Analyse: Sprachliche Merkmale eines Kommentars zur Fukushima-Krise

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Analyse der Textsorte: Der Zeitungskommentar

Der vorliegende Zeitungstext interpretiert Ereignisse und Werte aus der Sicht des Autors. Insbesondere handelt es sich hierbei um eine *Stellungnahme* bzw. einen *Kommentar* zu einem aktuellen Thema von allgemeinem Interesse, der subjektiv ausgerichtet ist. Ein weiteres Merkmal, das diese Schlussfolgerung zulässt, ist die Signatur des Autors.

Der Kommunikationsprozess im Medium Zeitung

Im Kommunikationsprozess dieses Mediums zeigen sich besondere Eigenschaften:

  • Der *Absender*, der eine einseitige Kommunikation herstellt, ist der Autor des Zeitungsartikels.
  • Der *Empfänger* ist universell und unbestimmt (die Leserschaft).
  • Die *Botschaft* ist der Inhalt, den der Emittent senden möchte (z. B. die Katastrophe in Fukushima).
  • Der *Kanal* ist die Zeitung, in der der Artikel erscheint.
  • Der *Code* ist sprachlicher Natur.

Erklärende und argumentative Funktionen

Der Text ist erklärend und argumentativ. Er informiert und vermittelt Wissen (*Know-how*), wobei er Argumente anführt, um den Empfänger zu überzeugen. Daher überwiegen die *konative* (appellative) und die *repräsentative* (darstellende) Funktion.

Subjektivität und die Verwendung der ersten Person

Ein charakteristisches Merkmal ist die *Subjektivität*. Diese zeigt sich in der Verwendung der ersten Person Plural und Singular: „Wir“, „wir wissen“, „ich schätze so“. Wir finden auch emotionale Ausdrücke des Autors wie: *„Ich wünschte, es wäre anders!“*

Komplexität durch Fachterminologie

Obwohl der Artikel informativ ist und sich an jeden Leser richtet, wird er durch die Verwendung eines semantischen Feldes der Kernenergie kompliziert, da er viele technische Begriffe wie *„Kernspaltung“* enthält.

Vorherrschender Modus und pessimistischer Ton

Der vorherrschende Modus ist der Aussagesatz. Der Autor verwendet einen *pessimistischen Ton*, der sich durch den gesamten Artikel zieht, z. B.: *„Aber es ist auch wahr, dass Systeme ohne Anzeichen des Scheiterns sind. Das Unerwartete geschieht.“*

Thema, Kohärenz und thematische Progression

Das Thema dieser Arbeit ist die *Atomkrise in Japan*. Der Text weist eine globale Konsistenz auf, was bedeutet, dass er als kommunikative Einheit betrachtet werden kann. *Kohärenz* ist die Eigenschaft, die jedem Text innewohnt, der als Einheit verstanden wird. Der Text bezieht sich auf die Krise im Kernkraftwerk Fukushima, ein aktuelles Thema, das Sinn ergibt und heute noch relevant ist, da diese Katastrophe die Überwachung und Überprüfung vieler Kernkraftwerke weltweit verstärkt hat. Wir beobachten auch eine *thematische Progression*, da der Autor schrittweise spricht und auf grundlegende Informationen neue Informationen aufbaut. Vor diesem Hintergrund besteht der Text aus drei Teilen:

Die Gliederung des Artikels

  1. *Einleitung:* Umfasst die ersten vier Absätze, bis zur Aussage: „Das Unerwartete geschieht.“
  2. *Entwicklung:* Umfasst den Rest des Textes, bis zur Aussage: „Wir hoffen, wir haben die Lehren von Fukushima aufgenommen.“
  3. *Fazit:* Der verbleibende Teil.

Analyse des Titels und seiner Aussagekraft

Der Titel gibt einen Ausblick auf den Inhalt des Zeitungsartikels und deutet an, dass die Kernenergie in Fukushima durch den Tsunami praktisch verwüstet wurde und die freigesetzte Strahlung gefährlich ist, da die Situation *„an einem Faden hängt“*.

