Aristoteles: Realismus, Wissenstheorie und die Zehn Kategorien

Eingeordnet in Philosophie und Ethik

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 5,3 KB

1. Aristoteles' Realismus und die Grundlagen der Philosophie

Kritik an der Ideenlehre Platons

Aristoteles lehnt die Ideenlehre seines Lehrers Platon ab und deren implizites Bekenntnis zur Entwicklung einer wissenschaftlichen statt einer poetischen Alternative zur gemeinsamen Suche nach der Wahrheit. Aristoteles sucht das Reale, nicht Metaphorische, zwischen dem Sinnlichen und dem Verständlichen, zwischen dem Allgemeinen und dem Konkreten.

Das wahre Wissen (Scientia ex Causis)

Aristoteles strebt nach wahrem Wissen (*scientia ex causis* – Wissen durch Ursachen). Er legt größeren Wert auf die Vielfalt der wahrgenommenen Realität und unterscheidet zwischen theoretischer Wissenschaft und praktischer Wissenschaft, da diese unterschiedliche Studienobjekte haben.

Teleologisches Verständnis der Realität

Für Aristoteles ist die natürliche Realität in das Verständliche und Vernünftige integriert, das Universelle und das Konkrete. Die Realität, mit der wir beginnen müssen (die erste Realität), sind nach Aristoteles die konkreten Dinge, die wir um uns herum mit den Sinnen wahrnehmen. Dies ist der aristotelische Realismus.

Die Natur des Menschen: Seele und Körper

Aristoteles versteht den Menschen als Naturwesen, wobei die Seele das entscheidende Prinzip ist, das Mensch und Tier untrennbar ausmacht. Körper und Seele bilden eine Realitätseinheit, in der wir nur konzeptuell das Immaterielle vom Körperlichen unterscheiden können. Die Untersuchung der Seele ist daher auch biologisch relevant.

Wissenschaft und Logik: Die Notwendigkeit der Beweisführung

Aristoteles fordert, dass die Wissenschaft demonstrativ sein muss, um sich von Mythos und Metapher abzugrenzen. Sie muss auf vorheriger Forschung basieren, um wissenschaftliches Wissen zu ermöglichen. Er entwickelte die Logik als Instrument der Wissenschaft, bestehend aus einer analytischen Logik der Denkformen.

Die Erste Realität (Ousia) und Prädikation

Aristoteles postuliert, dass das Subjekt der Prädikation immer singulär und spezifisch ist, d.h., das Individuum. Die individuell-konkreten Dinge, die wir um uns herum mit den Sinnen wahrnehmen, sind die Erste Realität (Substanz), die Aristoteles Ousia nennt. Die Ousia wird auch als Zweite Realität bezeichnet (wenn sie als Gattung oder Art betrachtet wird). Die sogenannten akzidentellen (zufälligen) Eigenschaften existieren nur in der Substanz und können nur im Konkreten wahrgenommen werden.

2. Die Klassifikation des Wissens und der Kategorien

Erfahrung, Technik und Wissenschaft

Der erste Moment des eigentlichen menschlichen Wissens ist die Erfahrung (*Empeiria*), die aus dem Umgang mit dem Individuellen und Konkreten entsteht. Das Technische Wissen (*Techne*) ist die Fähigkeit, etwas Nützliches oder Schönes herzustellen, basierend auf einem Wissen, das lehrbar ist. Wenn wir wissen, *was* die Dinge sind und *warum* sie so sind, indem wir ihre Ursachen von Anfang an aufzeigen, besitzen wir wissenschaftliche Erkenntnis (*Episteme*).

Die Einteilung der Wissenschaften

Für Aristoteles geht die Wissenschaft vom Individuellen und Konkreten aus. Er unterscheidet nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch produktives und praktisches Wissen:

  • Produktives Wissen (*Poiesis*): Bezieht sich auf die Herstellung von Dingen.
  • Praktisches Wissen (*Praxis*): Bezieht sich auf die menschliche Handlung in verschiedenen Umständen (z.B. Ethik, Politik).
  • Theoretisches Wissen (*Theoria*): Dies ist die höchste und perfekteste Form des Wissens. Es hat nicht die Produktion oder Aktion zum Objekt, sondern einfach die Wahrheit.

Die theoretischen Wissenschaften umfassen:

  • Mathematik: Studium geometrischer Eigenschaften, die keiner Veränderung unterliegen.
  • Physik: Studium der sinnlich wahrnehmbaren Realitäten, die die Fähigkeit zur Veränderung und Bewegung besitzen.
  • Metaphysik: Die Metaphysik ist die erste aristotelische Wissenschaft, die das Wissen begründen soll. Sie untersucht das Sein als solches, seine Prinzipien und Ursachen.

Die Logik ist das Instrumentarium der Wissenschaft, das die formalen Voraussetzungen für die Gültigkeit jeder Untersuchung bestimmt.

Die Zehn Kategorien (Prädikate des Seins)

Die Korrespondenz zwischen dem, was wir über die Dinge aussagen, und dem, was die Dinge tatsächlich sind, führt zu einer Klassifikation der Prädikate oder Attribute, die einem Subjekt zugeschrieben werden können. Aristoteles unterscheidet neun Arten möglicher akzidenteller Prädikate, die jedem Subjekt zugeschrieben werden können, zusätzlich zu dem Prädikat oder Attribut, das die Essenz (Ousia) ausdrückt.

Die zehn Kategorien sind:

  1. Substanz (*Ousia*)
  2. Quantität
  3. Qualität
  4. Relation (Bezug)
  5. Ort (Wo)
  6. Zeit (Wann)
  7. Lage/Position
  8. Zustand (Haben/Besitz)
  9. Tätigkeit (Aktion)
  10. Leidenschaft (Passion)

Verwandte Einträge: