Analyse: Struktur, Figuren und Handlung (König, Marfisa)

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Interne Organisation

Die interne Struktur unterscheidet sich deutlich, da sie sich zum Teil mit der äußeren Struktur überschneidet. Die interne Struktur ist wie folgt:

  • Einführung

    Es ist der Teil, in dem das Hauptthema vorgestellt wird; dieses Thema zieht sich durch das ganze Buch. Man sieht die Königin nackt, was auch den nackten Körper Marfisa einschließt.

  • Entwicklung

    Dieser Teil beschreibt die Wechselfälle, die die Protagonisten erleben. Zugrunde liegt der Konflikt um die Entscheidung des Königs, die Königin nackt zu sehen, bis dieses Ereignis schließlich eintritt.

  • Dénouement

    Nachdem der König seine Frau nackt gesehen hat, kann sich seine Persönlichkeit verändern; dies führt bis zum Ende des Buches zur Schließung der Handlung.

Äußere Struktur

Die äußere Struktur ist in Kapitel gegliedert. Sie ist folgendermaßen angegeben:

  • Kapitel: 10
  • Punkte: 3
  • Frame: 14
  • Kapitel: 12

Personen

Dieses Buch hat eine Vielzahl von Figuren; die wichtigsten sind:

  • König
  • Königin
  • Marfisa
  • Vater Almeida
  • Conde de la Peña Andrada
  • Der Valido
  • Vater Villaescusa

Der König

Charakterbeschreibung: Er besitzt nicht viele ausgeprägte Eigenschaften; er ist der Protagonist, dessen Handeln zunächst beginnt und später endet. Insgesamt ist er ein eher passiver Charakter.

Von den wenigen Merkmalen, die wir von ihm erfahren, sind: er ist jung, leichtgläubig und unsicher im Umgang mit seiner königlichen Verantwortung.

Die Königin

Wie beim König wird ihr Handeln erst gegen Ende der Handlung wirklich sichtbar; auch sie ist eher passiv. Wir wissen, dass sie jung und unerfahren ist.

Marfisa

Marfisa ist eine Prostituierte, die der König besucht; sie ist der Auslöser für eine zentrale Aktion der Handlung. Es ist nicht ganz eindeutig, ob sie Befehlen des Conde de la Peña Andrada oder von Vater Almeida folgt, doch ihr Auftreten setzt die entscheidenden Ereignisse in Gang.

Conde de la Peña Andrada und Vater Almeida

Das sind zwei besondere Figuren; sie erscheinen beinahe teuflisch oder wie nicht ganz reale Einflüsse, haben jedoch realen Einfluss. Sie stehen in der Gunst des Königs und tragen dazu bei, dass die Königin nackt gesehen wird. Solange sie präsent sind, üben sie Einfluss auf König und Königin aus; sobald sie verschwinden, verliert ihr Einfluss an Bedeutung.

Vater Villaescusa und der Valido

Sie sind die wichtigsten Gegner der öffentlichen Enthüllung, da sie es als Todsünde betrachten, dass König und Königin privat nackt gesehen werden. Vater Villaescusa hält dies für eine Todsünde und sieht darin eine Gefährdung des Wohls der Nation; der Valido ist weniger überzeugt, ändert aber seine Meinung nicht leicht.

Wie Sie sehen, lassen sich die Figuren grob in drei Gruppen unterteilen:

  • Der König und die Königin
  • Die Unterstützer des Königspaares (vertraute Diener, Teile der Bevölkerung)
  • Die Gegner des Königspaares (z. B. religiöse Autoritäten wie der Großinquisitor und andere Gegner)

Argument (Handlung)

Der König verbringt die Nacht mit einer Prostituierten, weil seine Frau unzufrieden ist und er neue Emotionen sucht. Daraus entsteht die Situation, dass eine nackte Frau gesehen wird; in der Folge wird die Frage aufgeworfen, ob die Königin nackt gesehen werden darf, denn das Betrachten einer nackten Frau galt damals als Todsünde.

Dies führt zu landesweiter Panik, denn wenn der König eine Todsünde begangen hat, könnte die Strafe auf sein Volk fallen; nun stehen Kriege in Holland und der Goldzufluss aus Indien auf dem Spiel.

Um zu klären, ob dies tatsächlich geschehen ist, wird eine Kommission der Inquisition eingesetzt. Einige kämpfen gegen diese Untersuchung, andere kämpfen im Auftrag des Königs und der Königin, um deren Wünsche zu erfüllen.

Am Ende gelingt es denen, die den König und die Königin unterstützen: Die Entscheidung fällt zugunsten des Königspaares, der Krieg in Holland wird gewonnen und das Gold der Indias gelangt nach Cádiz.

Hintergrund

Die Handlung kann in Madrid kontextualisiert werden; wichtig ist, dass zu dieser Zeit die Inquisition und die Kirche großen Einfluss auf die Regierung hatten. Viele Figuren gehören dem Adel und Klerus an; es gibt vereinzelt Charaktere aus unteren sozialen Schichten, die jedoch meist als Diener von hochrangigem Adel auftreten und daher nicht besonders hervortreten.

Technik (Sprache)

Das Lexikon ist sehr fein gewählt; die adeligen Figuren sprechen in einem sehr gebildeten Register. Es fällt kaum eine Veränderung in der Sprachebene auf, wobei die wenigen niedrigergestellten Figuren gelegentlich eine andere, religiös gefärbte Sprachebene nutzen.

Persönliche Einschätzung

Meine Einschätzung ist sehr positiv: Ich mag Bücher dieser Zeit; außerdem erinnere mich diese Erzählweise an Werke wie die von Arturo Pérez-Reverte (z. B. die Saga um Captain Alatriste). Die Figuren besitzen nicht zu viele markante Eigenschaften, ihre Entwicklungswege verbinden verschiedene Handlungsstränge. Das Finale ist zwar teilweise vorhersehbar, enthält aber dennoch überraschende Spitzen, die zum Weiterlesen anregen und eine Verbindung zwischen einigen losen Enden herstellen.

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