Der Kontext: Erdbeben, Tsunami und Radioaktivität

Die Katastrophe in Japan begann zuerst mit dem Erdbeben der Stärke 8,9, gefolgt von dem unerwarteten Tsunami, der die japanische Bevölkerung überraschte, da sie auf eine solche Katastrophe nicht vorbereitet war. Später wurde bekannt, dass die Kernreaktoren in Fukushima beschädigt waren und Radioaktivität freisetzten. Die gesamte Bevölkerung wurde in Alarmbereitschaft versetzt. Der Autor erwähnt, dass der Reaktor in Fukushima ein älteres Modell war, betont aber, dass das, was in Japan geschah, überall passieren kann, denn *„unwahrscheinlich bedeutet nicht unmöglich.“*

Die argumentative Struktur und die These

Die These des Autors, die bereits erwähnt wurde, besagt, dass eine nukleare Katastrophe zwar schwierig, aber keineswegs unmöglich ist und überall passieren kann. Man kann schlussfolgern, dass der Autor unsicher ist und kein Vertrauen in Kernkraftwerke setzt.

Rahmung des Arguments durch zentrale Aussagen

Die zentralen Aussagen *„Das Unvorhergesehene passiert“* (in der Einleitung) und *„Unwahrscheinlich bedeutet nicht unmöglich“* (im Fazit) vermitteln die Botschaft, dass alles möglich ist. Das Argument wird somit *gerahmt*, da es sich am Anfang und am Ende des Artikels befindet.

Verwendete Argumentationsmuster

Es lassen sich verschiedene Argumentationsmuster beobachten:

  • *Common-Sense-Argumente:* Z. B. die Existenz ausfallsicherer Systeme.
  • *Daten und Statistiken:* „Studien haben geschätzt, dass die Freisetzung von Radioaktivität aus Tschernobyl mindestens 6.000 Krebsfälle verursacht hat [...] und in den kommenden Jahren weitere Krebsfälle hinterlassen wird.“
  • *Modellierung und Analogie:* Durch die Einführung des Beispiels der Katastrophe von Tschernobyl.

Kohäsion: Sprachliche Mittel der Verknüpfung

*Kohäsion* ist die sprachliche Manifestation von Konsistenz und bezieht sich auf den Einsatz sprachlicher Mittel, die die konsequente Beziehung zwischen den verschiedenen Teilen des Textes aufzeigen.

Lexikalische Rekurrenzen und semantische Felder

Zu den *Lexikalischen Rekurrenzen* zählen: „Recht“, „Fehler passieren“, „Kernspaltung“, „Kernenergie“, „Strahlung“, „Zentrale“.

Verschiedene *Semantische Felder* sind erkennbar:

  • *Kernenergie:* Kernspaltung, giftig, teilweises Schmelzen, Reaktor, Strahlung.
  • *Phänomene der Erde:* Erde, Vulkanismus, Wetter, Tsunami, Erdbeben.
  • *Technik:* Technik, Computer, Daten, Experten.

Verwendung von Adverbien und Diskursmarkern

Es werden Pro-Adverbien verwendet, z. B. *„dann“* („Aber dann verlagerte sich der Schwerpunkt auf den Reaktor der Einheit 3“), sowie textuelle Diskursmarker: *„und auch“* (Addition und Intensivierung) und *„aber“* (Kontrast oder Widerspruch).

Adaption und sprachliches Register

Die *Adaption* ist charakteristisch für Texte, die auch aus kommunikativer Sicht konstruiert sind. Die Botschaft muss verständlich sein und dem Niveau des Empfängers entsprechen. Sie sollte auch thematisch kohärent sein: keine Abschweifungen oder Vermischung verschiedener Themen, und die Informationen sollten möglichst objektiv dargestellt werden. Der Autor erfüllt diese Anforderungen, da er objektiv berichtet und stets beim gleichen Thema bleibt. Schließlich muss sich der Text auch an die Situation anpassen, weshalb der Absender je nach Empfänger unterschiedliche sprachliche Register verwenden muss.

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