Analyse von Edvard Munchs „Der Schrei“

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Im Vordergrund steht eine Figur auf einer Brücke. Hinter ihr befinden sich zwei weitere Gestalten. Während die Hauptfigur im Vordergrund stillsteht, gehen die anderen beiden Figuren am Ende der Brücke gleichgültig weiter. Die Hauptfigur legt die Hände an den Kopf und öffnet den Mund, als ob sie mit all ihrer Energie schrie; ihre Gesichtszüge sind deformiert, fast nur skizziert. Jenseits der Brücke scheint alles mit der Angst, welche die Figur vermittelt, zu sympathisieren und nimmt die gleiche gewundene Form an. Das Geländer der Brücke fungiert dabei als Trennung der beiden Umgebungen. Am unteren Ende der Komposition sind eine Art Bucht, ein Fjord sowie die Silhouetten von zwei Booten zu sehen. Die plastischen Elemente in dieser Arbeit sind unter der starken Ausdruckskraft des Charakters dargestellt.

Komposition und Farbwahl

Die gesamte Komposition besteht aus Linien: sehr gewundenen Kurven, Diagonalen (wie das Geländer) und Geraden (wie die menschlichen Figuren). Die Verwendung von Farbtönen basiert auf unwirklichem Rot, Blau und Schwarz, um das Gefühl des Leidens und der Angst des im Vordergrund dargestellten Individuums zu verstärken. Die beschriebenen Merkmale führen zu dem Schluss, dass es sich bei dem analysierten Werk um ein Werk des Expressionismus handelt: „Der Schrei“, geschaffen vom norwegischen Maler Edvard Munch, einem Vorläufer dieser Stilrichtung.

Biografischer Hintergrund und Inspiration

Die Inspiration für „Der Schrei“ lässt sich vielleicht im gequälten Leben des Künstlers finden – ein Mann, der von einem strengen und starren Vater erzogen wurde und als Junge den Tod seiner Mutter und seiner Schwester miterleben musste. In den 1890er Jahren wurde bei Laura, seiner Lieblingsschwester, eine bipolare Störung diagnostiziert, woraufhin sie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde. Seine Stimmung spiegelt sich in den Zeilen seines Tagebuchs wider.

Diebstähle und kulturelle Bedeutung

In den letzten Jahren wurden zwei verschiedene Versionen des Werkes zum Ziel von zwei aufsehenerregenden Diebstählen. Die bekannteste Version wurde im Februar 1994 aus der Nationalgalerie gestohlen und acht Wochen später durch polizeiliche Maßnahmen wiedergefunden. Im August 2004 erfolgte der Diebstahl einer weiteren Version des Bildes aus dem Munch-Museum. Zwei Jahre später, am 31. August, gab die norwegische Polizei die Sicherstellung der Gemälde in gutem Zustand bekannt.

Symbolik und Status als Ikone

Alle Versionen des Bildes zeigen eine androgyne Figur im Vordergrund als Symbol für den modernen Menschen in einem Augenblick tiefer Angst und existenzieller Verzweiflung. Die Kulisse ist Oslo, gesehen vom Hügel Ekeberg. „Der Schrei“ gilt als eines der wichtigsten Werke des Künstlers und des Expressionismus insgesamt. Es ist ein kulturelles Ikonenbild, vergleichbar mit Leonardo da Vincis Mona Lisa. Die Verwendung des Werkes auf Produkten aller Art – von Keramiktassen über T-Shirts und Poster bis hin zu Schlüsselanhängern – bestätigt seinen Status als Ikone sowie seine heutige öffentliche Bekanntheit. In diesem Sinne kann das Kunstwerk mit anderen Werken verglichen werden, die ebenfalls zu Symbolen wurden, wie etwa die Mona Lisa von da Vinci.

Munch als Vorläufer des Expressionismus

Eine Reise nach Paris ermöglichte Munch den Kontakt mit den Werken von Van Gogh, Gauguin und Toulouse-Lautrec, die seine Malerei beeinflussten. Sein Werk weist jedoch auch starke Parallelen zu den „Schwarzen Gemälden“ von Goya auf, insbesondere durch die Verwendung dunkler Farben und die düstere Atmosphäre. Der norwegische Künstler übte mit seinem Versuch, die Tiefen der menschlichen Seele darzustellen, einen großen Einfluss auf die deutsche Kunst des frühen 20. Jahrhunderts aus, insbesondere auf die Gruppe „Die Brücke“, die Vertreter des deutschen Expressionismus war. In der konzeptionellen Ebene hinterließen der Dramatiker Ibsen, die Romane von Dostojewski sowie die philosophischen Theorien von Nietzsche und Kierkegaard ihre Spuren in seiner künstlerischen Produktion.

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