Arbeitsrecht: Leitfaden zu Verfahren und Arbeitnehmerrechten

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Justiz und soziale Hierarchie

Das spanische Justizsystem im Arbeitsrecht umfasst folgende Instanzen:

  • Supreme Court (Tribunal Supremo - TS)
  • Audiencia Nacional (AN)
  • Tribunal Superior de Justicia (TSJ)
  • Sozialgerichte (Juzgados de lo Social)

FOGASA: Lohngarantiefonds

Der FOGASA ist verantwortlich für die Auszahlung ausstehender Löhne bei Insolvenz des Arbeitgebers. Er deckt maximal 150 Tage ab, basierend auf dem Mindestlohn (SMI) inklusive Sonderzahlungen. Bei Abfindungen gilt eine Obergrenze von einem Jahresgehalt auf Basis des SMI.

Verfahren bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten

1. Schlichtungsverfahren (Papeleta de conciliación): Arbeitnehmer und Arbeitgeber versuchen eine Einigung vor einer Schlichtungsstelle.

2. Ergebnis der Schlichtung:

  • Einigung: Der Arbeitgeber zahlt oder der Arbeitnehmer nimmt die Arbeit wieder auf. Kein Gerichtsverfahren nötig.
  • Keine Einigung: Der Arbeitnehmer kann Klage beim Sozialgericht einreichen.
  • Kein Erscheinen des Arbeitgebers: Gilt als gescheiterte Schlichtung; Klage kann eingereicht werden.
  • Kein Erscheinen des Arbeitnehmers: Der Anspruch gilt als zurückgezogen.

3. Klage vor dem Sozialgericht: Bei gescheiterter Schlichtung wird Klage eingereicht. Der Richter prüft die Unterlagen und setzt einen Termin zur Verhandlung fest.

4. Gerichtliche Schlichtung: Der Richter versucht erneut, eine Einigung zwischen den Parteien zu erzielen.

5. Verhandlung und 6. Urteil: Nach der Beweisaufnahme fällt der Richter ein Urteil. Eine Kündigung kann wie folgt bewertet werden:

  • Rechtmäßig (Procedente): Die Gründe sind bewiesen. Das Arbeitsverhältnis endet ohne Entschädigung (außer bei objektiven Gründen, hier 20 Tage pro Jahr).
  • Unangemessen (Improcedente): Gründe sind nicht bewiesen. Der Arbeitgeber muss den Arbeitnehmer wieder einstellen oder eine Entschädigung (45 Tage pro Jahr, max. 42 Monatsgehälter) zahlen.
  • Nichtig (Nulo): Diskriminierung oder Verletzung von Grundrechten. Der Arbeitnehmer muss wiedereingestellt werden und erhält den Lohn für die Zeit des Verfahrens.

Dokumentation: Die Abwicklungsbescheinigung (Finiquito)

Das Finiquito ist das Dokument zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Es enthält:

  • Liquidation: Abrechnung von Urlaub, anteiligen Sonderzahlungen und ausstehendem Gehalt.
  • Extinction: Formelle Erklärung der Beendigung.

Hinweis: Bei Unstimmigkeiten sollte das Dokument mit dem Zusatz „no conforme“ unterzeichnet werden.

Mitbestimmung und Vertretung

Jus variandi: Das Recht des Arbeitgebers, dem Arbeitnehmer innerhalb gewisser Grenzen andere Aufgaben zuzuweisen.

Vertretungsorgane

  • Personaldelegierte: Bei Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern.
  • Betriebsrat (Comité de Empresa): Bei Unternehmen ab 50 Mitarbeitern.

Gewerkschaften

Sie dienen der Wahrung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der kollektiven Interessenvertretung.

Tarifverträge und Arbeitskampf

Ein Tarifvertrag regelt den funktionalen, territorialen und zeitlichen Geltungsbereich sowie die Arbeitsbedingungen. Streiks sind ein anerkanntes Mittel zur Verteidigung kollektiver Interessen. Während eines Streiks ruht der Arbeitsvertrag, das Gehalt wird nicht gezahlt und der Arbeitgeber darf keine Ersatzkräfte einstellen.

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