Descartes und Anselm: Vier Beweise für die Existenz Gottes
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Beweise für die Existenz Gottes
1. Der Beweis aus der Vollkommenheit (Argument der Idee Gottes)
Die Idee Gottes, als eines vollkommenen Wesens, kann nicht von uns selbst geschaffen worden sein, da wir endliche und unvollkommene Wesen sind. Auch kann diese Idee nicht aus der äußeren Welt stammen, da die Welt ebenfalls unvollkommen ist. Da die Idee der Vollkommenheit in unserem Verstand existiert, muss sie von einem Wesen stammen, das selbst vollkommener ist als wir. Dieses vollkommenere Wesen ist Gott.
2. Der ontologische Beweis (Anselm von Canterbury)
Dieses Argument wurde ursprünglich von Anselm von Canterbury verwendet, wird aber auch von Descartes aufgegriffen. Basierend auf den Argumenten von Descartes besagt Anselm, dass, wenn wir Gott als ein Wesen betrachten, das alle vollkommenen Attribute besitzt, dies impliziert, dass Gott der Inbegriff der Vollkommenheit ist und daher notwendigerweise existiert (Existenz ist ein notwendiges Attribut der Vollkommenheit).
3. Der Beweis aus der Unendlichkeit
Für die Vorstellung von etwas muss es eine Ursache geben. Die Idee des unendlichen Seins kann nicht von uns, die wir endlich sind, geschaffen werden. Daher beweist die Existenz dieser Idee die Notwendigkeit eines unendlichen Wesens, das diese Idee in uns platziert hat. Folglich existiert Gott.
4. Der Beweis des ersten Bewegers (Prima Causa)
Descartes argumentiert, dass die Welt nicht aus sich selbst heraus existiert, da die Materie (die Substantia Extensa) nur Bewegung empfängt, aber nicht selbst erzeugt. Es muss eine erste Ursache geben, die die Bewegung ursprünglich in Gang gesetzt hat und die Existenz kontinuierlich aufrechterhält. Dieses erste bewegende und erhaltende Wesen ist Gott.
Schlussfolgerung zur Rolle Gottes
Descartes hält daran fest, dass die Bestätigung der Gültigkeit seiner Methode und der Regeln der Evidenz als Kriterium der Wahrheit nur durch die Existenz Gottes garantiert werden kann. Dies dient gleichzeitig dazu, die Hypothese des Genius Malignus (des bösartigen Dämons) oder die Annahme eines totalen Irrtums abzulehnen. Irrtum entsteht durch den Missbrauch der Vernunft und nicht durch den bösartigen Dämon.
Der kartesische Mechanizismus
Der Mechanizismus nach Descartes beinhaltet folgende Punkte:
- Ablehnung der Atome: Atome existieren nicht, da es undenkbar ist, dass die Ausdehnung (Extension) nicht teilbar sein sollte.
- Ablehnung des Vakuums: Es gibt keinen leeren Raum, da alles voll von Materie ist.
- Ablehnung innerer Wirkstoffe: Descartes lehnt die Existenz jeglicher innerer Wirkstoffe oder verborgener Qualitäten (Qualitates Occultae) ab, wie sie in der aristotelischen Philosophie angenommen wurden.
Der methodische Zweifel (Dubito Ergo Cogito)
Der kartesische Zweifel ist methodisch, da er nicht darauf abzielt, im Zweifel zu verharren, sondern ihn als Mechanismus zur Erlangung von Gewissheit (Certesa) nutzt. Die Merkmale des Zweifels sind:
- Er folgt der ersten Regel der Methode (Evidenz).
- Er nutzt den Zweifel als Instrument, um den Zweifel zu überwinden und nicht, um die Frage selbst zu bestimmen.
- Er ist universell, da er sich auf alle Bereiche des Wissens erstreckt.
- Er ist hyperbolisch (übertrieben), da er selbst die geringste Möglichkeit des Irrtums ausschließt.
- Er ist theoretisch (im Bereich des Wissens) und nicht praktisch (im Bereich des Handelns).