Caravaggio: Analyse des „Kranken Bacchus“ und Calvesis Interpretationen
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Calvesi und Caravaggios Biografische Deutung
Der Kunsthistoriker Calvesi interpretiert Caravaggio als jemanden, der den religiösen Idealen des Heiligen Karl (S. Carlos) folgt, insbesondere der Liebe zu den Armen. Caravaggio führte ein Doppelleben, das seine Verbindung zu höheren Wirtschaftsschichten und gleichzeitig seine Marginalisierung und frühen Konflikte mit dem Gesetz widerspiegelt, die aus seiner Nähe zu armen Menschen resultierten.
Homosexualität in den frühen Werken
Das Thema Homosexualität wird nicht nur diskutiert, sondern Calvesi sieht es als eine bewusste Intention in Caravaggios frühen Werken. Diese Interpretation basiert jedoch auf Wahrnehmungen und nicht auf gesicherten Beweisen.
Der „Kranke Bacchus“ (1593–1594)
Das Gemälde Kranker Bacchus (1593–1594) wurde ursprünglich nicht so genannt. In Dokumenten wird es als „Junger Mann mit Efeu- oder Weinlaubkranz“ geführt; der Titel Kranker Bacchus stammt aus der aktuellen Geschichtsschreibung. Caravaggio begann die Arbeit kurz nach seiner Ankunft in Rom im Kleinformat (66 x 52 cm).
Es existieren verschiedene Interpretationen dieses Gemäldes, das als Selbstporträt des jungen Caravaggio gilt, da sein Zustand (die Krankheit) viele inhärente Bedeutungen zulässt. Das Werk gehörte Cavalier d’Arpino, wurde 1607 beschlagnahmt und von Papst Paul V. an seinen Neffen Scipione Borghese übergeben.
Merkmale der frühen Werke Caravaggios
- Kleine Abmessungen.
- Fokus auf eine einzelne Person.
- Roher Realismus in der Mythologie: Dieser Trend, beeinflusst durch die Ausbildung in Mailand, die Campi-Werkstatt, Norditalien und möglicherweise Venedig (Jacopo Bassano), führt zu einer burlesken, ironischen Darstellung mythologischer Themen.
- Besonders die Figur des Bacchus wird nicht idealisiert, sondern als trunkener Bacchus dargestellt, was dem Sarkasmus dient und einen alltäglichen Wert vermittelt.
- Darstellung von ein oder zwei Halbfiguren.
- Bedeutung des Stilllebens (*Still Life*).
- Komposition mit Elementen im Vordergrund (manieristischer Einfluss).
- Detaillierte, ruhige Verkürzung.
- Lichtführung: Starker, klarer, seitlicher Lichtfokus zur Schaffung einer dramatischen Atmosphäre.
- Klarheit und zeichnerische Detailgenauigkeit, ohne Vorzeichnung (*dibujistica*).
- Glatte, geschmeidige Ausführung oder Pinselstrich und leuchtend transparente Farbe.
Komposition, Licht und Technik
Caravaggio revolutioniert die Genremalerei. Das Stillleben wird hier als die ärmlichste und traurigste Darstellung interpretiert. Die Szene wird in den Vordergrund gerückt, wobei der Tisch angeschnitten ist, was den Eindruck erweckt, der Raum setze sich in den Raum des Betrachters fort. Dieses verkürzte Porträt ist von venezianischen Kompositionen abgeleitet. Die herabhängenden Trauben scheinen ebenfalls in unseren Raum hineinzureichen.
Der Hintergrund ist oft schwarz. Bacchus blickt uns an und lächelt traurig, während er die Trauben zum Mund führt. Wir werden Teil der Szene – dies ist eine neue Interpretation des Raumes. Innerhalb der Tradition des Manierismus erreicht Caravaggio Tiefe durch die Drehung der Beine und die Platzierung von Licht und Schatten auf zwei aufeinanderfolgenden Ebenen. Das Licht ist der eigentliche Schöpfer der Komposition. Der intensive, harte Scheinwerfer trifft gewaltsam Teile der Figur.
Obwohl keine vorherige Zeichnung existiert, nutzte Caravaggio eine schnelle Skizze des Bildes. Das Licht erweckt den Eindruck, er habe die Kontur der Figur perfekt ausgearbeitet. Die Profile verlieren sich jedoch allmählich im Schatten, und es entsteht nie ein vollständiges Bild; der Betrachter muss sich die fehlenden Teile vorstellen. Die Tiefe wird durch das linke Bein, das leicht von Licht und Schatten getroffen wird, verstärkt. Dies ist eine mathematische und äußerst realistische Studie der Lichtverteilung auf den gezeichneten Flächen.
Die Klarheit und der zeichnerische Sinn verleihen der Figur ein plastisches Volumen, fast wie eine Skulptur, erzeugt durch die Kraft des Lichts und die detaillierte Ausführung. Die Technik verwendet einen sauberen Pinsel und eine umhüllende, mit ausreichend Öl gelöste Farbe, sodass die Pinselhaare sichtbar bleiben (eine Technik, die an Maler wie Tizian erinnert).
Ikonografische und christologische Deutung (Calvesi)
Die Interpretation der Darstellung legt nahe, dass das Thema der Sinne, typisch barock (wie später bei Ribera), eine Reihe wichtiger Fragen aufwirft: Die Trauben in Verbindung mit dem Mund symbolisieren den Geschmack und führen eine neue Typologie ein.
Calvesi betont eine christologische Präsenz in Caravaggios Werk: Die Figur des jungen Mannes wird als Parallele zu Christus interpretiert, der hier sein Leiden (Passion) zeigt. Die Trauben symbolisieren das Blut Christi, der Efeu den Tod und die weißen Trauben die Reinheit. Die Haltung der Beine wird ebenfalls als Anspielung auf die Passion Christi gedeutet.