Byzantinische Mosaikkunst: Geschichte, Ikonografie und Stil
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Die Symbolik und Ästhetik byzantinischer Mosaike
Die Zahlen in der byzantinischen Kunst zeigen eine gewisse Starrheit und Monotonie, sind jedoch in ihrer Symbolik äußerst ausdrucksstark. Mit einer offensichtlichen Verachtung für die Gesetze der Natur und des Raumes wirken die Figuren länglich und streben eine bewusste Entmenschlichung an.
Ikonografische Programme und Tempelgestaltung
Der neue Anzug folgt symbolisch ikonografischen Typen nach einem vorgegebenen Programm (Hermeneia), das die verschiedenen Teile des Tempels definiert:
- Kuppel: Der Pantokrator (Christus als segnender König).
- Jakobsmuscheln: Die vier Evangelistensymbole.
- Apsis: Die Jungfrau Maria.
- Wände: Heilige und evangelische Szenen.
Häufige Motive: Christus und die Jungfrau Maria
Die am häufigsten wiederholten Modelle sind Christus mit Bart (syrisches Modell) und die Jungfrau Maria in verschiedenen Erscheinungsformen:
- Kyriotissa (Thron des Herrn): Das Kind sitzt auf ihrem Schoß wie auf einem Thron.
- Hodighitria: Sie steht mit dem Jesuskind auf dem linken Arm und weist mit der rechten Hand auf Jesus als den Weg der Erlösung.
- Gottesgebärerin: Das Kind bietet eine Frucht oder eine Blume an.
- Platytera / Blachernitissa: Darstellung mit einem Heiligenschein im Mutterleib, der die Mutterschaft betont.
Weitere zentrale Themen
Weitere repetitive Themen sind die Deesis (Christus mit der Jungfrau Maria und Johannes dem Täufer als Fürsprecher) sowie die zwölf liturgischen Feste des Jahres, darunter die Anastasis (Abstieg Christi in die Unterwelt) und die Vision von Mamre (die drei Engel als Symbol der Dreifaltigkeit).
Das dritte Goldene Zeitalter und italienische Einflüsse
Im dritten Goldenen Zeitalter blieb das Mosaik bis ins 13. Jahrhundert in Gebrauch. Die Ikonografie wurde durch marianische Themen sowie Heiligen- und Evangelistendarstellungen bereichert. Unter italienischem Einfluss entwickelte sich eine größere Freiheit in der Komposition und ein stilisierter Manierismus.
Einfluss auf die europäische Kunst
Da die Mosaike in Konstantinopel weitgehend zerstört wurden, dienen die Werke in San Marco in Venedig als wichtigste Referenz. Die reichliche Verwendung von Gold hatte einen merklichen Einfluss auf gotische Meister wie Cimabue und Duccio.
Die kaiserlichen Mosaike von San Vitale
Ein herausragendes Beispiel sind die Tafeln von Kaiser Justinian I. und Kaiserin Theodora mit ihrem Gefolge. Sie repräsentieren die traditionelle Sitte der Kaiser, der Kirche Opfergaben darzubringen, um ihre christliche Tugend und ihre Macht über das Imperium zu demonstrieren.
- Justinian: Trägt eine goldene Patene und purpurne Kleider, begleitet vom Bischof von Ravenna und seinen Generälen.
- Theodora: Hält einen mit Edelsteinen besetzten goldenen Kelch, umgeben von ihrem Hofstaat.
Beide Herrscher werden mit einer Aureole dargestellt, was ihre Heiligkeit unterstreicht.
Byzantinische Kunst als Ausdruck kaiserlicher Macht
Der Reichtum der byzantinischen Kunst war eminent höfisch. Die Auskleidung der Tempelwände mit Mosaiken diente nicht nur dazu, einfache Materialien zu verbergen, sondern war ein Mittel, um die semi-göttliche Natur der kaiserlichen Macht auszudrücken.
Das erste Goldene Zeitalter in Ravenna
Die umfassendsten frühchristlichen Mosaike des 5. Jahrhunderts befinden sich in Ravenna, insbesondere in den Kirchen Sant'Apollinare Nuovo und Sant'Apollinare in Classe. Während in der ersten Kirche eine Prozession der Heiligen Drei Könige zur Gottesgebärerin führt, zeigt die zweite eine himmlische Vision, in der der Heilige Apollinaris eine Herde führt.
Das Meisterwerk: San Vitale
Das unbestrittene Meisterwerk der Mosaikkunst ist die Basilika San Vitale (um 547 n. Chr.), die biblische Themen mit den Porträts von Justinian und Theodora vereint.
Das zweite Goldene Zeitalter
Nach dem Bildersturm im 9. Jahrhundert festigte sich die byzantinische Ästhetik endgültig. Dieses zweite Goldene Zeitalter markiert den Gipfel der bildenden Kunst und strahlte maßgeblich auf die entstehende islamische Kunst sowie die europäische Romanik aus.