Barock: Stil, Architektur und urbaner Einfluss in Europa
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Der Barock
Der Barock erstreckt sich chronologisch über das 17. Jahrhundert und die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts. Er beginnt nicht in Frankreich, sondern Rom wird ab der Zeit von Sixtus V. zum Vorbild. Die religiöse Spaltung zwischen Katholiken und Protestanten sowie die Aktivitäten der Jesuiten beeinflussen die Einheit und Monumentalität der Tempel. Die Dramatik des Barock zeigt sich in der großen Wirkung auf Altäre und Innenräume: Rationalität weicht vielfach dem Eindruck, die Sinne zu überwältigen. Die künstlerischen Ausdrucksformen sind vielfach verspielt und theatralisch; auf politischer Ebene ist die Epoche vom Triumph der absoluten Monarchien und von höfischen Repräsentationsbedürfnissen geprägt. Die Monarchen versuchen, mit Palästen ein Bild ihrer Macht zu vermitteln. Es ist ein Zeitraum großer Kreativität in Lyrik, Oper und Musik; in den Wissenschaften prägen Figuren wie Descartes, Galileo, Pascal und Newton das Denken.
Fokus des Barock
Regional zeigt sich der Barock in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen. Im Folgenden sind wichtige Länder und Regionen mit ihren Besonderheiten aufgeführt.
England
- Die Entwicklung des Stils in England ist mit der anglikanischen Kirche und mit der Rezeption klassizistischer Elemente verbunden.
- Architekten wie Inigo Jones (1573–1652) sind prägend; herausragendes Beispiel ist das Queen's House (1633).
- Nach dem Großen Brand von London 1666 prägte Christopher Wren den Wiederaufbau, insbesondere die Kathedrale St. Paul's. Es entstanden zirkusartige Platzgestaltungen und projektierte Flächen (Plätze), die städtebaulich wirkten.
Frankreich
- Der französische Barock war eng mit dem Absolutismus verbunden und diente als Propaganda für den Staat. Colbert (1664) förderte die Künste und unterstützte Institutionen wie die Königliche Akademie.
- Architektur und Gartenkunst sind prägende Erscheinungen: Paläste mit langen horizontalen Flügeln, Mansarddächer mit Gauben und prismatische Volumen, beispielhaft das Schloss von Versailles mit seinen Gärten.
- Kirchen zeigen oft eine dreigeschossige Gliederung und Kuppeln (z. B. die Sorbonne). Wichtiger Architekt: Jules Hardouin-Mansart.
Kaisertum Österreich und Mitteleuropa
Die Hofkunst in Mitteleuropa übernimmt vielfach französische Vorbilder. Fürsten, Kirche und hohe Adelskreise sind hier die wichtigsten Auftraggeber. In Deutschland haben Kriege teilweise die Bautätigkeit gehemmt; dennoch entstehen prunkvolle Werke, u. a. mit Beiträgen wie von Daniel Pöppelmann. Der protestantische Barock unterscheidet sich regional vom katholischen.
Niederlande und Flandern
In Holland und Flandern, teils unter spanischer Herrschaft, dominieren sowohl Adel und Kirche als Auftraggeber als auch in den protestantischen Gebieten die aufstrebende Bourgeoisie. Bedeutende Künstler wie Peter Paul Rubens zeigen die Spannweite barocker Auftraggeber: Städte, Gemeinden, Unternehmen und Stiftungen werden zu wichtigen Kunden.
Spanien
Der spanische Barock ist stark von der Gegenreformation (Konzil von Trient) geprägt und betont mystisch-religiöse Themen. Er bewirkt eine Veränderung im Denken gläubiger Menschen und führt im 17. Jahrhundert zu einer kulturellen Blütezeit, dem spanischen „Goldenen Zeitalter“. Literarische Werke und künstlerische Produktionen entstehen oft im Auftrag religiöser Kongregationen und des Hofes; die barocke Kirche bildet eine eigene ideologische Ausdrucksform.
Barock in Navarra
In Navarra zeigt sich der Barock im 17. und 18. Jahrhundert besonders in Sakralbauten. Neue Kirchen werden bevorzugt mit einem Grundriss in Form eines lateinischen Kreuzes errichtet, mit einem Langhaus, einer Kuppel im Vierungsbereich, Chor und seitlichen Kapellen. Zu den Gebäuden dieses Stils in Pamplona gehören Werke der Karmeliter und Augustiner; Altäre und Skulpturen spiegeln die barocke Ausdrucksweise wider.
