Charakteranalyse: Max Estrella & Latino in Luces de Bohemia
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Analyse der Charaktere in Valle-Incláns "Luces de Bohemia"
In Ramón María del Valle-Incláns Drama Luces de Bohemia (Bohemische Lichter) werden über fünfzig Figuren dargestellt, die aus allen Gesellschaftsschichten stammen. Valle-Incláns Absicht ist es, einen historischen, sozialen und politischen Verfall aufzuzeigen und zu kritisieren. Die häufigsten Merkmale dieser Figuren sind:
- Die meisten Hauptfiguren sind esperpentisiert, d.h., sie sind groteske Verzerrungen. Dies dient dazu, die Wirkung zu verstärken, die Valle-Inclán mit einer großen Gruppe von Menschen erzielen möchte, die die Gesellschaft repräsentieren.
- Es gibt jedoch auch andere Figuren, die dieser verzerrten Charakterisierung entgehen, wie Max' Familie oder der Gefangene.
Max Estrella: Der tragische Protagonist
Max Estrella ist der Protagonist des Dramas und weist Züge literarischer und realer Vorbilder wie Don Quijote, Homer, Dante sowie des Autors selbst auf. Er ist ein komplexer und klar definierter Charakter. Am stärksten prägt ihn seine tragische Blindheit, die ihn dazu zwingt, durch den Verkauf seiner letzten Habseligkeiten zu überleben. In ihm vereinen sich Inkohärenz und Klarheit zu einer unkonventionellen Mischung.
Max zeigt sich als Held mit Humor, der Unfähigkeit, sich an die Gesellschaft und seine eigene Marginalität anzupassen, aber auch als großzügiger Mensch, der den Wert des Geldes nicht kennt. Er ist sich seines Talents, seiner moralischen und intellektuellen Überlegenheit bewusst, empfindet aber Wut und Scham gegenüber der Gesellschaft.
Wie jeder Held entwickelt er sich im Laufe des Werkes: Zunächst kümmert er sich nur um seine persönliche Situation, doch durch Gespräche mit dem Gefangenen und dem toten Kind wird er sich der Realität bewusst. Was diesen Charakter jedoch definiert, ist der Widerspruch zwischen seinen Taten und seinen Worten. Im Verlauf des Werkes wird er sich seiner Degradierung bewusst; die Klarheit ergreift ihn, und die Realität wird immer sichtbarer. Seine groteske Vision unterstreicht die groteske Situation.
Nach vollständiger Enttäuschung verliert er alle Illusionen und stirbt an Lebensmüdigkeit, einen lächerlichen Tod, da er fälschlicherweise für einen Betrunkenen gehalten wird.
Latino de Hispalis: Der zynische Begleiter
Sein Gegenpart ist Latino de Hispalis, der typischste Charakter, dessen Referenz zwar Sancho Panza ist, aber auch mit Lázaro de Tormes verwandt ist. Sein Charakter ist unverschämt und feige; er ist das Gegenteil von Max: unfair, irreführend, tückisch, autoritätshörig. Zusätzlich zu seiner umgangssprachlichen und profanen Sprache aus Madrid besitzt er weder die Integrität seines Meisters noch dessen Großzügigkeit oder Moral.
Latino ist mitschuldig am Tod von Max, stiehlt sogar dessen Geldbörse und verlässt ihn. Sein Ende ist ein Spiegelbild der spanischen Gesellschaft.
Die Rolle der Figuren im Drama
Die Figuren des Stücks stehen nicht nur im Mittelpunkt des Dramas, sondern rügen auch die Gesellschaft, da die Darstellung der Realität manchmal Chaos und Verzerrung erfordert, um die Wahrheit aufzudecken.