Arbeitslosigkeit, Armut und Nahrungsungleichheit in Lateinamerika — Ursachen & Indikatoren
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Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung
Die Arbeitslosigkeit wird oft als Verschwendung von Ressourcen verstanden und geht mit verschiedenen Problemen einher.
- 1. Informalität: Viele Arbeitsverhältnisse werden nicht gesetzlich anerkannt.
- 2. Unterbeschäftigung: Bezeichnet die Situation, in der eine Person in einem bestimmten Zeitraum deutlich weniger Stunden arbeitet, als sie sollte.
- Sichtbare Unterbeschäftigung: Personen arbeiten weniger Stunden, weil es nicht genug Arbeit gibt.
- Sichtbare Unterbeschäftigung (kulturell/qualifikationsbezogen): Menschen üben Tätigkeiten aus, die nicht ihrem erlernten Beruf oder kulturellen Kapital entsprechen.
- 3. Keine soziale Absicherung: Viele Beschäftigte verfügen über keine ausreichenden sozialen Sicherungssysteme.
Anmerkung: Dazu zählen Personen, die einen Job haben, aber krank sind oder sich im Urlaub befinden.
Ursachen für Jugendarbeitslosigkeit und Anstieg der Unterbeschäftigung
In den letzten Jahren ist die Unterbeschäftigung in unserem Land gestiegen. Die am stärksten betroffenen Gruppen sind die Jugendlichen. Mögliche Ursachen sind:
- Privatisierung von Unternehmen
- Nationale Industrieprodukte können nicht konkurrenzfähig bleiben, was zur Schließung vieler Unternehmen führt
- Staats- und Arbeitsreformen
Probleme der Arbeitswelt in Lateinamerika
Problematik der Welt der Arbeit in Lateinamerika:
- Hohe Arbeitslosigkeit
- Hoher Anteil an informeller Beschäftigung und damit verbundener Korruption
- Mangel an sozialer Sicherheit
- Hoher Anteil an Kinderarbeit
- Ungünstige Verteilung der Arbeitslosengelder
- In einigen Ländern der Region (Argentinien, Chile, Brasilien, Ecuador, Venezuela und Uruguay) arbeiten viele Menschen nur im formellen Sektor oder sind ausschließlich dort erfasst
- Instabilität und Bedrohungen von Arbeitsplätzen führen zu erhöhter Unsicherheit
Armut, Armutsgrenze und Indigenzlinie
Armut: Armut ist ein Zustand, der mit einem Mangel an Ressourcen verbunden ist, sodass grundlegende Bedürfnisse nicht erfüllt werden können. Diese Bedürfnisse umfassen Lebensmittel, Wohnen, Bildung, Gesundheitsversorgung und Zugang zu Trinkwasser. Armut betrifft auch Aspekte sozialer Ausgrenzung.
Armutsgrenze: Die Armutsgrenze setzt die monetären Einkünfte fest, die ein Haushalt benötigt, um Güter und Dienstleistungen, eine Reihe von Lebensmitteln und andere grundlegende Bedürfnisse (einschließlich Bildung) zu decken. Wenn ein Haushalt unter dieser Schwelle liegt, befindet er sich in Armut.
Indigenzlinie (Existenzminimum): Diese legt den Wert der Einnahmen fest, die ausreichen, um lediglich die minimalen Nahrungsmittelbedürfnisse zu decken. Liegt das Einkommen nur auf dieser Linie, gilt die Situation als indigent (extremste Form der Armut), das heißt: die grundlegendsten Lebensnotwendigkeiten sind knapp gedeckt.
Nahrungsungleichheit und Unterernährung
Nahrungsungleichheit: Viele Menschen haben keinen ausreichenden Zugang zu Grundbedürfnissen wie sauberem Wasser; Unterernährung ist eng mit Armut verknüpft und hat gravierende Folgen für das Leben der Menschen. Beispiele sind Unterernährung von Kindern, niedriges Geburtsgewicht und ein erhöhtes Krankheitsrisiko.
Von 35 Ländern mit Ernährungsproblemen befinden sich 24 in Afrika.
Wichtigste Ursachen dieser Ungleichheit:
- Mangel an angemessener medizinischer Infrastruktur, die den Zugang zu Gesundheitsdiensten behindert
- Extreme Armut und fehlender Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen (z. B. Wasser)
- Unzureichender Zugang zu Bildung: Mehr Bildung reduziert das Risiko von Unterernährung
- Mangelnde menschenwürdige Sicherheits- und Qualitätsstandards
- Schlechte Kontrolle von Epidemien und weiteren Gesundheitsrisiken
Arbeit: Definitionen und Formen
Arbeit ist jede Tätigkeit, durch die Energie eingesetzt wird, sei sie geistig oder körperlich, um Objekte zu schaffen, Dienstleistungen zu erbringen oder der Gesellschaft nützlich zu sein. Arbeit umfasst sowohl reproduktive als auch produktive Tätigkeiten.
Reproduktive Arbeit im Haushalt
Reproduktive Arbeit im Haushalt umfasst emotionale Aufgaben, Betreuung und Pflege, sowohl körperlich als auch emotional, insbesondere von Kindern. Diese Arbeit dient nicht nur der biologischen Reproduktion der Gesellschaft, sondern auch der Instandhaltung von Familienangehörigen, die später in den Arbeitsmarkt eintreten. Diese Art von Arbeit wird zumeist von Frauen geleistet und ist häufig nicht entlohnt.
Produktive Arbeit
Produktive Arbeit ist bezahlte Arbeit; sie umfasst Tätigkeiten, die gegen Entgelt verrichtet werden, einschließlich Löhne und Gehälter. Man unterscheidet zwischen ungelernten Arbeitskräften und qualifizierten Arbeitnehmern.
Bevölkerungsbegriffe und Arbeitsmarktstatistiken
Erwerbsfähige Bevölkerung (PEA): Dazu zählen Personen im arbeitsfähigen Alter, die eine Beschäftigung haben oder aktiv Arbeit suchen. Die PEA umfasst sowohl Erwerbstätige als auch Arbeitslose.
Nicht erwerbsfähige Bevölkerung (PEI): Hierzu gehören Personen, die weder erwerbstätig noch arbeitssuchend sind, zum Beispiel Rentner, Pensionäre oder Studierende sowie Personen, die sich der Hausarbeit widmen.
PET: Dieser Begriff umfasst alle Personen ab einem bestimmten Alter (z. B. 14 Jahre), die als potenziell erwerbsfähig gelten; die genauen Altersgrenzen können je nach Land unterschiedlich festgelegt werden.
Indikatoren: Indikatoren sind Daten, die den Status einer Situation oder eines bestimmten Aspekts zu einem bestimmten Zeitpunkt und Ort wiedergeben. In der Regel sind dies statistische Kennzahlen (Prozentsätze, Raten, Gründe), die Informationen synthetisieren und die Analyse verschiedener Variablen ermöglichen.
Wichtige wirtschaftliche Indikatoren
- BIP (Bruttoinlandsprodukt): Marktwert aller Endprodukte und Dienstleistungen, die innerhalb eines Landes in einem bestimmten Zeitraum (in der Regel ein Jahr) produziert werden. Das BIP misst die wirtschaftliche Aktivität eines Landes unabhängig davon, wem die Produktionsmittel gehören.
- Weitere Indikatoren können sein: Arbeitslosenquote, Infantile Mortalitätsrate (IMR), Inflation, Human Development Index (HDI) mit Komponenten wie Bildung, Armut und Lebensqualität.