Ein Beispiel ist Santa María de Viana, wo sich im späten 18. Jahrhundert die Malerei bis hin zum Rokoko entwickelt. Regionale Vertreter wie Berdusán arbeiten in Tudela und Funes. Hervorzuheben sind die Kuppel von Santa María de Viana und die dortigen Arbeiten, darunter auch von Luis (in der Überlieferung genannt).
Charakteristika der barocken Architektur
Der Barock ist allgemein durch eine große Freiheit in der Formensprache gekennzeichnet; Erfindung und Originalität werden hoch geschätzt, oft mit dem Ziel, eine starke Wirkung auf den Betrachter zu erzielen. Manchmal geschieht dies auf Kosten der klaren Funktionalität. Gleichzeitig spielen Lichtwirkungen eine zentrale Rolle.
Grundprinzipien und typische Merkmale
- Ungleichgewicht gegenüber der klassischen Ordnung: Der Barock löst sich vom streng gereinigten Renaissanceideal, setzt auf Freiheit und Missachtung starrer Regeln; das Gefühl und die Wirkung werden oft über die formale Ordnung gestellt.
- Materialwahl: Außen oft Quadersteine (Bossenwerk), innen häufig Marmor.
- Geschwungene Linien: Beherrschung der gebogenen Linie in Dekoration und Fassaden; die Wirkung des Gebäudes wird oft von einem diagonalen Blickwinkel geplant.
- Monumentale Säulen und Salomonssäulen: Riesige Säulen, teils mit gedrehter (spiralförmiger) Gestaltung, verändern die klassischen Proportionen; die „monumentale Welle“ kann auf vielfältige Weise ausgeführt werden.
- Grundrissformen: Komplizierte geometrische Formen wie Ellipsen, Ovale und Rundungen sind üblich; Kreuzformen und zentralisierte Pläne kommen vor. Kirchen zeigen oft ein einläufiges Langhaus mit Seitenkapellen und einer Apsis sowie einer Kuppel im Vierungsbereich.
- Deckensysteme und Dekoration: Unterschiedlichste Deckenaufbauten werden verwendet; Oberflächen sind mit Malereien, Stuckleisten und vielfältigen Ornamenten dekoriert.
Typologien
- Tempel und Kirchen: Sowohl griechisches Kreuz als auch längsorientierte Basiliken sind zu finden; große Tempel und Villen zeigen häufig eine basilikale Anordnung.
- Paläste und Gärten: Palastanlagen sind auf dauernde Repräsentation und Bewohnung ausgelegt; urbane Schlösser und großartige Gärten (z. B. Versailles) sind typische Erscheinungsformen.
Europäischer Urbanismus im Barock
Der europäische Urbanismus des Barock entwickelt städtebauliche Eingriffe, die Monumentalität, Ordnung und Perspektive verbinden. In Rom, seit Sixtus V., wirkt der Architekt Domenico Fontana an der Öffnung und Verbindung von Straßen zu Regionen und Plätzen; die Anlage großer Achsen und radialer Systeme prägt das Stadtbild. Brunnen, Plätze und Gärten spielen eine fundamentale Rolle als städtische Bezugspunkte.
Gian Lorenzo Bernini ist ein zentraler Akteur des römischen Urbanismus; er gestaltet u. a. den Petersplatz und entwickelt eine außerordentliche städtebauliche Sprache. In Frankreich, besonders in Paris, entstehen große Plätze und geometrische Anordnungen, die als städtische Kerne fungieren: Quadrate, von Fassaden und Reiterstatuen des Königs gestaltete Flächen ordnen das Zentrum. Lösungen wie im Schloss von Versailles verbinden Palast und Stadt: drei konvergente Achsen führen nach Paris und bilden eine monumentale Verknüpfung.
Schlussbemerkung
Der Barock ist eine Epoche der Kontraste: Theatralik und religiöse Andacht, wissenschaftliche Neuerungen und höfische Repräsentation, Monumentalität und verspielte Detailliebe. Seine Architektur und sein Urbanismus hinterließen europaweit sichtbare Spuren, die bis heute prägen.