Christentum und Philosophie im Mittelalter: Augustinus
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Christentum und mittelalterliche Philosophie: Augustinus
1. Sozio-historischer Hintergrund
Augustinus (4.-5. Jh. n. Chr.) lebte in einer politisch, sozial und religiös bewegten Zeit, dem Zerfall des Römischen Reiches.
2. Merkmale der christlichen Lehre
Das Christentum ist mehr als eine Philosophie, sondern eine Lehre mit folgenden Merkmalen:
- Linearer Geschichtsbegriff: Im Gegensatz zu den Griechen, die von einem Kreislauf ausgingen, wird die Geschichte als von Gott zum Heil geführt betrachtet.
- Monotheismus: Radikale und explizite Aussage, dass es nur einen Gott gibt.
- Kreationismus: Gott erschafft die Welt aus dem Nichts.
- Allmacht: Verbunden mit Monotheismus und Kreationismus. Nur ein Gott kann allmächtig und Schöpfer sein.
- Vaterschaft Gottes: Gott ist der Vater der Menschheit.
- Freier Wille: Ersetzt den griechischen moralischen Intellektualismus. Sünde ist nicht mehr nur ein Mangel an Gutem, sondern Ergebnis menschlichen Bösen und der Freiheit des Individuums.
3. Christentum und Platon
Das Christentum fiel zeitlich mit der griechischen Auseinandersetzung mit Konzepten und Argumenten zusammen, vor allem dem Platonismus. Dies führte zur platonisch-christlichen Philosophie, die vom 2. bis 5. Jahrhundert und der platonisch-augustinischen vom 5. bis 12. Jahrhundert dominierte. Gemeinsamkeiten:
- Die Existenz einer anderen Welt: Die intelligible Welt entspricht dem christlichen Himmel.
- Die Unsterblichkeit der Seele: Die Seelen wurden direkt von Gott geschaffen.
- Das Leben als Läuterungsreise: Das Leben ist ein Übergang zum Himmel, in dem wir uns an Leib und Seele bewähren müssen, um am Ende der Zeit in einer perfekten Welt aufzuerstehen. Die Verbindung zwischen Seele und Körper ist nicht unnatürlich oder zufällig (im Gegensatz zu Platon).
4. Die Bedeutung von Augustinus' Werk und De civitate Dei
In De civitate Dei (Über den Gottesstaat) will Augustinus Christen davon überzeugen, dass der Fall des Römischen Reiches nicht die Kirche betrifft. Er erklärt, dass die Geschichte linear verläuft (Sünde von Adam und Eva – Verdammnis oder Erlösung). Die Lebenszeit ist in sechs Altersstufen unterteilt, entsprechend den sechs Schöpfungstagen der Bibel. Kernideen sind:
- Zwei Städte: Die Stadt Gottes und die irdische Stadt. Menschliches Glück besteht darin, Gott zu lieben, da man es nicht in sich selbst finden kann und etwas Höheres braucht. Der Zugang zu Gott muss in uns beginnen, dann müssen wir uns selbst überwinden.
- Zwei Arten von Menschen: Sünder, von Lastern beherrscht, und Gerechte, zum Heil prädestiniert.
- Rom ist wegen des Elends der Heiden gestürzt, da beide Städte bis zum endgültigen Triumph der Stadt Gottes vermischt sind.
- Die Kirche steht über dem Staat, da sie dazu auserwählt ist, das Christentum zu interpretieren und zu schützen, und das moralische Verhalten des Staates lenken soll.
- Tragische und dualistische Auffassung der Geschichte: Die irdische Stadt befindet sich im Krieg mit sich selbst und mit der Stadt Gottes.
- Die Fakten sind nicht vorbestimmt, sondern die menschliche Freiheit spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte.
- Trotzdem wird das Schicksal der Menschheit von Gott zum Heil oder zur Verdammnis geführt.