Das Deutsche Kaiserreich: Außenpolitik und Bündnisse 1871–1914

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Die Reichsgründung 1871 und ihre Folgen

Durch die Reichsgründung 1871 wurden aus den 39 Staaten des Deutschen Bundes das Deutsche Reich. Dies veränderte grundlegend die Machtverhältnisse in Europa. Bismarck handelte mit großem diplomatischem Geschick, konnte aber das Verhältnis zu Frankreich nicht verbessern und kaum Einfluss auf die politische Entwicklung auf dem Balkan nehmen.

Das Jahr 1888: Das Dreikaiserjahr

Das Jahr 1888 ging als Dreikaiserjahr in die Geschichte ein: Wilhelm I. starb, und sein Sohn Friedrich III. verstarb bereits nach 100 Tagen aufgrund einer schweren Krankheit. Ihm folgte Wilhelm II. nach.

Die deutsche Außenpolitik unter Wilhelm II.

Im Jahr 1890 änderte sich die deutsche Außenpolitik mit der Entlassung Bismarcks. Wilhelm II. verfolgte das Ziel, die Welt zu dominieren, und schlug einen neuen Kurs ein. Seine Devise lautete: „Weltpolitik als Aufgabe, Weltmacht als Ziel, Flotte als Instrument.“

Bündnisverschiebungen und Isolation

Nach der Nichtverlängerung des Rückversicherungsvertrages von 1887 nahm die russische Regierung Bündnisverhandlungen mit Frankreich auf. Es kam 1894 zu einer geheimen französisch-russischen Militärkonvention, einem Defensivbündnis gegen einen deutschen Angriff.

Aufgrund kolonialer Konflikte mit Frankreich in Afrika und des russischen Vordringens in Asien besorgt, bot die britische Regierung Deutschland Bündnisverhandlungen an. Doch die Berliner Regierung ließ die Chance einer Annäherung an Großbritannien ungenutzt; britisch-deutsche Verhandlungen über eine Flottenbegrenzung scheiterten.

Die Entstehung der Entente cordiale

Im Jahr 1904 kam es zu einer Verständigung zwischen Großbritannien und Frankreich über ihre Interessen in Nordafrika. In der Entente cordiale bekräftigten beide Regierungen ihren Willen, künftig alle Fragen in freundschaftlichem Einvernehmen zu lösen.

In den Jahren 1905/1906 kam es infolge rivalisierender französischer und deutscher Interessen in Marokko zur ersten Marokkokrise. Auf der internationalen Konferenz von Algeciras bewährte sich die Entente cordiale.

Der Weg in den Ersten Weltkrieg

Im Jahr 1907 ermöglichte die Niederlage Russlands gegen Japan im Fernen Osten einen britisch-russischen Interessenausgleich über Einflussgebiete in Persien, Afghanistan und Tibet. Da sich auch Italien an Frankreich und Großbritannien annäherte und sich allmählich aus dem Dreibund löste, wurde Deutschland immer stärker an die Seite Österreich-Ungarns gedrängt und in dessen Konflikte auf dem Balkan hineingezogen.

  • 1908: Der weitere Verfall des Osmanischen Reiches führte zur Annexion Bosniens und der Herzegowina durch Österreich-Ungarn.
  • 1912: Erster Balkankrieg; Albanien wurde ein selbstständiger Staat, Griechenland und Montenegro traten dem Bündnis bei.
  • 1913: Der Streit um die Aufteilung der türkischen Besitzungen auf dem Balkan führte zum Zweiten Balkankrieg, in dem Bulgarien Serbien angriff.
  • 1914: Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers in der bosnischen Stadt Sarajewo.

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