Analyse von John Deweys 'Das Kind und der Lehrplan'
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Einleitung: John Dewey und sein Werk
Dies ist ein Text aus einem der grundlegenden Werke von John Dewey, Das Kind und der Lehrplan, in dem er einen Teil seiner pädagogischen Theorien und einige der Grundlagen seiner experimentellen Theorie darlegt. Das Werk wurde zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts verfasst.
John Dewey war ein US-amerikanischer Philosoph und Pädagoge des späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts, der großen Einfluss auf die amerikanische und europäische Pädagogik seiner Zeit hatte. Er war Professor für Philosophie an der University of Chicago, wo er eine Laborschule leitete.
Er wurde von den Theorien Hegels, Darwins und Peirces beeinflusst.
Er wird der Reformpädagogik (im Englischen als „New School“ oder „Progressive Education“ bekannt) zugeordnet und hatte große Bedeutung für viele Strömungen, die sich im zwanzigsten Jahrhundert in Europa und Amerika entwickelten.
Die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts war eine Zeit großer Veränderungen, insbesondere in der amerikanischen Gesellschaft. Industrialisierung, verstärkte Zuwanderung, die Menschen unterschiedlichster Herkunft und Kulturen zusammenbrachte, die Entstehung neuer wirtschaftlicher und sozialer Klassen sowie die aufkommende technologische Entwicklung machten Veränderungen im Bildungswesen notwendig, um dieser neuen Situation gerecht zu werden.
Analyse des Textes
Hauptgedanken
- Die Bildung muss sich auf das Kind konzentrieren und nicht auf den Lehrstoff.
- Lernen ist ein aktiver Prozess, der die aktive Beteiligung des Schülers erfordert.
- Das Leben und die Erfahrungen der Kinder sind nicht in einem Lehrplan festgeschrieben.
- Es besteht ein Gegensatz zwischen:
- Disziplin: Fokus auf dem Lehrplan.
- Interesse: Das Kind steht im Mittelpunkt des Lehrplans.
Innere Struktur
Dewey entwickelt einen Kontrast zwischen zwei Theorien: der einen, die den Lehrstoff in den Mittelpunkt der Bildung stellt, und der anderen, die das Kind selbst in das Zentrum rückt.
Er schlussfolgert, dass die Lehrmaterialien nur Werkzeuge sind, die dank der Aktivität des Kindes zu seiner Bildung beitragen.
Eine abschließende Gegenüberstellung erfolgt erneut zwischen den beiden Begriffen: Disziplin und Interesse.
Begriffserklärung: Interesse
Das Interesse ist ein grundlegender Begriff in Deweys Theorie und das Fundament seiner Pädagogik. Bildung ist für ihn die wesentliche Beteiligung des Individuums an der Gesellschaft, und diese kann nicht ohne das wirkliche Interesse der Individuen selbst stattfinden.
Kommentar
Untersuchung des Problems
Ideologischer Kontext des Textes
Die Reformpädagogik („New School“) bewirkte eine wesentliche Veränderung in der Bildung. Anstelle einer Lehre, die sich auf akademische Fächer konzentrierte und in der die Individuen eine passive Rolle bei der Aneignung von Wissen spielten, das ihnen von Lehrern vorgegeben wurde, wird das Kind nun als aktiver Gestalter seiner eigenen Bildung betrachtet – es ist selbst das Zentrum. Kinder werden dazu erzogen, sich aktiv an einer realen Gesellschaft zu beteiligen, zu der sie gehören.
Jedes Kind wird als eine Person betrachtet, die durch ihre eigene Tätigkeit lernt und sich entwickelt.
Das Interesse des Kindes, das in seiner unmittelbaren Umgebung wurzelt, ist das Zentrum des Lernens. Der Lehrplan dient nur als Werkzeug und Material, damit das Kind sich selbst entwickeln und verwirklichen kann. Der Lehrplan ist nicht der Mittelpunkt des Lernens, sondern etwas, das der Entwicklung des Subjekts dient.
Einflüsse des Umfelds
Der Autor, ein Universitätsprofessor, nahm die progressiven Strömungen seiner Zeit auf und erkannte die Notwendigkeit einer Bildungsreform, um sich an die sich wandelnde und heterogene Gesellschaft anzupassen. Als Universitätsprofessor war er an experimentellen Theorien beteiligt, die er in seiner selbst gegründeten Laborschule entwickelte und erprobte.
Die amerikanische Gesellschaft, geprägt von Einwanderern und Menschen vieler Ethnien, Kulturen und Ideologien, benötigte eine Schule und eine Bildung, die das Individuum in seinen Merkmalen, Eigenschaften, Interessen und Bedürfnissen versteht.
