Augustinus: Über die Skepsis und die göttliche Gewissheit

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Augustinus: Skepsis und die Gewissheit der Existenz

Pyrrho von Elis (360–270 v. Chr.) war der Gründer der ersten skeptischen Schule. Sein Denken beeinflusste die Neue Akademie und blieb dennoch unabhängig. Skepsis ist das griechische Wort, das den Anlass zur Bewegung gab und die Mittel zur genauen Reflexion dessen bereitstellt, was ist (skeptikós: beobachten oder sorgfältig prüfen).

Die Grundlagen der skeptischen Bewegung

Die Skepsis besteht aus zwei Teilen: einem theoretischen Teil, der besagt, dass es keine sichere Erkenntnis gibt, und einem praktischen Teil, wonach die Meinung keine feste Haltung ist. Man solle das Urteil aussetzen, um Ataraxie (Gelassenheit) zu erreichen. „Nichts ist mehr“ lautet das Motto der skeptischen Bewegung – nichts ist wahrer, nichts falscher, weder besser noch schlechter.

Skeptiker versuchen, die Wahrheit zu finden, kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass kein endgültiges Argument eindeutig ist. Daher sei es richtig, den Prozess der Urteilsbildung zu stoppen. Dadurch befreit man sich von Angst und erlangt die Heiterkeit des Geistes, um Glück zu erreichen. Die Aussetzung des Urteils bedeutet jedoch nicht das Ende der Forschung oder Kritik. Während der dogmatische Philosoph glaubt, die Wahrheit gefunden zu haben, definiert sich der Skeptiker als Suchender und hält es für unmöglich, eine endgültige Wahrheit zu finden. Seine Hauptaufgabe ist es, die Argumente der Dogmatiker zu zerstören.

Wahrnehmung und Relativität

Unsere Wahrnehmungen haben nur einen relativen Wert; sie lassen uns lediglich wissen, wie die Dinge unseren Sinnen erscheinen. Alle Meinungen entspringen der Tradition und sind konventionell. Es gibt keinen Grund zu behaupten, eine Aussage sei wahrer als ihr Gegenteil. Der einzig sinnvolle Ansatz ist es, den Prozess auszusetzen und nichts zu sagen.

Augustinus und die Suche nach der inneren Wahrheit

Die neuplatonische Richtung des Heiligen Augustinus führt ihn zu der Verteidigung, dass die Wahrheit nicht in der Außenwelt durch die Sinne gesucht werden muss, sondern durch Rückbesinnung im Inneren. Er lehrt: „Gehe nicht nach draußen, kehre in dich selbst zurück.“ Sein Denken basiert auf dem Begriff der Wahrheit und gelangt zu dem Schluss: Die Wahrheit ist Gott.

Er vertritt die Ansicht, dass die Suche nach der Wahrheit mit dem Nachweis ihrer Existenz beginnen muss. Damit überwindet er die Zweifel der Skeptiker der Neuen Akademie: „Alle Geister kennen sich selbst mit absoluter Sicherheit.“ Das Selbst ist ein unwiderlegbarer Punkt. „Wir sind, wir wissen, dass wir sind, und wir lieben dieses Sein und Wissen.“ Wer an der Wahrheit zweifelt, für den ist es wahr, dass er zweifelt. Wer zweifelt, lebt und denkt; daher führt der Akt des Zweifels zur Gewissheit und somit zur Wahrheit.

Vergleich mit dem Cogito von Descartes

Diese Mobilität des Denkens, bei der der Akt des Zweifels als Grundlage für Gewissheit dient, bedeutet, dass die Seele über sich selbst hinaus nach der Wahrheit sucht. Augustinus sucht die notwendige, unveränderliche und ewige Wahrheit, die nicht durch veränderliche, sinnliche Objekte bereitgestellt werden kann. Auch die Seele ist kontingent und veränderlich. Nur Gott ist die Wahrheit.

Augustinus nimmt Descartes mit seinem „Si fallor, sum“ (Wenn ich mich irre, bin ich) vorweg. Doch im Gegensatz zu Descartes war Augustinus nicht primär daran interessiert, ob die Außenwelt real existiert. In den Bekenntnissen sagt er: „Ich möchte Gott und die Seele erkennen. Sonst nichts.“ Bei beiden umfasst das Cogito alle Aktivitäten des Bewusstseins: Zweifeln, Bejahen, Verneinen, Wollen, Vorstellen und Fühlen. In De Trinitate schreibt Augustinus, dass der Geist sich selbst unmittelbar erkennt, ähnlich wie Descartes in seiner zweiten Meditation feststellt, dass nichts leichter zu kennen sei als der eigene Geist.

Liebe zum Leben und Liebe zum Wissen

Die Liebe zur Existenz ist in der gesamten Natur verankert. Der Mensch will nicht sterben; selbst in Elend würde er ein ewiges Leben einem frühen Tod vorziehen. Die Liebe zum Wissen ist dem Menschen eigen. Während Tiere zwar hochentwickelte Sinne haben können, ist nur der Mensch zu rationalem Wissen fähig. Wissen ist laut der Theorie des Lichts die höchste menschliche Tätigkeit.

Schöpfung, das Böse und die Ethik

Gott schuf die Welt aus Liebe, um seine Vollkommenheit zu teilen. Das Böse entsteht nicht aus der Materie (da Gott alles gut erschaffen hat), sondern wenn der Mensch sich von Gott abwendet. Das Böse ist die Negation der Liebe zu Gott. Physisches Übel wie Krankheit und Tod sind Folgen der Erbsünde. Die antike Ethik basiert auf dem Glück, doch Augustinus weiß, dass die Seele ihren „natürlichen Ort“ bei Gott hat: „Du hast uns für dich geschaffen, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.“

Die dreifache Natur des Menschen

Die Möglichkeit der Rückkehr zu Gott ist in der dreifachen Natur des Menschen als Ebenbild Gottes eingeschrieben: „Ich bin, ich weiß, ich will.“ Diese drei Aspekte sind untrennbar in einem Leben und einer Essenz vereint. Die Verfassung des Menschen als Ebenbild Gottes gibt ihm die Fähigkeit, Gott zu erreichen, garantiert es aber nicht. Der Mensch kann als „alter Mensch“ fleischlich bleiben oder als „neuer Mensch“ durch den Geist die Ewigkeit erreichen.

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