Bernini und Borromini: Barock in Rom

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Bernini und Borromini: Zwei Meister des Barock

Bernini und Borromini waren zwei der bedeutendsten Künstler des römischen Barock. Sie prägten die Architektur und Bildhauerei ihrer Zeit maßgeblich, wenn auch mit unterschiedlichen Ansätzen.

Unterschiedliche Materialien und Raumkonzepte

Bernini bevorzugte Marmor für seine Skulpturen und schuf weitläufige, offene Räume mit geschwungenen Linien. Borromini hingegen arbeitete oft mit Ziegel, Stuck und Putz und gestaltete komplexe, ineinandergreifende Räume mit überraschenden Effekten.

Licht und Schatten

Bernini nutzte Licht und Schatten, um seine Fassaden und Innenräume zu beleben. Borromini hingegen schärfte die Profile seiner Bauten und fügte Kanten hinzu, um einen prägnanten Hell-Dunkel-Effekt zu erzielen.

Berninis Karriere und Werke

Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) war ein vielseitiger Künstler, der als Bildhauer, Architekt und Maler tätig war. Seine architektonische Karriere begann im Vatikan, wo er den Baldachin von St. Peter schuf, ein bronzenes Ziborium auf vier gewundenen Säulen unter der Kuppel des Petersdoms. Dieser Erfolg brachte ihm den Titel des päpstlichen Architekten ein. In dieser Funktion gestaltete er die Kolonnaden auf dem Petersplatz und die Cathedra Petri in der Apsis des Petersdoms.

Berninis Statuen: Entwicklung in vier Phasen

  1. Frühwerk (ca. 1613-1624)

    In seiner Jugend schuf Bernini mythologische und biblische Skulpturen für die Villa von Kardinal Scipione Borghese. Diese Werke sind vom Manierismus beeinflusst und zeichnen sich durch die linea serpentinata, technische Virtuosität und die Darstellung des psychologischen Zustands der Figuren aus.

  2. Hochbarock (ab 1624)

    Nach der Wahl seines Freundes Urban VIII. zum Papst begann Berninis Hochphase des Hochbarock. In dieser Zeit legte er großen Wert auf die Darstellung von Gewändern, die durch ihre Bewegung und Faltenwürfe die emotionale Wirkung der Figuren verstärken. Stoffe flattern und erzeugen Hell-Dunkel-Effekte, die dem Bild eine polychrome Wirkung verleihen.

  3. Mittlere Schaffensperiode (1640-1654)

    In der mittleren Schaffensperiode, während des Pontifikats von Innozenz X., erreichte Bernini den Höhepunkt seiner Kreativität. Er vereinte alle Künste und schuf mit der Verzückung der Heiligen Theresa in Santa Maria della Vittoria in Rom ein Meisterwerk barocker Theatralik. Die Mitglieder der Familie Cornaro beobachten das Wunder der Transverberation der Heiligen aus zwei Logen an den Seiten der Kapelle.

    Weitere Werke dieser Zeit sind das Grabmal von Papst Urban VIII. und der Vierströmebrunnen (Fontana dei Quattro Fiumi) auf der Piazza Navona.

  4. Spätstil (ab 1665)

    Während des Pontifikats von Alexander VII. entwickelte sich Berninis Spätstil. Er strebte nach Expressivität und Spiritualität, wie es für die Spätwerke vieler großer italienischer Meister typisch ist. Die Figuren sind länglicher und die Gewänder winden sich stark.

Malerei in Italien: Carracci und Caravaggio

Die Carracci und Caravaggio waren zwei führende Maler des frühen Barock in Italien. Sie reagierten auf den Manierismus mit unterschiedlichen Ansätzen, die sich in ihren Modellen und ihrer Lichtführung widerspiegeln.

Carracci: Klassizismus

Die Carracci ließen sich von der griechisch-römischen Bildhauerkunst inspirieren und strebten nach idealen Proportionen des menschlichen Körpers. Sie begründeten den Klassizismus in der Malerei. Ihre Werke zeigen oft Götter der heidnischen Antike.

Caravaggio: Naturalismus

Caravaggio hingegen stellte einfache Menschen dar und begründete damit den Naturalismus. Sein Gemälde Die Wahrsagerin, in dem eine Zigeunerin einem jungen Mann aus der Hand liest und ihm heimlich den Ring stiehlt, ist ein ausdrucksstarkes Beispiel für Caravaggios Stil.

Technik und Lichtführung

Die Carracci malten große Fresken an Decken und Wänden von Palästen, die sie mit hellen Farben beleuchteten. Caravaggio hingegen bevorzugte Staffeleibilder und setzte Hell-Dunkel-Effekte ein, bei denen ein Lichtstrahl dramatisch auf die wichtigen Bereiche fällt, während der Rest im Schatten bleibt. Beide Maler prägten die künstlerische Erneuerung der europäischen Malerei von Rom aus.

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