Cantigas: Mittelalterliche Lieder und galicische Renaissance

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Liebeslieder (Cantigas de amor)

Liebeslieder sind mittelalterliche lyrische Kompositionen, in denen der Mann als Sänger auftritt und die an eine Frau gerichtet sind. Diese Art von Liedern hat provenzalische Ursprünge. Die Dame wird dabei oft als ideale, unerreichbare und anonym gebliebene Gestalt dargestellt.

Lieder der Meisterschaft

Lieder der Meisterschaft: Es stehen vielfältige stilistische Mittel zur Verfügung, mit denen die Kunstfertigkeit des Autors demonstriert wird.

Cantigas de Chorus

Cantigas de Chorus: Charakteristisch ist die Wiederholung im Refrain (Chor) einzelner Couplets; die Refrainstruktur prägt den Aufbau der Stücke.

Cantigas de Amigo

Cantigas de Amigo: Diese Kompositionen sind meist kurz und einfach. Sie werden so genannt, weil im Refrain häufig das Wort amigo (Freund) vorkommt. Sie weisen Spuren traditioneller Volksdichtung auf und sind ein beliebter, indigener Ausgangspunkt. Thematisch beziehen sie sich oft auf die Abwesenheit bzw. das Fernbleiben der Liebe, auf Angst, Rache, Eifersucht und Argwohn. Häufig entwickelt sich dabei eine stimmungsvolle Landschaftsbeschreibung, besonders Frühlingsmotive.

Spott und Schelte (Satire)

Spott und Schelte: Der Protagonist steht hier im Mittelpunkt von Hohn, Kritik und Humor. Diese Stücke haben soziologische Bedeutung, weil sie Merkmale verschiedener Gesellschaftsschichten beschreiben. In den spöttischen Formen findet sich häufig versteckte Kritik in indirekter, ironischer Sprache. Daneben gibt es Formen, die direkter sind und den Namen der Zielperson nicht verschleiern. Themen sind unter anderem Lieder, die gegen andere Dichter gerichtet sind, Parodien von Liebes- und Freundesliedern, moralische Satiren und Sati-ren über soziale Klassen.

Cantigas de Santa Maria

Cantigas de Santa Maria sind eine Sammlung von 427 Cantigas, die der Jungfrau Maria gewidmet sind und am Hof Alfons X. des Weisen zusammengestellt wurden. Sie stammen aus dem 13. Jahrhundert und berichten zahlreiche Wunder und Wundererzählungen, die der Jungfrau zugeschrieben werden. Inhaltlich umfassen sie Lieder über Marienwunder, liturgische Feste und volkstümliche Erzählungen.

Die Sammlung enthält verschiedene Gattungen und thematische Gruppen, darunter Lieder über Feste zu Ehren der Heiligen Maria, Lieder zu kirchlichen Festen und Erzählungen mit marianischem Bezug.

Das Galicische in den dunklen Jahrhunderten

Im späten Mittelalter setzte eine Phase des Niedergangs ein, in der Galicisch aus politischen Gründen in Schrift und häufig auch im öffentlichen Gebrauch zurückgedrängt wurde. Während des 16., 17. und 18. Jahrhunderts blieb die Sprache fragmentiert und verlor an institutioneller Präsenz. Hervorzuheben sind dennoch Gestalten wie Fray Martín Sarmiento, der den Einsatz des Galicischen in Bildung und Kirche verteidigte, sowie Padre Benito Jerónimo Feijóo, die sich für sprachliche und kulturelle Belange einsetzten.

Wiederaufleben (Rexurdimento)

Resurgence / Rexurdimento bezeichnet die Bewegung kultureller Erneuerung im 19. Jahrhundert, die das Galicische literarisch und sprachlich wiederbelebte. Mit den galicischen Liedern von Rosalía de Castro begann die Renaissance der Galicischen Literatur. Zu dieser Zeit erschienen auch erste moderne galicische Wörterbücher und sprachwissenschaftliche Arbeiten. Die Mitte des 19. Jahrhunderts markiert den Beginn einer bewussten Herausbildung der galicischen Schriftsprache. Das Wiederaufleben um 1860 war geprägt von Schriftstellern wie Rosalía de Castro, Manuel Curros Enríquez und anderen Autoren, die die literarische Erneuerung vorantrieben.

Rosalía de Castro

Rosalía de Castro gilt als eine Schlüsselfigur des Rexurdimento. Mit ihrem Werk Cantares Gallegos leitete sie die Wiedergeburt der galicischen Literatursprache ein. Rosalía ist eine der bekanntesten und meiststudierten Autorinnen Spaniens und weit darüber hinaus; sie inspirierte zahlreiche zeitgenössische und nachfolgende Schriftsteller. In ihren Themen stehen die Kultur und die galicische Sprache, die Alltagsungerechtigkeiten, das Leiden der Menschen und das Bild der starken Frau im Mittelpunkt. Wichtige Werke sind unter anderem Cantares Gallegos und Follas Novas (»Neue Blätter«).

Prosa Rosaliana

Prosa Rosaliana: Rosalía wird auch als bedeutende Gestalt der galicischen Prosa betrachtet. Sie verfasste mehrere Prosatexte, darunter Vorspänne und erläuternde Texte zu ihren Gedichtsammlungen wie Cantares Gallegos und Follas Novas, sowie Erzählungen wie die Contos galegos (galicische Erzählungen). Contos galegos wurde teilweise erst nach ihrem Tod veröffentlicht und zeichnet sich durch dialogische und dramatische Strukturen aus, in denen der Erzähler kommentierend in die Handlung eingreift.

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