Analyse von Edvard Munchs 'Der Schrei'
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Werkdetails
Titel: Der Schrei
Künstler: Edvard Munch
Datiert: 1893
Stil: Expressionismus
Technik: Öl und Tempera auf Pappe
Standort: Nasjonalgalleriet, Oslo
Technische Analyse
Formale Elemente
Das Werk ist eine Malerei in Öl und Tempera auf Pappe. Die Farben lassen sich in zwei kontrastierende Bereiche einteilen:
- Kalte Farben: Blau, Violett usw.
- Warme Farben: Rot, Gelb, Orange usw.
Das blaue Meer stellt eine Hafenstadt an einem Fjord dar (ein Meeresarm, der tief ins Land reicht). Der Pinselstrich ist sehr frei, locker und schnell, um den emotionalen Ausdruck zu verstärken. Das Licht wirkt unwirklich, fast wie in einem Comic. Das Geländer erzeugt räumliche Tiefe. Insgesamt besitzt das Werk eine enorme Ausdruckskraft.
Komposition
Die Komposition ist in zwei Zonen unterteilt. Die zentrale Figur wird durch zwei weitere Figuren im Hintergrund ausbalanciert. Das Geländer trennt das Bild deutlich:
- Ein vorderer Bereich, der von den geraden Linien des Geländers dominiert wird.
- Ein hinterer Bereich jenseits des Geländers, der von bewegten, kurvigen Linien geprägt ist.
Dieses Kompositionsprinzip erzeugt das Gefühl, dass das Individuum eher der Gewalt der Natur ausgesetzt ist als in die vom Menschen geschaffenen Strukturen integriert zu sein. Als Inspiration für die Figur diente Munch offenbar eine peruanische Mumie, die er im Musée de l'Homme in Paris sah.
Der Bildaufbau lässt sich zusammenfassen:
- Vordergrund/Unten: Vorherrschaft der geraden Linien (Geländer).
- Hintergrund/Oben: Vorherrschaft der geschwungenen Linien, wodurch die Figur stärker mit der Natur verschmilzt.
Stil und kunsthistorische Einordnung
Das Werk ist sowohl dem persönlichen Stil des Künstlers als auch der Strömung des Expressionismus zuzuordnen.
Der Expressionismus
Im frühen 20. Jahrhundert veränderten eine Reihe von ästhetischen Tendenzen die Kunstszene dramatisch und führten zu neuen Ausdrucksformen. Man kann argumentieren, dass expressionistische Züge, bei denen Emotionen über formale Aspekte dominieren (z. B. bei Goya), schon immer in der Kunstgeschichte existierten. Der Expressionismus tritt oft in Zeiten gesellschaftlicher Krisen in Erscheinung.
Als breiter Trend trat der Expressionismus zwischen den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts und den 1930er Jahren vor allem in den nordischen Ländern, Deutschland und Österreich auf. Neben Vorläufern wie van Gogh, Ensor und Munch waren die wichtigsten deutschen Expressionisten in Gruppen organisiert:
- Die Brücke (gegründet 1905): Gesellschaftlich kämpferisch, mit brutalem und willkürlichem Farbeinsatz. Der Inhalt wurde über die ästhetische Perfektion gestellt. Es zeigen sich Einflüsse afrikanischer und ozeanischer Kunst.
- Der Blaue Reiter (gegründet 1910): Poetischer und intellektueller als Die Brücke, weniger politisiert und mit einer Entwicklung hin zur Abstraktion.
Diese Gruppen bildeten die Grundlage für eine spätere Bewegung mit stärker politischem Inhalt:
- Neue Sachlichkeit (ab den späten 1920er Jahren): Betonte die Bedeutung des Inhalts über technische Aspekte und übte Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft.
Der Expressionismus erfasste alle Bereiche der Kultur, einschließlich des Films (z. B. Das Cabinet des Dr. Caligari, Nosferatu, Metropolis). Er neigt zur Vereinfachung und Verformung, um innere Gefühle auszudrücken. Im Gegensatz zum Impressionismus wird die Kunst von innen nach außen projiziert.
Wichtige Vertreter
- Vorläufer: Van Gogh, Ensor, Munch
- Die Brücke: Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff
- Der Blaue Reiter: Kandinsky, Franz Marc, Macke, Klee
- Wiener Gruppe: Kokoschka, Schiele
- Neue Sachlichkeit: Barlach, Dix, Grosz, Beckmann
Interpretation
Funktion des Werkes
Es wird angenommen, dass das Thema für Munch eine Obsession war, da er etwa 50 Versionen des Werkes schuf. Die primäre Funktion des Bildes ist es, die innere Welt und die Ängste des Künstlers auszudrücken.
Kontext
Historischer Kontext
Das Werk entstand zur Zeit des Modernismus in Europa. Themen aus der Natur und die Verwendung von geschwungenen Linien waren prägend für die Epoche. Die in Berlin gegründete Künstlergruppe Die Brücke wurde später stark von Munchs Arbeiten beeinflusst.
Persönlicher Kontext
Der persönliche Kontext des Malers, der von Ängsten und Sorgen geprägt war, ist entscheidend für das Verständnis des Werkes. Seine Biografie liefert hierzu wichtige Anhaltspunkte.
Einflüsse und Beziehungen
Zu Munchs Vorbildern und wichtigsten Einflüssen zählen die Post-Impressionisten, insbesondere Vincent van Gogh und Henri de Toulouse-Lautrec.
Inhalt und Bedeutung
Inhalt (Sujet)
Das Bild zeigt eine Person auf einer Brücke an einem Fjord in Norwegen, die einen plötzlichen Angstanfall erleidet. Der Künstler thematisiert die Bedeutungslosigkeit der Menschheit angesichts existenzieller Probleme.
Bedeutung (Botschaft)
Die Botschaft des Werkes ist, dass der Mensch im Vergleich zur überwältigenden Kraft der Natur klein und unbedeutend ist und sein Schicksal nicht kontrollieren kann.