Von Hegel übernahm Dewey Ansätze zur Vernunft als Mittel zur Erreichung von Stabilität und Sicherheit.
Er griff auf das biologische Modell von Darwin und dessen Vorstellung von der Anpassung zwischen Organismus und Umwelt zurück.
Von Peirce übernahm er den Wert des Wissens, wenn es auf die Wirklichkeit angewendet wird.
Einfluss des Autors auf die Reformpädagogik
Die progressive Schulbewegung in den USA, die am Ende des Ersten Weltkriegs aufkam und das amerikanische Pendant zur europäischen Reformpädagogik darstellt, stützt sich auf Deweys Philosophie und versucht, die Gesellschaft durch Bildung zu verändern. Sie fand viele Anhänger und hatte weitreichende Auswirkungen auf die pädagogischen Ideen seiner Zeit sowie auf spätere Theorien, die sich im zwanzigsten Jahrhundert in Amerika und dem Rest der Welt entwickelten.
Fazit
Zusammenfassung der Hauptgedanken
Das Zentrum der Bildung ist das Kind, und die Lehrpläne stehen immer im Dienst seiner Selbstverwirklichung als Person und Mitglied einer Gesellschaft.
Lernen muss immer aktiv sein und von den Interessen des Kindes ausgehen.
Der Erzieher sollte sich stets am Kind orientieren, sich auf dessen Wünsche, Interessen und Meinungen konzentrieren und es sein eigenes Lernen gestalten lassen. Er stellt Werkzeuge für die Entwicklung bereit, zwingt aber niemals etwas auf oder unterwirft alles einer starren Disziplin. Das Leben des Schülers allein ist der Motor seiner Entwicklung und seines Lernens.
Bewertung und Einordnung
Die Notwendigkeit einer Bildungsreform, die durch die sozialen Veränderungen in der zweiten Hälfte des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts ausgelöst wurde, veranlasste Philosophen und Pädagogen, das traditionelle Bildungssystem zu hinterfragen. Dieses System, das auf den Lehrplan, den Lehrer und eine Lerndisziplin ausgerichtet war, ließ keinen Raum für die Entwicklung des Subjekts als aktiven Gestalter seines eigenen Lernprozesses. Dies führte zur Entstehung neuer Theorien mit radikal anderen Ansätzen.
Die Individualität des Subjekts, seine Fähigkeit, an der eigenen Bildung mitzuwirken, und das Interesse an der Entwicklung von Fähigkeiten, die seine Integration in die Gesellschaft fördern, rücken in den Vordergrund. Bildungsprogramme werden als bloße Instrumente betrachtet, die dem Lernenden je nach seinen Interessen für die persönliche Entwicklung dienen.
Deweys Ansätze waren im sich wandelnden Kontext seiner Zeit gültig. Heute mögen sie extrem und weit von der schulischen Realität entfernt erscheinen. Es bedurfte weiterer praktischer und in der Schulwirklichkeit verankerter Maßnahmen, um ihre Richtigkeit und Angemessenheit zu überprüfen.
Anleitung zur Textanalyse und Kommentierung
1. Textklassifikation
- Art des Textes:
- Historisch-rechtlich (Gesetz, Dekret, Verfassung, Vertrag)
- Historisch-narrativ (Rede, Parlamentsdebatte, Proklamation, Zeitungsartikel)
- Historisch-literarisch (Berichte, Briefe)
- Historiografisch (von einem Autor nach den Ereignissen verfasst)
- Kontext des Textes:
- Genaues oder ungefähres Datum und historischer Moment.
- Datum, an dem der Autor schreibt und worüber er schreibt.
- Raum-zeitliche Umstände des historischen Moments.
- Autor des Textes:
- Identität und Persönlichkeit.
- Position und Umstände (Zeitgenosse oder späterer Autor).
- Mögliche Absichten oder Voreingenommenheit des Autors.
2. Analyse des Textes
- Thematischen Inhalt ordnen und darstellen:
- Definition von Namen, Fachbegriffen, Institutionen usw.
- Thematische Tiefe und Bedeutung erfassen:
- Herausarbeiten der wesentlichen Ideen.
- Gruppierung und Formulierung der im Text enthaltenen Fragestellungen.
- Inhalt interpretieren und präzisieren:
- Erläuterung der Gedanken des Autors.
- Klärung und Präzisierung der primären und sekundären Ideen.
3. Textkommentar
- Einordnung und Verknüpfung des Textes mit dem historischen Prozess.
- Einordnung und Kommentierung des Textes in seinem historischen Kontext. Aufzeigen, was er zum Wissen über die Zeit, eine Figur oder spezifische historische Probleme beiträgt.
- Kritik am Text in Bezug auf seinen Gegenstand: Authentizität, Richtigkeit, Interpretation, mögliche Fehler.
