Behandlung von Lungenkrebs: NSCLC und SCLC im Überblick
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Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC)
Stadium 0 (Tx / TIS) und Stadium I
Stadium 0 (in situ): Die Heilbarkeit liegt bei 75 %. Zu den Behandlungsoptionen gehören Chirurgie, externe Strahlentherapie, Brachytherapie sowie die photodynamische Therapie.
Stadium I (T1-2 N0 M0): Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt 50 %. Chirurgische Maßnahmen umfassen die Lobektomie, Segmentresektion, marginale Resektion oder Pneumonektomie. Die 5-Jahres-Überlebensraten nach Chirurgie liegen global bei 72 % (T1: 83 %, T2: 65 %). Ergänzend kommen Strahlentherapie und photodynamische Therapie zum Einsatz.
Stadium II (T1-2 N1 / T3 N0 M0)
Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei 30 %. Chirurgische Optionen sind die Lobektomie, Lobektomie mit Bronchoplastik oder Pneumonektomie. Die 5-Jahres-Überlebensraten nach Chirurgie betragen global 49 % (T1: 56 %, T2: 48 %). Eine Strahlentherapie kann ebenfalls erfolgen.
Stadium III: Bestrahlung und Therapie
Bestrahlung: Kurative Intention (radikal). Die Dosierung liegt bei 50–60 Gy in kontinuierlichen Mustern. Die Fraktionierung beträgt 1,8 bis 2 Gy pro Tag (5 Tage pro Woche). Die Ergebnisse zeigen eine lokale Kontrolle von 23 bis 65 % bei einem medianen Überleben von 9–11 Monaten. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei 5 %; die alleinige Bestrahlung erhöht das Überleben nicht signifikant.
Stadium IIIA (T3 N1-2 M0):
- Inoperabel: Chemotherapie (QT) +/- Radiotherapie (RT), gefolgt von Chirurgie.
- Resektabel: Simultane Chemotherapie oder Radiotherapie, gefolgt von Chirurgie.
Aktivste Zytostatika und Chemotherapie-Wirksamkeit
Studien haben eine höhere Ansprechrate für Ifosfamid mit Vinblastin (27–40 %) gezeigt. Etoposid und Teniposid sind mit 15–28 % bzw. unter 15 % weniger effektiv. Andere Studien unterstreichen die Wirksamkeit von Taxol und Taxotere mit einer Effizienz von 28 % und einer Überlebensrate von 10–12 Monaten.
Wirksamkeit der Chemotherapie:
- Kombination von 2–3 Zytostatika, oft mit Cisplatin (100 mg/m²).
- Maximale Antwortzeit nach 2–4 Zyklen.
- Objektive Ansprechrate (CR + PR): 20–40 % mit einer Dauer von 3–6 Monaten.
- Prognostische Faktoren für das Ansprechen: PS 0–1, begrenztes Stadium, geringe Anzahl an Metastasen.
Indikation zur Chemotherapie
- Guter Allgemeinzustand (PS 0–2): Palliative Intention. Chemotherapie wird standardmäßig angeboten (Standard-Kombinationen oder neue Zweitlinien-Studien).
- Schlechter Allgemeinzustand (PS > 2): Supportive Behandlung ohne Chemotherapie oder Studien mit geringer Toxizität.
Prognostische Faktoren
- Früherkennung (Stadium I, II und III resektabel): Tumorgröße, Vorhandensein von Lymphknotenmetastasen, histologischer Subtyp.
- Fortgeschrittene Erkrankung (Stadium III und IV inoperabel): Stadium vor der Behandlung, funktioneller Status, Gewichtsreduktion, Geschlecht, LDH-Wert, Lokalisation der Metastasen.
Kleinzelliges Lungenkarzinom (SCLC)
Histologie und Symptomatik
Histologischer Einfluss: Der Oat-Cell-Typ macht über 90 % aus, gefolgt von gemischten kleinzelligen Typen (5 %) und kombinierten Formen (1 %).
Symptomatik: Primärtumor, Husten, Dyspnoe, Atemgeräusche, Hämoptysen, Brustschmerzen, postobstruktive Pneumonitis, regionale Metastasen, oberes Hohlvenensyndrom, Dysphonie (Heiserkeit), Dysphagie (Schluckbeschwerden), Fernmetastasen, Knochenschmerzen und ZNS-Symptome (Kopfschmerzen, Diplopie).
Diagnostik und Staging
Diagnostik: Anamnese, vollständige Untersuchung, Labor (Leberfunktion), Röntgen-Thorax, Bronchoskopie, Thorax-CT, Abdomen-Sonographie oder CT. Bei Verdacht: Knochenszintigraphie, CT oder Knochenmarkbiopsie.
Staging (VALSG-Klassifikation):
- Limited Disease (begrenzte Erkrankung): Tumor auf einen Hemithorax und regionale Lymphknoten begrenzt.
- Extensive Disease (ausgedehnte Erkrankung): Tumor überschreitet diese Grenzen.
Prognosefaktoren beim SCLC
- Tumorabhängig: Begrenztes Stadium ist günstig. Fehlende mediastinale Lymphknoten oder Pleuraergüsse sind günstig. Bei ausgedehnter Krankheit ist eine geringe Anzahl betroffener Organe günstig (Leber- oder Gehirnbefall sind ungünstig).
- Patientenabhängig: Allgemeinzustand, Geschlecht (weiblich ist günstig).
- Laborbefunde: Erhöhte LDH oder alkalische Phosphatase sind ungünstig.
Therapie und Nachsorge
Historisch entwickelte sich die Therapie von der Chirurgie (50er Jahre) über die Strahlentherapie (60er Jahre) zur Chemotherapie als Standard (70er Jahre).
Zusammenfassung der Therapie:
- Die Chemotherapie (QTX) ist die wichtigste Säule (erhöht jedoch nicht immer die langfristige Überlebensrate).
- Kombination von 2–3 Zytostatika über 4–6 Zyklen; keine Erhaltungstherapie.
- Thorax-Bestrahlung (RTX) bei begrenzter Erkrankung, zeitgleich mit der QT.
- Prophylaktische Schädelbestrahlung (PCI/ICP) bei kompletter Remission (RC) in begrenzten Stadien.
- Chirurgie nur in sehr frühen Stadien (Stadium I).
Überwachung und Nachsorge:
- Röntgen-Thorax alle 3 Monate für 2 Jahre, danach jährlich.
- Zweittumoren: Überlebende nach mehr als zwei Jahren haben ein 3,5-mal höheres Risiko. Die kumulative Inzidenz liegt bei bis zu 44 %. Ein erhöhtes Risiko besteht nach Brust-Bestrahlung.