Descartes: Substanz, Methode und der methodische Zweifel
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Substanzlehre nach René Descartes
1. Definition der Substanz: Descartes verwendet die Begriffe Substanz und Ding synonym. Die Substanz zeichnet sich durch ihre konkrete und unabhängige Existenz aus; sie benötigt nichts außer sich selbst, um zu existieren. In strengem Sinne trifft dies nur auf Gott zu, da alle Geschöpfe durch Gottes Mitwirkung existieren. Descartes unterscheidet zwei Arten von Substanzen:
- Unendliche Substanz (Gott): Die absolute, notwendige Existenz.
- Endliche Substanzen (Seelen und Körper): Diese benötigen zum Existieren nichts außer Gott. Eine endliche Substanz ist nicht von einer anderen endlichen Substanz abhängig.
2. Definition des Attributs: Jede Substanz trägt ein Attribut, welches ihr wesentliches Merkmal identifiziert. Die Seele ist durch das Denken definiert, während der Körper durch die Ausdehnung bestimmt wird.
3. Definition des Modus: Die verschiedenen Erscheinungsweisen einer Substanz werden Modi genannt. Beispielsweise ist ein Körper die Substanz, die Ausdehnung das Attribut und eine spezifische Form der Modus.
Aristoteles und die Theorie des Wissens
Im Gegensatz dazu steht die aristotelische Erkenntnistheorie, die stark empiristisch geprägt ist. Aristoteles ist überzeugt, dass die Realität verständlich ist. Da alle Dinge aus Materie und Form zusammengesetzt sind, ist ein universelles Wissen über sie möglich. Weit davon entfernt, die Sinne zu verachten, betont Aristoteles, dass alles Wissen mit der sinnlichen Wahrnehmung beginnt und durch den Verstand verarbeitet wird. Die Sinne bieten die Möglichkeit zur Erkenntnis der materiellen Welt.
Die Methode von Descartes: Vier Phasen
- Evidenz: Nichts als wahr anerkennen, was nicht klar und deutlich (evident) erkannt wurde. Alles Zweifelhafte ist als falsch zu betrachten.
- Analyse: Jedes Problem in so viele Teile wie möglich zerlegen, um es besser lösen zu können.
- Synthese (Deduktion): Die Gedanken in der richtigen Reihenfolge ordnen, beginnend bei den einfachsten Gegenständen, um schrittweise zur Erkenntnis der komplexesten aufzusteigen.
- Überprüfung (Enumeration): Vollständige Aufzählungen und allgemeine Kontrollen durchführen, um sicherzustellen, dass nichts vergessen wurde.
Der methodische Zweifel
Descartes wendet die Phase der Analyse konsequent an, um zu unerschütterlicher Wahrheit zu gelangen. Dies geschieht in drei Stufen:
- Täuschung durch die Sinne: Da uns die Sinne manchmal täuschen, können sie keine absolute Garantie für die Wahrheit bieten.
- Existenz der Außenwelt: Es gibt kein sicheres Kriterium, um den Wachzustand vom Traum zu unterscheiden; die Welt könnte eine Illusion sein.
- Mathematische Wahrheiten: Selbst an der Mathematik könnte gezweifelt werden, falls ein böser Geist (Genius Malignus) uns systematisch täuscht.
Überwindung des Zweifels: Im Moment des Zweifels wird klar: „Ich denke, also bin ich“ (Cogito, ergo sum). Selbst wenn ich getäuscht werde, muss ich existieren, um getäuscht werden zu können. Ich bin ein Res Cogitans – ein denkendes Ding. Während der Körper eine Illusion sein könnte, ist die Existenz des Ichs als Subjekt gewiss.
Die Klassifizierung der Ideen
Beim Denken produzieren wir Ideen, die Descartes nach ihrer Herkunft klassifiziert:
- Adventitielle Ideen: Diese stammen von außen, basierend auf der Sinneserfahrung.
- Fiktive Ideen (Artefakte): Diese werden vom Subjekt selbst durch die Einbildungskraft konstruiert.
- Angeborene Ideen (Innate): Diese sind im Bewusstsein angelegt, wie die Idee von Gott. Gott wird als ein vollkommenes und unendliches Wesen repräsentiert. Da wir selbst endlich und unvollkommen sind, können wir diese Idee nicht selbst erschaffen haben; sie muss uns angeboren sein.