4. Schlussfolgerungen
Zusammenfassende Betrachtung der allgemeinen Merkmale des Textes und des Themas.
Modell für einen Textkommentar (Geschichte/Lehre)
0. Vorbereitungsphase: Lesen und Verstehen
1. Der Text
1.1 Text und Kontext
- Einordnung des Textes in den globalen Kontext: Zeit, Autor, dessen Denken, Werk usw.
- Chronologie.
1.2 Form
- Sprache, Wortschatz, Konzepte, Bedeutungen.
- Stil, Genre.
- Quellen, Zuverlässigkeit, Übersetzung.
1.3 Inhalt
- Analyse der Textideen aus geschichtsdidaktischer Sicht.
- Thema oder Problemstellung, zentrale Ideen.
- Motivationen, Einflüsse.
- Beiträge, Originalität, Wirkung.
2. Der Kommentar
2.1 Kritische Untersuchung
- Kritik am Thema und seinem Ansatz.
- Kritik an der Sprache.
- Kritik an den Ideen und Schlussfolgerungen des Autors.
- Gesamtbewertung: Fortschritt, Rückschritt, Bruch usw.
2.2 Schlussfolgerungen
- Persönliche Einschätzung.
- Bedeutung und Aktualität.
- Persönlicher Beitrag zum Thema oder Problem.
3. Bibliografie
- Zum Autor und über den Autor.
- Zur Epoche, zu den behandelten Themen usw.
Detaillierte Anleitung zur Textanalyse
Erster Teil
a. Analyse der Begriffe
- Historischer Überblick über Schlüsselbegriffe.
- Bedeutung, die der Autor den Begriffen beimisst.
- Stil des Autors.
- Untersuchung neuer Begriffe, die im Text vorkommen.
- Wert der Sprache des Werkes zur Klärung der ausgedrückten Ideen.
- Analyse der Begriffe zur chronologischen Einordnung und Bestimmung der Urheberschaft.
- Mögliche Interpolationen und Fehler bei Übersetzung und Interpretation.
- Zusammenfassung und Erläuterung der wichtigsten Ideen im Text.
b. Analyse der Methode
- Historisch verwendete Methoden bei der Behandlung des Themas.
- Analyse der vom Autor verwendeten Methode.
- Analyse der Informationsquellen, die der Autor im Text nutzt.
- Bewertung der Methode für die Bearbeitung des Themas.
- Darlegung der Methode, die zur Beweisführung verwendet wird.
c. Einordnung des Textes
- Beziehung des Textes zum Kontext.
- Beziehung des Kontexts zum Werk.
- Beziehung des Werkes zum Gesamtgedanken des Autors.
- Produktionsphase des Autors, zu der das Werk gehört.
- Entwicklung des Denkens des Autors und mögliche Widersprüche.
- Beziehung des Autors zu seiner Zeit, Schule oder Strömung.
Zweiter Teil
a. Kernideen des Textes
- Untersuchung der vom Autor aufgeworfenen Problemstellung.
- Geschichte des Problems und andere Formulierungen desselben.
- Originalität des Autors.
- Persönliche, soziale, wirtschaftliche, politische und religiöse Einflüsse auf die Ideen des Autors.
- Bedeutung der Ideen im Text für das Gesamtwerk des Autors.
- Einfluss anderer Wissensgebiete auf die Ideen des Autors.
- Spätere Interpretationen des Textes.
- Einfluss des Autors innerhalb seiner Schule.
- Einfluss auf die Geschichte der Pädagogik.
b. Kritische Studie
- Kritik an der Problemstellung.
- Kritik an der Darstellungsweise.
- Kritik an den zugrunde liegenden Annahmen.
- Kritik an der Methode.
- Kritik an der verwendeten Sprache.
- Kritik an den Ideen.
- Kritik an den Einflüssen auf die Ideen.
- Kritik an den Schlussfolgerungen.
- Allgemeine Kritik am Denken des Autors.
- Kritisch-historische Interpretation von Text, Werk und Autor.
- Kritik an der Schule oder ideologischen Linie, der der Text zugeordnet werden kann.
c. Schlussfolgerungen
- Gegenwärtiger Wert des Problems und der vorgeschlagenen Lösung.
- Persönliche Einschätzung des Problems.
- Persönliche Beurteilung der Schlussfolgerungen des Autors.
- Persönlicher Beitrag zur Behandlung und Lösung des Problems.
- Bibliografie des Autors: Hauptwerke, Ausgaben und Übersetzungen.
- Bibliografie über den Autor.
- Literatur zur Schule oder philosophischen Linie.
- Literatur zum im Text behandelten Problem.
- Literatur zu den wichtigsten historischen Lösungen des Problems.