Biotechnologie und Gentechnik: Grundlagen und Anwendungen
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Grundlagen der Biotechnologie
Biotechnologie umfasst biologische Verfahren zur Gewinnung von Gütern und Dienstleistungen aus lebenden Organismen. Die ältesten Anwendungen sind Fermentationen (beispielsweise Alkohol als Wein, Milchsäure aus Milch oder Essigsäure als Essig).
Gentechnik und rekombinante DNA
Die Gentechnik ist eine Technologie zur Gewinnung von Gütern und Dienstleistungen, die auf der Entdeckung der DNA basiert. Wichtige Anwendungen sind unter anderem die Synthese von Medikamenten, die Gentherapie und gezielte genetische Veränderungen.
Die rekombinante DNA-Technologie ermöglicht das Schneiden von DNA-Fragmenten, an denen ein individuelles Interesse besteht, und deren Einfügen in die DNA eines anderen Organismus. Sie bildet die Grundlage für transgene Organismen und das molekulare Klonen.
Molekulares Klonen und Produktion
Das molekulare Klonen ermöglicht die kontinuierliche Synthese biologischer Produkte, indem das entsprechende Gen in einen lebenden Organismus eingeführt wird (zum Beispiel zur Gewinnung von Insulin). Dieses Verfahren dient dazu, Stoffe wie Aminosäuren für Lebensmittelzusatzstoffe oder Antibiotika zu produzieren sowie als Ersatz für die Synthese von Impfstoffen (z. B. gegen Grippe oder Tollwut).
Gentechnisch veränderte Organismen (GVO)
GVO drücken phänotypische Eigenschaften aus, die sie zuvor nicht besaßen. Ihre Hauptverwendung liegt in der Landwirtschaft, um beispielsweise den Proteingehalt zu erhöhen (Mais) oder die Kälteresistenz zu verbessern (Erdbeeren). Zudem werden sie für die Herstellung biologisch abbaubarer Werkstoffe und in der Bioremediation eingesetzt – einer Technik zur Sanierung von Böden oder verunreinigten Gewässern durch Bakterien. In der Medizin und Pharmazie dienen sie der Herstellung von Wachstumshormonen, Blutgerinnungsfaktoren oder dem Hepatitis-B-Impfstoff.
Das Humangenomprojekt und Bioethik
Das Humangenomprojekt begann in den 90er Jahren und endete 2003. Es bestand in der Sequenzierung des menschlichen Genoms und lieferte wichtige Informationen über unsere genetischen Merkmale. Wir wissen nun, wie viele Gene wir besitzen, wie sich Lebewesen entwickelten und was geschieht, wenn sie erkranken. Da das Genom aller Menschen zu ca. 98 % identisch ist, können verantwortliche Gene für Krankheiten erkannt und verändert werden.
Die Bioethik (Ethik des Lebens) stellt das grundlegende ethische Kriterium dar, das jede Entscheidung regelt, wobei der Mensch unter Berücksichtigung seiner Rechte und Würde im Mittelpunkt steht.
Diagnostik und Gentherapie
Die Sequenzierung dient dazu, mögliche Mutationen und Krankheiten zu identifizieren. Die molekulare Diagnostik erkennt Mutationen, die jeder von uns in seinem Genom tragen kann. Dies ermöglicht präzisere Diagnosen, noch bevor eine Erkrankung klinisch auftritt. Die genetische Beratung basiert auf der Untersuchung von Familien durch die Analyse von Krankheiten über Generationen hinweg.
Die Gentherapie erfordert die Einführung von gesundem genetischem Material in kranke Zellen, um genetisch bedingte Krankheiten (insbesondere Krebs und Erbkrankheiten) zu korrigieren. Dies kann in vivo (im Individuum) oder ex vivo (außerhalb) geschehen. Bei in vivo-Verfahren kann das neue Gen jedoch Immunreaktionen hervorrufen; zudem besteht die Schwierigkeit darin, das Gen exakt an der Stelle des abnormalen Gens einzufügen.
Herstellung von Human-Insulin
Früher wurde Human-Insulin für Diabetiker aus Bauchspeicheldrüsen von Kühen oder Schweinen gewonnen. Da es nicht identisch mit menschlichem Insulin ist, konnte es unerwünschte Immunreaktionen auslösen. Heute wird es durch molekulares Klonen gewonnen: Das menschliche Insulin-Gen wird in Bakterien übertragen, welche daraufhin das Insulin produzieren.