe fallen in den Dialogen der Charaktere, wie zum Beispiel: „Poblet“ (S. 169), „Noi“ (S. 179) oder „Nen“ (S. 231). Dies verleiht dem Werk mehr Realismus, da es die tatsächliche Sprechweise der damaligen Zeit in Barcelona widerspiegelt.