Charaktere in Calderóns „Der Bürgermeister von Zalamea“

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Pedro Crespo: Der Bürgermeister von Zalamea

Er ist ein alter Bauer, der zum Bürgermeister von Zalamea wird. Er hat einen Sohn, Juan, und eine Tochter, Isabel. Sein Charakter ist dynamisch, widersprüchlich, sehr komplex und verändert sich ständig im Laufe der Handlung. Er besitzt ein hohes Maß an sozialer Ehre und ist der Überzeugung, dass das Naturrecht ihm erlaubt, eine Position einzunehmen, die nicht schlechter ist als die des Adels. Er ist eine der größten Figuren, die im Drama unseres Goldenen Zeitalters geschaffen wurden.

Fast alle anderen Figuren existieren nur im Verhältnis zu ihm, was nicht bedeutet, dass sie nicht ein gewisses Maß an Autonomie und Individualität besitzen. Ihre Hauptaufgabe ist es jedoch, Aspekte des komplexen und rätselhaften Charakters des Protagonisten zu beleuchten, manchmal durch Kontrast. Dieser zu Beginn des Stücks fast monolithische Charakter wird zu einer mythischen, widersprüchlichen, multidimensionalen Figur, deren Haus – den lokalen Traditionen zufolge – noch heute in Zalamea de la Serena erhalten ist.

Isabel: Das unverdiente Opfer

Isabel ist keine Figur von großer psychologischer Tiefe. Sie tritt auch nicht als tragische Figur auf: Ihre Tragödie ist so unverdient, dass sie beim Publikum nur Mitleid hervorruft, nicht den Schrecken und die Bewunderung, die die wahre tragische Wirkung ausmachen. Ihr Leiden ist nicht die Ungerechtigkeit des Universums oder der Gesellschaft, sondern die Schlechtigkeit des Menschen. Isabel ist ein Opfer, keine tragische Figur.

Sie ist die einzige Tochter von Pedro Crespo und tritt im ersten Akt nur zweimal auf. Beide Male weist sie die Annäherungsversuche ihrer Verehrer zurück:

  • Einmal die von Don Mendo.
  • Das andere Mal die des Hauptmanns.

Ihr Fall unterstreicht die ernste Rolle der schutzlosen Frau. Im zweiten Akt tritt sie erneut als gehorsame Tochter Crespos und als liebenswürdige und aufmerksame Gastgeberin auf, als sie Don Lope das Abendessen anbietet.

Juan: Der unreife Sohn

Juan besitzt ein ebenso hohes Maß an sozialer Ehre wie sein Vater (Pedro Crespo), teilt jedoch dessen Ansicht nicht, dass der Bauer nach dem Naturrecht eine dem Adel unterlegene Position einnehmen muss. So klug und stolz wie Crespo, fehlt es Juan jedoch an der Klugheit und der Verstellungsgabe des Vaters. Mit der Figur Juans hat Pedro Calderón einen *unreifen Pedro Crespo* geschaffen.

Juan kann als eine Stufe in der geistigen und moralischen Entwicklung von Pedro Crespo betrachtet werden. Vielleicht musste auch Crespo in seiner Jugend, wie Juan, vor sich selbst geschützt werden. Er zeigt am ersten Tag einen deutlichen Neid auf den Hauptmann.

Don Mendo: Parodie des Adels

Don Mendo ist die einzige Adelsfigur in Zalamea und stellt lediglich eine Parodie eines Edelmanns dar, mit bekannten literarischen Vorläufern. Er repräsentiert eine dritte Ebene des Ehrbegriffs, die über die Genealogie des Einzelnen gestellt wird. Don Mendo ist mit **Don Quijote** vergleichbar, ein Vergleich, der durch seine skurrile Erscheinung verstärkt wird.

Don Mendo lebt in einer Fantasiewelt der Vergangenheit, in der Schurken wie Isabel sich Männern wie ihm hingeben, um dann in einem Kloster zurückgelassen zu werden, wenn der Herr ihrer überdrüssig ist. Don Mendo lebt in seiner Fantasie, aber in Wirklichkeit ist es der Hauptmann, der Isabel ins Kloster bringt. Er bedient sich der Klischees und abgedroschenen Floskeln der höfischen Liebe und wird eindeutig als Nachahmer des *Don Quijote* dargestellt. Grotesk und komisch, verschwindet Don Mendo in der Mitte des zweiten Akts, als die Handlung eine ernstere Wendung nimmt.

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