Antonio Orejudo: Kritik an der Idealisierung der Kindheit
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Kritischer Bericht: Antonio Orejudo – Kinder und Sprengfallen
Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um einen journalistischen Kommentar, genauer gesagt um einen Artikel. Der Autor äußert darin seine Ansichten zum Thema und untermauert diese mit einer klaren These sowie verschiedenen Argumenten. Der Text beschreibt die Idealisierung der Kindheit in einer informativen Weise. Ein Beleg hierfür ist die Verwendung einer eher einfachen, nicht übermäßig gehobenen Sprache, um eine breite Leserschaft zu erreichen. Die referenzielle Funktion dominiert aufgrund des journalistischen Charakters, obwohl auch appellative Elemente zu finden sind, die den Leser von der Position des Autors überzeugen sollen und dem Text eine gewisse Subjektivität verleihen. Antonio Orejudo fungiert als Absender, während sich der Text über das Medium Presse an die allgemeine Leserschaft richtet.
Thematik und Position des Autors
Das zentrale Thema ist die Idealisierung der Kindheit und das Übermaß an Freiheit, das Minderjährigen heutzutage zugestanden wird. Antonio Orejudo äußert seine Position mit einer deutlichen Ablehnung dieser Idealisierung. Er vertritt die Ansicht, dass Eltern das Recht haben sollten, ihre Kinder zu kontrollieren, sofern dies deren Sicherheit und Bildung dient.
Die Rolle der sozialen Medien und historische Aspekte
Die Unzufriedenheit einiger Eltern und Kinder gegenüber dem Kinder-Ombudsmann wurde deutlich, als dieser dazu riet, Profile auf Tuenti zu löschen oder die Kinder dort stärker zu überwachen. Diese Idealisierung von Kindern ist ein relativ neues Phänomen; früher hatte die Kindheit keine so große Bedeutung. Wenn ein Kind starb, wurde dies oft als schicksalhaft hingenommen. Dass diese Idealisierung entstand, liegt an Studien über die Bedeutung der kindlichen Entwicklung für die spätere Reife. Dies führte jedoch dazu, dass Kinder heute oft überbewertet werden. Ihnen wird zu viel Ermessensspielraum eingeräumt, während den Eltern die Macht zur richtigen Erziehung entzogen wird – sei es aus mangelndem Interesse oder aus falsch verstandenem Respekt vor der Freiheit und Privatsphäre der Kinder.
Struktur und Argumentationsweise
Um dem Text Zusammenhalt zu geben, ist er spezifisch strukturiert. Er beginnt mit Absätzen, die direkt eine Reihe von Argumenten anführen, wobei das erste Argument als Einleitung dient. Der Text endet mit einem Absatz, der die These als Abschluss entwickelt. Dies soll die Auswirkungen auf den Leser verstärken und die Position von Antonio Orejudo verdeutlichen. Diese Struktur ist in argumentativen Texten durchaus üblich.
Gesellschaftliche Relevanz
Die Fragestellung ist von großer Bedeutung, da sie die heutige Gesellschaft direkt beeinflusst. Die zunehmende Bedeutung der Kindheit, gestützt durch Entwicklungsstudien, hat das soziale Gefüge verändert.
Analyse der Argumentationstypen
Der Autor festigt seine Position mithilfe verschiedener Argumente:
- Beispielargument: „Der Verteidiger von Madrid sagte nach ein paar Wochen, er habe ein gefälschtes Tuenti-Profil erstellt, um seine Kinder zu spionieren, und ermutigte Eltern, dasselbe zu tun.“
- Argument der Allgemeinheit: „Bis vor kurzem existierten Kinder in diesem Sinne nicht. Es gab sie natürlich, aber niemand betrachtete sie als vollendete menschliche Wesen...“
- Argument auf Basis von Studien: „Die Idealisierung der Kindheit ist ein sehr junger Ansatz, geprägt durch die wirtschaftliche Entwicklung und die psychoanalytische Literatur...“
Diese Argumente werden gezielt eingesetzt, um die Dissertation am Ende des Textes zu stützen.
Sprachliche Gestaltung und Kohärenz
Zur Wahrung der Kohärenz nutzt Antonio Orejudo Wortfelder aus dem Bereich der Familie (Kinder, Geburt, Eltern, Erziehung). Der Text ist denotativ geprägt und in Klartext verfasst. Es finden sich viele konkrete Substantive wie „Kinder“, „Eltern“ oder „Siesta“, aber auch abstrakte Begriffe wie „Freiheit“ oder „Privatsphäre“. Die hohe Anzahl an Substantiven erklärt sich durch den erklärenden und argumentativen Charakter des Textes. Adjektive wie „wilde Kinder“ oder „Kindersterblichkeit“ werden präzise eingesetzt, um Objektivität zu suggerieren. Komplexe Satzstrukturen mit Unterordnungen sorgen für Präzision. Textmarker wie „bis vor kurzem“ oder „aber“ werden genutzt, um Ideen hervorzuheben und die Konsistenz zu wahren.
Kritische Würdigung und Fazit
Die aktuelle Tendenz zur Idealisierung der Kindheit resultiert aus der Erkenntnis, dass diese Phase entscheidend für die individuelle Entwicklung ist. Doch die Verherrlichung führt oft zu einer Freiheit, die in diesem Maße nicht zugelassen werden sollte. Ein Kind braucht seine Eltern als grundlegende Säulen für seine Entwicklung. Dennoch sollte keine totale Kontrolle ausgeübt werden. Ein Übermaß an Überwachung kann die Sozialisierung erschweren. Daher stimme ich dem Autor nicht in vollem Umfang zu: Ein Kind muss einen gewissen Schutz der Privatsphäre für seine soziale Entwicklung genießen, auch ohne eine Idealisierung der Kindheit.
Pädagogische Studien belegen, dass Erziehung am besten durch Vertrauen funktioniert. Ein Elternteil, das ein Vertrauensverhältnis zu seinem Kind aufbaut, muss es nicht unter Druck setzen oder lückenlos überwachen. Bildung ist ein Grundrecht, und Eltern sollten dieses ohne strikte Kontrolle ausüben. Oft herrscht die Angst vor schlechtem Umgang vor, doch Zuneigung und ein positives Vorbild erzielen bessere Ergebnisse als bloße Strenge. Wenn Eltern unzivilisiert handeln oder nur mit Zorn reagieren, fühlt sich das Kind unverstanden und entwickelt eine negative Einstellung gegenüber der Gesellschaft.
Abschließend lässt sich sagen: Kinder müssen von ihren Eltern erzogen werden, da diese die zentralen Figuren der Kindheit sind. Dies sollte jedoch nicht mit „eisener Hand“ geschehen. Man muss das Kind kennenlernen und darf nicht unnötig in die Privatsphäre eindringen, denn nur wer das Vertrauen des Kindes gewinnt, erhält auch Zugang zu dessen innerer Welt.
Juan Carlos García Quintana 2 º B CT