Berninis Ekstase der Heiligen Teresa: Analyse der Cornaro-Kapelle

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Die Ekstase der Heiligen Teresa

Autor: Gianlorenzo Bernini

Datum: 1647–1652

Museum: Kirche Santa Maria della Vittoria in Rom

Merkmale: 350 cm hoch

Material: Marmor

Stil: Italienischer Barock

Berninis Meisterwerk: Die Cornaro-Kapelle

Obwohl Bernini viele bekannte Werke schuf, gilt die Cornaro-Kapelle in Santa Maria della Vittoria (1647–1652), in Auftrag gegeben von Kardinal Federico Cornaro, als eines seiner bedeutendsten. Hier wird der Betrachter mitten in ein suggestives Beziehungsgeflecht hineingezogen, das den Betrachter aktiv in die lebendige Darstellung einbezieht.

Revolutionäre Synthese der Künste

Dieses Werk war das erste, das Architektur, Malerei und Skulptur vereinte, um zusammen ein prächtiges Ganzes zu bilden (Baldinucci). Dies zeigt Berninis revolutionären Ansatz und seine Eroberung der rein visuellen Konzeption der Verbindung zwischen den Künsten.

Die Theatralik der Mystik

In dieser Kapelle gelang es Bernini, das Leben in voller Pracht darzustellen. Er schuf eine theatralische Inszenierung, die auf die Zelle des Klosters Santa Teresa ausgerichtet ist, um den Moment ihrer mystischen Erfahrung festzuhalten – die höchste ekstatische Vereinigung mit Christus.

Elemente der Inszenierung
  • Vision: Zwischen dem Menschlichen und dem Übernatürlichen wird der Zuschauer Zeuge.
  • Altarraum: Ein konvexer architektonischer Schrein aus reich gefärbtem Marmor und vergoldeter Bronze.
  • Bühne: Die Skulptur der Ekstase der Heiligen Teresa ist auf einem Altar platziert, reduziert auf eine Art Bühnenvorhang (bambalinón).
  • Lichtführung: Natürliches Licht fällt durch ein transparentes Fenster, das einen goldenen Strahlenkranz bildet, welcher die in der Luft schwebenden Figuren umgibt.
  • Himmel: Eine Wolkenbank symbolisiert die Herrlichkeit.
  • Bühnenbeleuchtung: Requisiten, die den Hauch von Bühnenbeleuchtung ermöglichen, sowie das Fresko von G. Battista Abbatini.
  • Zuschauer: Mitglieder der Familie Cornaro sind auf seitlichen Balkonen positioniert, was die traditionelle Wandgräberstruktur transformiert und den Beobachter unwissentlich in die Theaterkulisse einbezieht.
Die Skulptur als Höhepunkt

Die Gruppe, die nicht von der Gesamtheit der Kapelle getrennt werden kann, ist an sich eine der schönsten Skulpturen der Kunstgeschichte. Sie ist unübertroffen in ihrer Darstellung der gleichzeitigen geistigen und sinnlichen Verzückung sowie in ihrer technischen Virtuosität.

Bernini fand in der Darstellung der Worte der Heiligen über ihre Erfahrungen im Lebensbuch einen außergewöhnlichen Übersetzer. Er verstand es meisterhaft, die geistige und emotionale Spannung sowie die sinnliche Ladung zu vermitteln – wesentliche Bestandteile der barocken Religiosität. Dies gelang ihm durch ein tiefes Verständnis der expressiven Möglichkeiten der Materialien und eine außergewöhnliche Beherrschung der Techniken.

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