Cantar de Mio Cid: Struktur, Thema und literarische Bedeutung

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Cantar de Mio Cid: Herkunft und Metrik

Das Lied vom Cid, Rodrigo Díaz de Vivar, wurde vermutlich im Jahr 1043 geboren. Das Gedicht besteht aus etwa 3.700 Versen in einer monorhythmischen Folge, oft als Cantar bezeichnet. Die Verse sind unregelmäßig in der Silbenzahl und durch Zäsuren in zwei Hemistichen geteilt; die Reime sind assonant.

Struktur des Gedichts

Das Werk gliedert sich traditionell in drei Teile:

  • Lied des Exils (Cantar del Destierro): Nach dem Verlassen der Stadt Burgos übergibt El Cid seine Frau und seine Töchter einem Kloster und zieht in Richtung maurisches Gebiet.
  • Lied der Hochzeit (Cantar de las Bodas): Die Einnahme einer Stadt durch die Muslime und militärische Aktionen markieren den Höhepunkt des Gedichts.
  • Lied der Beschimpfung von Corpes (Cantar de la Afrenta de Corpes): Die Infanten von Carrión schänden die Ehre des Helden; auf dem Weg gibt es einen Halt in einem Eichenwald, wo die beiden Frauen zusammentreffen und später Rache üben.

Thema und Stil

Das Grundthema des Gedichts ist die Wiederherstellung der Ehre des Protagonisten: Einst an der Spitze seiner politischen Macht, führen Demütigung und Vernachlässigung seiner Töchter zum Verlust seiner persönlichen Ehre. Das Cantar zeichnet sich durch Realismus in der Schilderung des Alltagslebens aus.

Stil und literarische Sprache sind gekennzeichnet durch Wahrhaftigkeit und den Gebrauch fester Formeln. Im Gedicht finden sich zahlreiche feste Epitheta, die Namen stabilisieren und es dem Publikum ermöglichen, die Figuren eindeutig zu erkennen.

Propagandafunktion und gesellschaftlicher Kontext

Die propagandistische Funktion des Cantar de Mio Cid betraf die aufstrebende niedere Adelsklasse Kastiliens. Diese Adligen zeichneten sich durch Tatkraft, Talent und Ehrgeiz aus und wurden unter anderem von König Sancho von Kastilien unterstützt. Das Epos stellt nicht nur den traditionellen hohen Adel in Frage, sondern rückt auch den kastilischen Ritterstand in ein neues Licht.

Im Gedicht werden die Hauptfeinde des Helden satirisch und abstoßend dargestellt: die Infanten von Carrión und der kastilische Edelmann García Ordóñez. Dies spiegelt die sozialen Spannungen jener Zeit wider.

Im Vergleich zu anderen Epen stellt das Cantar selten die Frage nach der reinen Lebensunterhaltssicherung; hier jedoch zeigt sich ein ausgeprägtes Bewusstsein für materielle und soziale Konsequenzen. Der Text behandelt die Folgen für den Cid detailliert und geht sorgfältig auf die handelnden Figuren ein, wodurch eine präzise, zurückhaltende Erzählhaltung mit großer erzählerischer Wirkung entsteht.

Literaturbegriff und Schriftsprache

Zur Literatur: Man kann sagen, dass Literatur Texte umfasst, die mit künstlerischer Absicht geschaffen wurden. Literatur ist eine Kunstform, deren Rohmaterial die Einheiten der Sprache sind; der Schriftsteller manipuliert diese, um eine ästhetische Wirkung zu erzielen, emotionale Reaktionen beim Rezipienten hervorzurufen und Fiktion zu schaffen.

Fiktion ahmt die Wirklichkeit und ist von der realen Welt inspiriert, bleibt dabei jedoch keine exakte Kopie: Der schriftlich rekonstruierte Anteil der Wirklichkeit wird zur Fiktion und erschafft eine literarische Welt. Ein Werk lässt sich nicht an absoluter Wahrheit messen, sondern an seiner Wahrscheinlichkeit und inneren Stimmigkeit.

Werte: Jede Form des künstlerischen Ausdrucks soll dem Rezipienten grundlegende ästhetische Emotionen vermitteln. Die literarische Rezeption variiert in Abhängigkeit von Zeit und Kontext; das beeinflusst, was als literarisch gilt und was nicht.

Schriftsprache ist gekennzeichnet durch eine Reihe spezifischer Funktionen, die sie von der Alltagssprache abheben und vor allem in schriftlichen Situationen zur Geltung kommen.

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