Demographischer Übergang, Mobilität und Verstädterung

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Modell des demographischen Übergangs

Das Modell ist eine modellhafte Beschreibung der Veränderung von Bevölkerungsanzahl und -zusammensetzung.

  • 1. Agrarphase (prätransformativ): Hohe, stark schwankende Geburten- und Sterberaten. Die hohe Sterberate wird durch eine hohe Geburtenrate ausgeglichen.
  • 2. Frühtransformative Phase: Die Sterberate sinkt aufgrund von Fortschritten in Medizin, Hygiene und Ernährung. Es entsteht ein Geburtenüberschuss, die Lebenserwartung steigt und es kommt zu einem kontinuierlichen Bevölkerungsanstieg.
  • 3. Mitteltransformative Phase: Die Sterberate sinkt weiter, zudem setzt ein Rückgang der Geburtenrate ein. Das Kinderkriegen erhält eine neue Bedeutung.
  • 4. Spättransformative Phase: Die Sterberate hat sich eingependelt, während die Geburtenrate weiter sinkt (späte Ehe und Familiengründung). Die Wachstumsrate befindet sich auf einem niedrigen Wert.
  • 5. Posttransformative Phase: Die Geburtenrate ist gleich niedrig wie die Sterberate, wobei die Geburten schwanken können. Die Wachstumsrate liegt weiterhin nahe 0.

Wachstumsrate = Geburtenrate - Sterberate

Bevölkerungsmobilität

Soziale Mobilität

Wechsel zwischen Einheiten sozialer Systeme (z. B. Berufswechsel) bei gleichartigem oder unterschiedlichem Status.

Geographische Mobilität

Ortsveränderung bzw. Migration (über Grenzen hinweg, über einen langen Zeitraum).

Wanderungsbegriffe

  • 1. Binnenwanderung: Innerhalb eines Gebiets (intraregionale Wanderung = nur der Wohnsitz wird verlegt; interregionale Wanderung = Wohnsitzverlegung über große Distanzen).
  • 2. Außenwanderung
  • 3. Umzug
  • 4. Immigration

Wanderungsformen

  • Frei bestimmte Wanderung: Persönlicher Vorteil (wirtschaftlich, familiär), Qualität der Infrastruktur oder Naturfaktoren.
  • Erzwungene Wanderung: Politischer Druck, Verfolgung, Krieg, Gewalt oder Armut.

Auswirkungen allgemein

Zahl und Zusammensetzung der Bevölkerung ändern sich. Dies hat Auswirkungen auf die Struktur der Siedlungen (z. B. selektive Wanderung von jungen Männern).

Folgen für Ziel- und Quellgebiete

  • Quellgebiet (+): Abnahme des Bevölkerungsdrucks, Verbesserung der Bedingungen durch Überweisungen, Transfer von Wissen bei Rückkehr.
  • Quellgebiet (-): Abwanderung qualifizierter Kräfte, Überalterung, Entleerung der Siedlungen.
  • Zielgebiet (+): Zunahme der aktiven Bevölkerung, Verjüngung, Konsumerhöhung.
  • Zielgebiet (-): Zunahme des Bevölkerungsdrucks, unkontrolliertes Stadtwachstum, Kulturprobleme.

Verstädterung

Entwicklung und Phasen

Die globale Entwicklung ist geprägt von ständiger Verstädterung. Im modellhaften Prozess wächst das Land erst schneller als die Stadt, dann nimmt die Landbevölkerung ab (Landflucht). Kleine Städte verlieren an Bevölkerung und es entstehen Abwanderungstendenzen von Kernstädten in das Stadtrandgebiet.

Ursachen

Neugründungen, Zuwanderung (Push-Pull-Faktoren), Industrialisierung. In Entwicklungsländern ist dies oft eine Folge der Bevölkerungsexplosion (exponentielles, chaotisches Wachstum), während in Industrieländern ein langsamerer Verlauf zu beobachten ist.

Begriffe der Stadtentwicklung

  • Urbanisierung: Meist mit Verstädterung verbunden; Ausbreitung städtischer Lebens- und Wirtschaftsweisen.
  • Suburbanisierung: Verlagerung des Stadtwachstums in Vororte. Ursachen sind die gestiegene Kaufkraft der Bevölkerung, zunehmende Mobilität und preiswerter Wohnraum am Stadtrand. Folgen sind Kaufkraftverlust im Kern, Zurückbleiben Älterer, Attraktivitätsverlust und zunehmender Pendlerverkehr.
  • Desurbanisierung: Verlagerung von Wohnraum und Industrie auf das Land, ermöglicht durch moderne Kommunikationsmittel.
  • Re-Urbanisierung: Wiederentdeckung der Stadt als attraktiver Wohnort, insbesondere durch Single-Haushalte mit höherem Einkommen, Alleinerziehende und Studenten.

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