Descartes: Leib-Seele-Problem, Dualismus und kartesische Methode
Eingeordnet in Philosophie und Ethik
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 6,55 KB
Kartesische Mechanismen
Kartesische Mechanismen — Der cartesianische Mechanismus besagt, dass der Körper eine Maschine ist und dass alle Vorgänge, deren Gesetze gelten, von denselben Grundsätzen wie die physische, unbelebte Welt erklärt werden müssen. Die tatsächliche Verwendung von tierischen Geistern kann das Problem der Substanz‑Interaktion nicht lösen. Das Leib‑Seele‑Problem ist eine der interessantesten Fragen der zeitgenössischen Philosophie. Heute ist es schwer, einen Verteidiger des klassischen Dualismus bzw. des Substanzdualismus zu finden. Es gibt jedoch andere Formen des Dualismus, die versuchen, mit den Postulaten der Naturwissenschaften und der Neurowissenschaften kompatibel zu sein. Diese neuen Formen des Dualismus sind als Eigenschaftsdualismus (Property Dualism) bekannt.
Einführung: Descartes und Gottesbeweise
EINFÜHRUNG: Pierre (Descartes) versucht, die Wahrheit zu entdecken und daraus Gründe für die Existenz Gottes abzuleiten. Er behandelt, inwiefern die Umstände die Existenz Gottes beweisen können und wie dies zugleich eine Garantie für die Richtigkeit unseres Wissens darstellt. Descartes stützt seine Argumentation auf drei Argumente, die auf der Idee angeborener Vorstellungen von Vollkommenheit beruhen. Er unterscheidet dabei drei Arten von Ideen.
Klassifikation der Ideen
- 1. Zufällige (adventitious) Ideen: Ideen, die von außen kommen, etwa Eindrücke von Menschen, Bäumen etc.
- 2. Fiktive (factitious) Ideen: Ideen, die aus der Einbildungskraft stammen, z. B. ein geflügeltes Pferd oder ein Zentaur.
- 3. Angeborene Ideen: Ideen, die spontan durch die Vernunft entstehen, wie die Idee von Ursache, Erregung oder Gott.
Die drei göttlichen Argumente
Ideen als Basiswerte:
- 1. Kausales Argument (erstes): Wir sind unvollkommen, weil wir zweifeln; zugleich haben wir aber die Idee der Vollkommenheit. Deshalb muss diese Idee von etwas stammen, das höchst vollkommen ist — also von Gott (Kausalprinzip: Wirkung erfordert Ursache).
- 2. Kausales Argument (zweites): Wir sind zufällige und unvollkommene Wesen, deren Existenz von anderen Dingen abhängt. Daher muss es eine erste, notwendige Ursache geben, die von nichts anderem abhängig ist — auf die die Kette der Ursachen zurückführt: Gott.
- Ontologisches Argument (drittes): Das Wesen Gottes impliziert seine Existenz: Das Konzept eines vollkommenen Wesens enthält ausdrücklich die Vollkommenheit, zu der auch die Existenz gehört.
FAZIT: Aus diesen drei Überlegungen folgert Descartes die Existenz Gottes. Mit der Existenz Gottes ist das richtige Funktionieren unserer Vernunft gewährleistet. Dadurch erscheint uns Wissen als offenkundig und von Zweifel befreit. Die Möglichkeit des Zweifels bleibt jedoch für den Atheisten bestehen. Für Descartes ist Gott unendlich, ewig, unveränderlich, allmächtig und allwissend.
Empirismus und Rationalismus
Empirismus: Untersucht die Entstehung aller Ideen. Sein Ausgangspunkt ist ein leeres Bewusstsein (tabula rasa), das durch die Daten der Erfahrung gefüllt wird.
Rationalismus: Behauptet, dass Ideen dem Subjekt angeboren sind und dass die Gewissheit des Wissens aus der Vernunft kommt. Der Rationalismus verbindet sich mit der These angeborener Ideen und wertet damit sinnliche Erkenntnis teilweise ab.
Die cartesianische Methode
Die Reaktion auf die cartesianische Skepsis ist gepaart mit Descartes’ Interesse an den Wissenschaften und führt zu einer Stärkung der Ablehnung des Irrtums sowie zur Suche nach der Wahrheit. Sowohl in den Meditationen als auch in der ersten Abhandlung über die Methode betont Descartes die Notwendigkeit, alle Fehler, die zwangsläufig mit der Suche nach Wahrheit verbunden sind, zurückzuweisen, um zur Wahrheit zu gelangen. Descartes vergleicht dieses Vorgehen mit mathematischem Wissen.
Definition der Methode
DEFINITION METHOD — Eine Reihe bestimmter, einfacher Regeln, dank derer man immer erkennen kann, was falsch ist, und die es ermöglichen, echtes Wissen zu erreichen, ohne viel vergebliche Anstrengung des Geistes, sondern durch schrittweise Erhöhung der Wissenschaft und des wahren Wissens. Die Methode dient dazu, neue Wahrheiten zu entdecken, nicht um bereits Gefundes zu beweisen.
Regeln der Methode
- Erste Regel — Beweis als Kriterium der Wahrheit: Akzeptiere nichts als wahr, wenn du nicht deutlich erkennst, dass es beweisbar ist. Klarheit und Deutlichkeit sind entscheidend. Diese Regel lässt sich in drei Unterregeln gliedern:
- Urteile nicht, bevor etwas nicht gründlich geprüft wurde.
- Beurteile nicht nach Vorurteilen.
- Verlasse dich nur auf das, was klar und deutlich erscheint.
- Zweite Regel — Analyse: Teile jede Schwierigkeit in so viele Teile, wie es nötig ist, um sie besser lösen zu können. Dies ist der Schritt der Analyse, der zur anschließenden Synthese führt.
- Dritte Regel — Synthese geordneter Gedanken: Nachdem die Schwierigkeiten in ihre einfachsten Bestandteile zerlegt sind, ordne die einfachen Elemente und führe geordnetes Denken durch. Die zweite und dritte Regel bilden den Kern der Methode.
- Vierte Regel — Vollständigkeit der Begründung: Um über alle Gründe Sicherheit zu erlangen, überprüfe jeden Schritt und jedes Glied der Beweiskette sorgfältig.
Der methodische Zweifel
Zweifel — Der rationalistische Zugang muss selbst Wahrheiten finden, von denen es möglich ist, das ganze Gebäude unseres Wissens abzuleiten. Die Radikalität des Zweifels besteht darin, zu prüfen, ob alles bezweifelt werden kann, was angezweifelt wird. Zum Beispiel täuschen uns die Sinne oft; daher ist es ratsam, ihnen nie volles Vertrauen zu schenken, denn sie haben uns schon einmal getäuscht.
Diese Darstellung fasst die zentralen Aspekte der cartesianischen Philosophie zusammen: die mechanistische Auffassung des Körpers, die Unzulänglichkeit der tierischen Geister bei der Lösung des Substanz‑Interaktionsproblems, die Unterscheidung der Ideenarten, die drei Gottesargumente, den Gegensatz zwischen Empirismus und Rationalismus sowie die Regeln und den methodischen Zweifel der cartesianischen Methode.