Das chilenische Wahlsystem und die Befugnisse des Präsidenten

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Das Wahlsystem und seine Entwicklung

Das frühere Wahlsystem ermöglichte es einem Kandidaten, Präsident zu werden, obwohl er nur die drittmeisten Stimmen erhalten hatte. Allende und Parlamentarier verabschiedeten daraufhin den Gesetzentwurf LOC 17.398, der jedoch nicht wie vorgesehen umgesetzt wurde. Aufgrund der Unzulänglichkeiten dieses Systems wurde mit der Verfassung (CPR) von 1980 ein neues Wahlsystem eingeführt, das als Zwei-Runden-System bekannt ist.

Merkmale des Wahlsystems

  • Wahltermin: Die Wahl muss 90 Tage nach Ende des Mandats des ehemaligen Präsidenten stattfinden.
  • Absolute Mehrheit: Gewählt ist der Kandidat, der die absolute Mehrheit der gültigen Stimmen erhält. Weiße oder ungültige Stimmen werden nicht mitgezählt.
  • Stichwahl: Erreicht bei mehr als zwei Kandidaten niemand die absolute Mehrheit, findet eine zweite Wahl zwischen den beiden bestplatzierten Kandidaten statt.
  • TRICEL: Das Wahlgericht (TRICEL) ist für die Qualifizierung der Wahl, die Kontrolle der Stimmen und die Behebung von Unregelmäßigkeiten zuständig.
  • Zeitplan der Stichwahl: Die zweite Wahl findet 30 Tage nach der ersten statt, sofern dieser Tag auf einen Sonntag fällt.
  • Amtseinführung: 90 Tage nach der Wahl tritt der Kongress zusammen, um den gewählten Präsidenten offiziell zu proklamieren und den Amtseid abzunehmen.

Verhinderung des Präsidenten

Bei einer Amtsunfähigkeit des Präsidenten muss zwischen absoluter (z. B. Tod, Rücktritt, schwere Krankheit) und relativer (z. B. vorübergehende Krankheit, Auslandsreise) Verhinderung unterschieden werden.

Regelungen bei Amtsunfähigkeit

  • Außerplanmäßige Vakanz: Im Falle einer dauerhaften Verhinderung übernimmt der Vizepräsident der Republik (in der Regel der Innenminister oder gemäß gesetzlicher Rangfolge) die Amtsgeschäfte.
  • Vorübergehende Verhinderung: Hier greift die Stellvertretung durch den Vizepräsidenten, wobei die Rangfolge der Minister maßgeblich ist.
  • Neuwahlen: Bei einer absoluten Verhinderung muss der Vizepräsident innerhalb von 10 Tagen Neuwahlen einleiten.

Gesetzgebungsbefugnisse des Präsidenten

Der Präsident ist gemäß Artikel 32 der Verfassung ein Mitgesetzgeber. Er besitzt das Initiativrecht für Gesetzesentwürfe, ebenso wie die Abgeordneten.

Legislative Initiative

Der Präsident wählt frei, in welcher Kammer (Abgeordnetenhaus oder Senat) ein Projekt eingebracht wird. Bestimmte Projekte, wie der Staatshaushalt oder Steuergesetze, müssen zwingend im Abgeordnetenhaus beginnen, während Amnestiegesetze im Senat ihren Ursprung haben.

Ausschließliche Initiative des Präsidenten

Bestimmte Themen unterliegen der exklusiven Initiative des Präsidenten, da sie eng mit der Regierungsführung und dem Staatshaushalt verknüpft sind:

  • Haushaltsführung und Staatsausgaben.
  • Politische und administrative Gliederung des Landes.
  • Angelegenheiten der Streitkräfte und der öffentlichen Sicherheit.
  • Soziale Sicherheit und Tarifverhandlungen.

Bei diesen exklusiven Projekten darf der Kongress das Projekt zwar ablehnen oder kürzen, aber nicht erhöhen, um die Finanzstabilität nicht zu gefährden.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Während die Verfassung von 1925 keine erschöpfende Liste der Gesetzgebungsbereiche enthielt, strebt die Verfassung von 1980 eine klare Definition der Zuständigkeiten an, um Rechtsunsicherheiten zu vermeiden.

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