Asperger-Syndrom & Selektiver Mutismus: Symptome, Diagnose und Interventionen

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Anfragen Asperger-Syndrom

1. Was ist Asperger-Syndrom?

Asperger-Syndrom (AS) ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung bzw. eine neurobiologische Störung, bei der es zu Abweichungen oder Auffälligkeiten in der Entwicklung kommen kann.

2. Welche Entwicklungsbereiche weisen Abweichungen auf?

Es gibt Abweichungen vor allem in folgenden Bereichen:

  • Beziehungen und soziale Fähigkeiten
  • Verwendung von Sprache für kommunikative Zwecke
  • Merkmale sich wiederholenden oder anhaltenden Verhaltens
  • Ein begrenztes Spektrum von Interessen
  • In vielen Fällen motorische Ungeschicklichkeit

3. Nennen Sie fünf Merkmale des Asperger-Syndroms

  • Wörtliche bzw. konkrete Sprache und Verständigung
  • Hohe Empfindlichkeit gegenüber lauten Geräuschen, Farben, Licht, Gerüchen oder Geschmack
  • Fokussierung auf ein Thema oder Objekt; kann ein tiefes Spezialwissen entwickeln
  • Körperliche Ungeschicklichkeit, z. B. beim Sport
  • Schwierigkeiten, Freundschaften im Gleichaltrigenalter aufzubauen oder zu erhalten

4. Was sind die Leitlinien für die Diagnose?

  1. Defizite in der sozialen Interaktion
  2. Schwierigkeiten oder Auffälligkeiten in der Sprache
  3. Entwicklung eines begrenzten, restriktiven und wiederholenden Interessen- und Aktivitätsmusters
  4. Festhalten an Routinen und Interessen
  5. Dysfunktion der nonverbalen Kommunikation
  6. Auffälligkeiten in der motorischen Entwicklung

5. Nennen Sie fünf Lehrstrategien, die vor dem Unterricht eingesetzt werden sollten

  • Verwendung von visuellen Hilfsmitteln in jedem Lernprozess
  • Gewährleistung eines stabilen und berechenbaren Umfelds; Vermeidung unerwarteter Veränderungen
  • Aufgaben in kleinere, überschaubare Schritte aufteilen
  • Themen der Interessen der Lernenden einbeziehen, um die Motivation zu fördern
  • Kritik und Strafen, wenn möglich, vermeiden

6. Welche sozialen Aktivitäten und Sportarten sind geeignet?

Geeignet sind Aktivitäten in kleinen Gruppen, die nicht laut und nicht besonders wettbewerbsorientiert sind. Tätigkeiten, bei denen nur wenige soziale Anforderungen gleichzeitig gestellt werden, sind besonders sinnvoll. Insbesondere eignen sich Aktivitäten, bei denen Erfolgserlebnisse wahrscheinlich sind und die Umgebung so gestaltet ist, dass sich die Person wohlfühlt und durch ihre Fähigkeiten positiv bewertet wird, wodurch das Selbstwertgefühl gestärkt wird.

7. Nennen Sie drei notwendige und drei unnötige Maßnahmen für Fachkräfte und Familien

Notwendig:

  • Geduld
  • Verständnis
  • Sinn für Humor

Nicht erforderlich:

  • Übermäßige Freizügigkeit
  • Überbehütung
  • Überladen / Überforderung

8. Welche Ziele sollte die Intervention erfüllen? Nennen Sie fünf

  • Ermutigung zur bestmöglichen Sozialisation
  • Förderung der sozialen Integration
  • Entwicklung und Nutzung individueller Fähigkeiten
  • Förderung von Ausgewogenheit und stabilen Routinen
  • Stärkung des emotionalen Wohlbefindens

Anfragen Selektiver Mutismus

1. Was ist selektiver Mutismus?

Selektiver Mutismus ist eine Störung bzw. psychische Erkrankung bei Personen, die grundsätzlich sprechen können und Sprache verstehen, jedoch in bestimmten sozialen Situationen nicht sprechen. In anderen Bereichen funktionieren sie meist, sind aber häufig stark in der Teilnahme an Gruppenaktivitäten eingeschränkt.

2. Nennen Sie vier mögliche Ursachen oder Einflussfaktoren für Mutismus

  • Übervertrautheit (z. B. zu enge, überfürsorgliche Beziehungen)
  • Familiäre Störungen (z. B. Scheidung, Missbrauch, Verlust von Familienmitgliedern)
  • Mangelnde sprachliche Stimulation
  • Elterlicher Druck, dass das Kind sprechen soll

3. Nennen Sie vier Merkmale des Mutismus

  • Ausbleiben der Wortproduktion nach dem zweiten Lebensjahr
  • Telegraphische Sprache (kurze, vereinfachte Äußerungen)
  • Sprachverständnis ist besser ausgeprägt als die Ausdrucksfähigkeit
  • Konsistente Nichtersprache in bestimmten sozialen Situationen, obwohl in anderen Situationen verbal gesprochen werden kann

4. Mit welchen Erkrankungen wird Mutismus oft verwechselt?

Mutismus wird häufig mit Autismus oder Asperger-Syndrom verwechselt, insbesondere wenn die betroffene Person sehr introvertiert wirkt. Dies kann zu falschen oder unpassenden Behandlungsansätzen führen.

5. Welche Grundprinzipien gelten bei der Behandlung?

  1. Vermeidung von Überbehütung sowie das Bagatellisieren oder Ignorieren des Problems, da dies das Schweigen verstärken kann
  2. Eine schrittweise, progressive Vorgehensweise anwenden und vermeiden, auf dem erreichten Niveau stehen zu bleiben (keine unangemessene Gewöhnung)

6. Was sind die Ziele der Intervention beim Mutismus?

  1. Stärkung der Persönlichkeitsstruktur des Kindes und Verbesserung der persönlichen, familiären und sozialen Kompetenzen
  2. Gezielte Maßnahmen zur Bewältigung kommunikativer Schwierigkeiten in spezifischen Situationen und sozialen Kontexten

7. Beschreiben Sie typisches Verhalten eines Kindes mit Mutismus

In der Schule bleibt das Kind häufig stumm gegenüber Lehrern und Mitschülern, spricht jedoch zu Hause oder in vertrauter Umgebung mit der Familie.

8. Wann manifestiert sich Mutismus typischerweise und gibt es Geschlechtsunterschiede?

Mutismus entwickelt sich meist in der frühen Kindheit. Die Häufigkeit ist bei beiden Geschlechtern nahezu gleich. Oft ist Mutismus begleitet von sozialer Angst, Überempfindlichkeit oder Negativismus.

9. Welche Aufgabe hat der Berater im Diagnostikzentrum und wer schließt andere Störungen aus?

Der Berater koordiniert alle beteiligten Fachpersonen und die Durchführung des diagnostischen Prozesses. Für den Ausschluss anderer Erkrankungen sind die psychiatrisch-psychologischen Dienste bzw. die Mental-Health-Services verantwortlich.

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