Aristoteles' Philosophie: Freundschaft, Politik & das gute Leben

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Freundschaft: Die höchste Tugend

Für Aristoteles ist die Freundschaft eine der wichtigsten Tugenden und stellt eine Vereinigung von ethischen und dianoetischen (verstandesmäßigen) Tugenden dar. Ein Leben ohne Freunde ist nicht lebenswert, denn ohne sie könnten wir uns nicht wahrhaft freuen.

Freundschaft ist ein Gefühl der Harmonie, das uns trotz aller Unterschiede mit einer anderen Person verbindet. Es ist ein selbstloses Gefühl der Solidarität, das nicht auf bloßem Vergnügen oder äußerer Schönheit beruht.

Ein wahrer Freund ist jemand, auf den man sich in günstigen Situationen verlassen kann und der einem auch in schwierigen Zeiten beisteht, wenn man ihn braucht.

Das gute Leben: 5 Voraussetzungen für die Eudaimonia

Um ein gutes und glückliches Leben (Eudaimonia) zu führen, sind laut Aristoteles fünf wesentliche Bestandteile erforderlich:

  1. Intelligenz und kontemplative Tätigkeit: Man benötigt Verstand und die Fähigkeit zur Reflexion. Die Ethik gibt Ratschläge, um glücklich zu werden.
  2. Praktisches Verständnis: Es ist notwendig, ein praktisches Verständnis für das Leben zu entwickeln und danach zu handeln.
  3. Gesundheit: Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper ist eine Grundvoraussetzung für das Glück.
  4. Wirtschaftliche Stabilität: Eine gewisse materielle Sicherheit ist für ein gutes Leben unerlässlich.
  5. Glück: Zuletzt bedarf es auch eines gewissen Maßes an Glück oder günstigem Schicksal.

Gesellschaft: Der Mensch als Zoon Politikon

Die Politik zielt auf das Gute und das Glück der gesamten Gemeinschaft im Zusammenleben ab. Die Griechen organisierten sich über Jahrhunderte in Familien, die Dörfer (kome) bildeten. Als Entscheidungen in größeren Kreisen (demos) getroffen wurden, entstand eine Einheit, die diese Gemeinschaften verband: die Stadt (Polis). Obwohl sie die gleiche Sprache und Kultur teilten, besaß jeder Stadtstaat seine eigene politische Autonomie. Aristoteles erkennt, dass Menschen von Natur aus dazu neigen, Gemeinschaften zu bilden, um sich als Teil der Gesellschaft zu fühlen und ihr Leben zu verbessern.

Für Aristoteles sind wir politische Wesen (zoon politikon); wir brauchen andere Menschen, um glücklich zu sein. Eine Person, die keine anderen Menschen braucht, ist entweder ein Gott oder ein Tier.

Die Gemeinschaft steht für Aristoteles über dem Individuum, da sie das Gemeinwohl anstrebt. Das Wohl des Einzelnen soll durch die Förderung der Gemeinschaft erreicht werden.

Sprache als Grundlage der Gemeinschaft

Aristoteles unterscheidet zwischen Mensch und Tier: Während Tiere eine Stimme haben, um Schmerz und Freude auszudrücken, besitzen Menschen die Sprache (logos). Mit Worten können wir nicht nur Dinge benennen, sondern auch darüber urteilen, was richtig und was falsch ist. Diese Fähigkeit zur moralischen Unterscheidung ist die Grundlage für das Zusammenleben in einer politischen Gemeinschaft.

Politik: Die Bedeutung von Gesetz und Gewohnheit

Laut Aristoteles müssen die Gesetze eines Staates beständig sein und aufrechterhalten werden. Häufige Gesetzesänderungen würden zu großer Unordnung führen. Gesetze sollten auf den Staat zugeschnitten sein, denn Gewohnheiten (ethos) sind schwer zu ändern und prägen die Haltung der Bürger innerhalb der Polis. Die Stabilität der Gesetze stärkt die Ordnung der Gemeinschaft.

Gerechtigkeit: Verteilung und Ausgleich

Aristoteles unterscheidet zwei Hauptarten der Gerechtigkeit:

  • Verteilungsgerechtigkeit (distributive Gerechtigkeit): Diese betrifft die Verteilung von Gütern und Ehren unter den Bürgern. Die Verteilung soll im richtigen Verhältnis zum Status und Beitrag der jeweiligen Person zur Gemeinschaft erfolgen.
  • Ausgleichende Gerechtigkeit (kommutative Gerechtigkeit): Diese regelt die Beziehungen zwischen den Bürgern, sei es im Handel, bei Verträgen oder im Beruf. Hier geht es um Fairness und den Ausgleich von Unrecht, wie zum Beispiel bei Diebstahl oder Gewalt.

Bürgerstatus und Gesellschaftsordnung

Aristoteles' Vorstellung vom Bürger war begrenzt: Er betrachtete vor allem erfahrene, gebildete Männer als vollwertige Bürger. Frauen hielt er für unvollkommene Wesen, die nicht zur Regierung fähig seien, aber dennoch eine Ausbildung erhalten sollten.

Politische Systeme und ihre Entartung

Auf der Suche nach dem idealen politischen System analysiert Aristoteles verschiedene Verfassungen. Eine gute Verfassung zeichnet sich dadurch aus, dass die Herrschenden im Interesse des Gemeinwohls handeln. Er beschreibt drei gute Herrschaftsformen und ihre jeweilige entartete Form, bei der die Herrscher nur ihre eigenen Interessen verfolgen:

  • Monarchie: Die Herrschaft eines Einzelnen zum Wohle aller. Ihre Entartung ist die Tyrannei, bei der der Herrscher nur für seinen eigenen Vorteil regiert.
  • Aristokratie: Die Herrschaft der Besten (einer kleinen Gruppe) zum Wohle der Gemeinschaft. Ihre Entartung ist die Oligarchie, bei der eine reiche Minderheit nur ihre eigenen Interessen verfolgt.
  • Politie (Verfassung): Die Herrschaft der Vielen im Interesse des Gemeinwohls. Aristoteles hielt sie oft für die beste praktisch umsetzbare Form. Ihre Entartung ist die Demokratie (im Sinne von Pöbelherrschaft), die zu Anarchie und Demagogie führen kann, da die ungebildete Masse leicht durch Täuschung manipuliert werden kann.

Für Aristoteles wäre eine Regierung durch gebildete und tugendhafte Bürger ideal, die in einer Versammlung oder einem Parlament Entscheidungen treffen.

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