Das "Cantar de Mio Cid": Analyse und Struktur des spanischen Epos

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Das "Cantar de Mio Cid": Ein anonymes Ritterepos

Das "Cantar de Mio Cid" ist ein anonymes Epos, das die Heldentaten des Ritters Rodrigo Díaz de Vivar schildert. Es stellt die erste umfassende Darstellung dieser Art in der spanischen Literatur in einer romanischen Sprache dar.

Metrik und Struktur des Liedes

Die Verse sind dominant durch Linien von 14 bis 16 Silben metrisch geprägt. Die Verse sind durch eine Zäsur in zwei getrennte Hemistichien unterteilt. Die Länge jedes Halbverses variiert zwischen 4 und 13 Silben und gilt als die kleinste Einheit der Prosodie des Liedes. Es gibt keine Einteilung in Strophen; die Verse sind stattdessen in Laufenden gruppiert, d.h. eine Reihe von Gedichten, die sich durch Assonanzreime verbinden.

Historischer Kontext und Überlieferung

Das Werk ist im mittelalterlichen Kastilisch verfasst und um das Jahr 1200 komponiert. Der ursprüngliche Titel ist unbekannt. Das "Cantar de Mio Cid" ist das einzige fast vollständig erhaltene Werk seiner Art in der spanischen Literatur und erreicht durch die Beherrschung seines Stils einen großen literarischen Wert.

Nur eine Abschrift aus dem vierzehnten Jahrhundert ist erhalten (das Manuskript selbst datiert eindeutig aus dem Jahr 1207, angefertigt von einem anderen Schreiber).

Die Handlung: Wiederherstellung der Ehre

Das "Cantar de Mio Cid" behandelt den komplexen Prozess der Wiederherstellung der verlorenen Ehre des Helden. Die Wiederherstellung seiner Situation führt zu einer noch größeren Ehre.

Die drei Teile des Epos

Das Epos gliedert sich in drei Hauptteile:

  1. Die Verbannung des Cid: Das Gedicht beginnt mit der Verbannung des Cid, dem ersten Akt der Schmach, nachdem ihm Diebstahl vorgeworfen wurde. Durch diese Schmach wird ihm auch sein Landgut in Vivar sowie seine Besitztümer entzogen und das Sorgerecht für seine Familie wird ihm genommen.
  2. Das Lied von der Hochzeit (Cantar de las bodas): Nach der Eroberung Valencias, dank seiner Tapferkeit, seiner List und seiner umsichtigen Verwaltung, erlangt er die königliche Begnadigung. Damit verbunden ist die Übernahme eines neuen Lehens, der Herrschaft über Valencia, womit seine frühere Stellung wiederhergestellt wird.
  3. Die Ehrabschlagung (Cantar de la afrenta de Corpes): Um seinen neuen Status als Herr von Vasallen zu festigen, arrangiert der Cid Hochzeiten mit den angesehensten Blutlinien, den Erben von Carrión. Paradoxerweise führt dies zu einem neuen Fall der Ehre des Cid: Die Töchter des Cid werden von den Säuglingen der Carrión beleidigt, schwer verletzt und in der Eichenlichtung von Corpes zurückgelassen. Nach mittelalterlichem Recht stellt dies die faktische Ablehnung dieser Ehen dar.

Daraufhin beschließt der Cid, ein Gerichtsverfahren einzuberufen, das vom König geleitet wird. In diesem Prozess werden die Erben von Carrión öffentlich verleumdet und ihnen werden die zuvor ausgeübten Privilegien als Mitglieder der königlichen Entourage aberkannt. Im Gegenzug arrangiert der Cid die Ehen seiner Töchter mit den Königen von Spanien, wodurch der größtmögliche soziale Aufstieg erreicht wird.

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