Atavismus: Definition, Biologie und Soziologie erklärt

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Atavismus

Definition und Bedeutung

Substantiv, maskulin

SingularPlural
Nominativder Atavismusdie Atavismen
Genitivdes Atavismusder Atavismen
Dativdem Atavismusden Atavismen
Akkusativden Atavismusdie Atavismen

Worttrennung: Ata·vis·mus, Plural: Ata·vis·men

Aussprache: IPA: [ataˈvɪsmʊs]

Bedeutungen

[1] Biologie:
Ein unvermittelt wieder auftretendes, entwicklungsgeschichtlich als überholt geltendes Merkmal (anatomisch oder verhaltensbiologisch), das sonst nur bei Vorfahren bekannt war.
[2] Übertragen:
Eine Auffassung oder ein Verhalten, das einem veralteten Weltbild entspricht.

Herkunft

Vom lateinischen atavus („Urahn“).

Beispiele

  • [1] „Längst verlorene Eigenschaften vergangener Generationen schlagen wieder durch: man spricht von Atavismus.
  • [2] „Es ist ein Atavismus, von einem Ort zum anderen zu fahren.“

Atavismus in der Soziologie

Mitunter wurden Schiffbrüchige zu Kannibalen. Das Gemälde Das Floß der Medusa (1819) von Théodore Géricault behandelt diesen Atavismus.

Unter einem Atavismus im soziologischen, kulturgeschichtlichen oder gesellschaftswissenschaftlichen Sinn wird ein kultureller Rückfall in angenommene urtümliche oder überwunden geglaubte Zustände menschlicher Gesellschaften verstanden. Der Begriff ist negativ konnotiert und kennzeichnet Entwicklungen, die als zivilisatorischer Rückschritt interpretiert werden.

Historische und soziale Aspekte

In der Geschichtsauffassung bezeichnen Atavismen Zusammenhänge, die als Rückfall in historische gesellschaftliche Verhältnisse erscheinen. Ebenso bezeichnet man überholte Regierungsformen, die formale Merkmale vergangener Epochen aufweisen, als Atavismen.

Literarische Darstellung

Der Roman „Herr der Fliegen“ von William Golding (1954) bietet eine literarische Darstellung eines kulturellen Atavismus. Nach einem Flugzeugabsturz verroht das Verhalten der Kinder auf einer einsamen Insel zunehmend, was in Gewalt und Götzenverehrung mündet.

Siehe auch

  • Atavismus in der Biologie und Anatomie

Referenzen und Weblinks

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