Die Aufklärung: Vernunft, Fortschritt und Reformen
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Der neue Geist der Aufklärung
Punkt 12: Der neue Geist der Aufklärung. Philosophen beginnen zu prüfen, ob alle Menschen gleich sind. Der Reichtum der Nationen besteht darin, dass der Bildungsstand der Bürger und Untertanen hoch ist (Bildung und Ausbildung).
Im 17. Jahrhundert beginnen Konzepte der Gleichheit aller Institutionen zu greifen, die zuvor oft verboten waren. Die Philosophie soll zur Vernunft zurückkehren. Glaube und Heil werden hinterfragt; viele Dinge werden nicht mehr einfach auf Gesellschaft und Politik angewandt. Die Aufklärung wird zum Instrument der Vernunft.
Ziele und Reformen der bestehenden Ordnung
Das Ziel der Aufklärung ist es, die bestehende Ordnung zu reformieren. Dabei lassen sich negative und positive Aspekte unterscheiden:
Negative Bewertungen
- 1. Verlust religiöser und transzendenter Werte.
- 2. Abriss bestehender Institutionen, ohne sie durch ein ausgewogenes System zu ersetzen.
- 3. Verwirrung angesichts von Naturerscheinungen und die Infragestellung des Übernatürlichen.
Positive Bewertungen
- 1. Ende des Aberglaubens zugunsten der wahren Religion; die Wissenschaft profitiert.
- 2. Beginn einer Werteerziehung und pädagogischer Möglichkeiten.
- 3. Herrschaft der Vernunft: Stopp irrationaler Dinge wie Kriege, Milderung der Sitten und das Ende mittelalterlicher, feudaler Strukturen (ständige Kriege).
Merkmale des aufklärerischen Denkens
- Glaube an Fortschritt und Glück: Es wird argumentiert, dass die Natur gut ist und der Mensch von Fesseln befreit werden muss. Dies impliziert uneingeschränktes Vertrauen in den Menschen, der einen Pfad unbegrenzten Fortschritts beschreiten kann. Das Ziel ist das Glück der Menschen; um die Natur durch Vernunft zu dominieren, müssen die Geisteswissenschaften gepflegt werden.
- Empirismus und Sensualismus: Alles Wissen stammt aus der Erfahrung. Nachdem im vorigen Jahrhundert der Rationalismus begonnen hatte, setzt Locke neue Maßstäbe. Die Sinne sind die Quellen des Wissens für alle.
- Kritik: Das aufklärerische Denken sieht die christliche Religion oft als Hindernis für Institutionen. Der Deismus entsteht als neue natürliche Religion in Frankreich und Europa. Wegbereiter dieser Kritik ist vor allem Voltaire.
- Politische und soziale Kritik: Zwei bedeutende Bücher resultieren daraus: Montesquieus "Vom Geist der Gesetze" (1748) spricht über die Verbesserung des institutionellen Systems. Voltaires "Philosophische Briefe" (1743) kritisieren die Mainstream-Gesellschaft.
Moralische und religiöse Aspekte
Aufgrund dieser Eigenschaften entstehen neue moralische und religiöse Ideen. Der Aufstieg des Deismus in Europa macht den übernatürlichen Glauben entbehrlich, da religiöse Überzeugungen oft als reine Mythen angesehen werden. Die Institution der Kirche wird als nutzlos betrachtet. Das natürliche Sittengesetz hat zwei Funktionen: eine utilitaristische und eine soziale.
Der christlichen Nächstenliebe wird die Philanthropie gegenübergestellt. Ein radikaler Deismus spiegelt sich in zwei Großprojekten wider: Holbachs "System der Natur" (1770) legt den dogmatischen Theismus zugrunde (auch wenn nicht alle dem Atheismus zustimmten). La Mettries "Die Mensch-Maschine" (1747) spricht von einem wissenschaftlichen Materialismus. Dies führt zur Entwicklung der mathematischen und experimentellen Naturwissenschaften und zur Dominanz über die Natur.
Wissenschaftlicher Fortschritt
Isaac Newton prägt die Aufklärung maßgeblich. Empirismus und Berechnungen werden auf die Physik angewandt (Licht, Wärme, Strom). In den Naturwissenschaften sind zwei Werke wegweisend: Buffons "Naturgeschichte" und Linnés "System der Natur". In der Chemie gelingt Lavoisier mit dem "Vertrag von der Chemie" ein Durchbruch.
Fortschritte in der Geschichtsschreibung
Voltaire leistet mit "Das Zeitalter Ludwigs XIV." einen Beitrag, indem er die menschliche Geschichte als etwas Natürliches entwirft, das nicht nur aus Hauptfiguren besteht. Herder verfasst zudem die "Ideen zur Philosophie der Geschichte".
Politische Organisation und Naturrecht
Es entsteht die Bewegung des Naturrechts: Die Menschenwürde wird vertieft, und es wird von natürlichen Rechten gesprochen (Privateigentum, Gleichheit vor dem Gesetz, Gedanken- und Meinungsfreiheit). Naturforscher fordern das Recht auf Pazifismus und Geselligkeit. Rousseaus "Gesellschaftsvertrag" legt das Fundament für die Freiheit.
Sozialwirtschaft und Physiokratie
In der Wirtschaft entwickelt sich die Physiokratie: Die einzige Quelle des Reichtums ist die Landwirtschaft. Quesnay fordert in seinem "Tableau économique" eine einzige Steuer auf Pachtzahlungen. Der Wirtschaftsliberalismus wird durch Adam Smith geprägt: In "The Wealth of Nations" (1776) fordert er Freiheit in der ökonomischen Ordnung durch Naturgesetze.
Bildung, Pädagogik und Medien
Der Bildungsbereich erfährt durch die Pädagogik große Aufmerksamkeit. Es entstehen Akademien der Wissenschaften und neue Institutionen. Rousseau argumentiert 1762 in "Emile oder über die Erziehung", dass der Mensch gut geboren und durch die Gesellschaft formbar ist. Bildung steigert den Wert und den Reichtum eines Staates.
Diese Prinzipien verbreiten sich durch die Enzyklopädie, die ein allgemeines Gleichgewicht der neuen Wissenschaften darstellt. Private wissenschaftliche Institutionen wie Clubs und Salons sammeln die intelligentesten Köpfe. Zudem entwickeln sich Zeitschriften wie der "Mercury".
Rationalismus und Neoklassizismus
In der Kunst herrscht bis 1740 das Rokoko vor, bevor die Rückkehr zum Klassizismus (Neoklassizismus) einsetzt. Ein wichtiges Werk ist die "Geschichte der Kunst des Altertums" von Winckelmann. Gleichzeitig wird Französisch zur universellen Sprache der Aufgeklärten.