Augustinus von Hippo: Glaube, Vernunft, Gott & Politik

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Augustinus von Hippo

2. Beziehung zwischen Glaube und Vernunft

Augustinus unterscheidet zwischen Glauben und Vernunft, betont aber ihre Komplementarität. Der Glaube soll sich nicht in die Wissenschaft einmischen, aber beide streben nach einer einzigen Wahrheit. Bei Widersprüchen hat der Glaube Vorrang. Der Ausgangspunkt aller Erkenntnis ist die Selbsterkenntnis, die uns unsere Fähigkeiten und Grenzen aufzeigt. Vernunft und Glaube helfen uns, diese Grenzen zu überwinden.

Die Philosophie dient der Theologie, da die Vernunft allein die Glaubenswahrheiten nicht erfassen kann.

3. Erkenntnistheorie

(Das Verständnis dient dem Erkennen der rationalen Welt.) Es gibt zwei Arten von Wissen:

  • 3.1. Sinnliches Wissen: Wahrnehmung der Außenwelt durch die Sinne.
  • 3.2. Rationales Wissen: Zugang zu Weisheit und Selbsterkenntnis durch die Vernunft. Dies kann zu einer liebenden Vereinigung mit Gott führen. Diese Vernunft kann unterteilt werden in:
    • Niedere Vernunft: Ermöglicht Weisheit durch die Ablehnung der Sinne.
    • Höhere Vernunft: Ermöglicht die Identifizierung von Ideen durch Verinnerlichung und offenbart die Existenz Gottes durch Selbsttranszendenz und das Studium unserer Seele.

4. Gott

Gott existiert, weil er Ideen in den Geist einpflanzt und weil die meisten Menschen an ihn glauben. Gott hat verschiedene kausale Funktionen im Universum:

  • 4.1. Gott als Schöpfer/Wirkursache: Gott gibt der Gesellschaft Sinn und Bedeutung und erschafft die Welt in einer logischen Ordnung des Naturrechts, die nur durch göttliche Wunder unterbrochen werden kann.
  • 4.2. Gott als formale Ursache: Gott erschafft die Ideen in seinem Geist und in unserer Seele, die wir durch Verinnerlichung erkennen. Da die Ideen Gottes seine Eigenschaften widerspiegeln, beweist dies Augustinus zufolge Gottes Existenz.
  • 4.3. Gott als letzte Ursache: Gott ist das Ziel allen Strebens in der Wirklichkeit.

5. Anthropologische Theorie

Augustinus unterscheidet zwischen Körper und Seele (anthropologischer Dualismus) und wertet den Körper ab. Der Körper führt uns in die Irre, während die Seele uns auf den Weg des Guten führt. Daraus ergeben sich mehrere Fragen:

  • 5.1. Das Problem des Bösen: Das Böse ist die Abwesenheit des Guten und entsteht durch die menschliche Wahlfreiheit, die uns Gott gewährt. Gott belohnt diejenigen, die den Weg des Guten und des Gehorsams wählen. Sünder werden bestraft.
  • 5.2. Freiheit: Gottes Allmacht steht nicht im Widerspruch zur menschlichen Wahlfreiheit. Gott kennt unsere Entscheidungen im Voraus, aber wir treffen sie selbst.
  • 5.3. Verantwortung und Erlösung: Gott gibt dem Menschen Vernunft, damit er Gut und Böse unterscheiden kann. Der Mensch ist für seine Entscheidungen verantwortlich.
  • 5.4. Seele: Die Seele hat drei Fähigkeiten, die uns helfen, das Gute, die Wirklichkeit und die Wahrheit zu erkennen:
    • Gedächtnis: Bewahrt Erfahrungen und unsere Identität.
    • Verständnis: Erkenntnis der rationalen Weltordnung.
    • Wille: Ermöglicht uns, die Grenzen der menschlichen Erkenntnis zu überwinden und uns der göttlichen Vollkommenheit zu nähern, was uns zur liebenden Gemeinschaft mit Gott führt.

6. Politische Theorie (Die zwei Städte)

Augustinus beschreibt zwei mystische Realitäten, die getrennt voneinander existieren und um die Menschen kämpfen, bis zum Jüngsten Gericht. Diese Städte repräsentieren die Lebensentscheidungen der Menschen:

  • 6.1. Die irdische Stadt (Babylon): Menschen, die sich an minderwertige Güter klammern, statt an Gott und das Gemeinwohl. Sie sind Sünder und werden bestraft.
  • 6.2. Die Stadt Gottes (Jerusalem): Menschen, die Gott und den Weg des Guten gewählt haben, indem sie überlegene geistige Güter pflegen und gehorsam sind. Sie werden durch göttliche Gnade mit Erlösung belohnt und gelangen zur liebenden Gemeinschaft mit Gott.

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