Von der Antike zur Demokratie: Grundlagen der Staatstheorie und Bürgerschaft

Eingeordnet in Sozialwissenschaften

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 6,41 KB

Der Begriff des Staates: Zentrum der Politischen Wissenschaft

Der Staat steht im Zentrum der politischen Wissenschaft. Der moderne Staat zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  1. Macht über ein definiertes Gebiet und dessen Bevölkerung.
  2. Die Gewährleistung der festgelegten Ziele, notfalls durch physische Gewalt.
  3. Die Verwaltung des Lebens der Einzelnen durch Institutionen.

Der Staat ist der Verwahrer der Souveränität. Er ist die Institution, die tatsächliche und absolute Macht in der Kommunalpolitik ausübt. Die Souveränität residiert letztlich beim Volk, das seine Repräsentanten wählt.

Staatsführung und Regierung

Der Staat organisiert das kollektive Leben durch die Regierung. Der Begriff der Regierung kann wie folgt verstanden werden:

  1. Politisches System: Die Art und Weise, wie der Staat organisiert ist.
  2. Aktionsleitlinien: Die Entwicklung und Umsetzung der staatlichen Politik in einem bestimmten Zeitraum.
  3. Exekutive Gewalt: Die Autorität des Staates, die für die Ausführung der allgemeinen Politik und deren Durchsetzung zuständig ist.

Philosophische Reflexionen über den Staat

Klassische Antike und der ideale Staat

Die klassischen republikanischen Entwürfe der Antike projizierten den idealen Staat. Sie argumentierten, dass nur die Weisen eine gerechte Polis (Stadtstaat) führen könnten. Die beste Regierungsform sollte die Interessen des Mittelstandes repräsentieren, wobei das Ziel nicht nur das gute Leben, sondern auch die Bewältigung unveränderlicher Zustände wie Ungleichheit war. Daher wurden oft aristokratische politische Lösungen vorgeschlagen.

Der Absolutismus und die Notwendigkeit der Souveränität

Wichtige Beiträge zur politischen Philosophie stammen aus der Zeit des Absolutismus. Die politische Koexistenz und Moralität sowie die Sicherheit der Bürger seien nur durch eine starke Regierung möglich.

  • Jean Bodin: Er sah den Monarchen als Souverän, dessen Wille nur durch Gottes Gesetz, Naturrecht und faire Regeln eingeschränkt wird.
  • Thomas Hobbes: Er verteidigte die Notwendigkeit einer starken Staatsgewalt, um das Individuum zu schützen, und plädierte für die uneingeschränkte Souveränität des Monarchen zur Bewahrung der Ordnung.

Die Eroberung der Freiheit: Liberalismus und Rechtsstaatlichkeit

Die englische, amerikanische und französische Revolution markierten die Eroberung der nationalen Souveränität und die Etablierung der Gewaltenteilung, bekannt als Rechtsstaatlichkeit. Die Anerkennung individueller Rechte und Freiheiten führte zur Entstehung liberaler Verfassungen.

Schlüsselideen des Liberalismus

  1. John Locke (Politischer Liberalismus): Die Macht muss in den Händen des Staates gehalten werden, um diejenigen zu bestrafen, die Eigentum und Frieden gefährden.
  2. Wirtschaftsliberalismus: Verteidigt das Recht auf Privateigentum und Produktionsmittel. Er fordert einen minimalen staatlichen Eingriff in die Wirtschaft und den freien Markt.

Politische Alternativen im 19. Jahrhundert: Sozialismus und Anarchismus

Im 19. Jahrhundert entstanden politische Alternativen, die versuchten, den liberalen Staat zu ersetzen. Einige strebten einen sozialistischen Staat an, während andere die staatliche Autorität gänzlich zerstören wollten (Anarchismus).

Der Sozialismus

Der Sozialismus verteidigt die Werte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (Fraternité). Man unterscheidet zwischen:

  • Utopischer Sozialismus: Anti-individualistisch und anti-kapitalistisch, präsentiert idealisierte Lösungen.
  • Marxistischer Sozialismus: Befürwortet eine soziale Revolution, die den liberalen Staat durch einen sozialistischen Staat ersetzt.

Der Anarchismus

Der Anarchismus setzt sich für die Beseitigung des Privateigentums ein, da es die Quelle der Ungleichheit sei. Er lehnt jede Form staatlicher Unterdrückung ab.

Der Demokratische Staat und der Wohlfahrtsstaat

Der demokratische Staat ermöglicht die Beteiligung der Bürger an der Regierung (direkte Demokratie), wobei jedoch meist gewählte Vertreter durch Wahlen eingesetzt werden (repräsentative Demokratie).

Volkssouveränität und Gleichheit

Die Volkssouveränität besagt, dass Vereinbarungen nur dann akzeptabel sind, wenn der Staat alle Bürger einschließt. Die Macht des Staates gehört dem souveränen Volk, was die politische Gleichheit aller Bürger impliziert. Aus dieser Entwicklung heraus kämpften politische Organisationen für politische Rechte bis zur Erreichung des allgemeinen Wahlrechts.

Der Sozialdemokratische Staat (oder Wohlfahrtsstaat) entstand aus der Notwendigkeit, die gemeinsame Auffassung der Regierungen zu stärken. Der Staat übernahm einen Teil der traditionellen Forderungen der Arbeiterbewegung, woraus der Wohlfahrtsstaat geboren wurde.

Das Konzept der Bürgerschaft (Citizenship)

Wesentliche Merkmale der modernen Bürgerschaft

Bürgerschaft beschreibt die Beziehung des Individuums zur politischen Gemeinschaft, in der es als vollwertiges Mitglied registriert ist. Die wichtigsten Merkmale der modernen Bürgerschaft sind:

  1. Eine Reihe von Rechten und Pflichten.
  2. Eine besondere Form der Eingliederung in die Gemeinschaft.
  3. Die Regeln, die das Zusammenleben (Konvivialität) bestimmen.

Bürgerschaft ist eine Gemeinschaft mit Rechten und Geschichte, die bestimmte Rechte, Pflichten und Mechanismen zur politischen Partizipation umfasst.

Zugehörigkeit und kollektive Identität

Bürgerschaft bezeichnet eine besondere Form der kollektiven Identität oder Zugehörigkeit. Die Kriterien für die Mitgliedschaft dürfen keine externen, nicht-politischen Merkmale ausschließen.

Zwei zentrale Aspekte der Mitgliedschaft in der philosophischen Debatte sind:

  1. Identität: Identität impliziert ein Bewusstsein der Zugehörigkeit.
  2. Die Gemeinschaft vor dem politischen Pakt: In modernen Gesellschaften wird die Bürgerschaft oft als Teil einer nationalen Identität mit präpolitischem Charakter betrachtet.

Verwandte Einträge: