Das Deutsche Reich: Politik, Wirtschaft und Bündnissysteme (1871–1914)
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Das Deutsche Reich (1871)
1871 wurde das Deutsche Reich im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles proklamiert und war eine neue Großmacht in Europa.
Expansion der Wirtschaft und politische Organisation
Bereits 1869 waren die letzten Barrieren zwischen den verschiedenen Wirtschaftsregionen in Deutschland beseitigt worden; man schuf einen Binnenmarkt durch die Abschaffung von Zöllen und die Vereinheitlichung von Maßen und Gewichten. 1871 wurde zudem der Rahmen für eine einheitliche und imperial ausgerichtete Bank geschaffen (im Jahr 1875). Es gab staatliche Eingriffe in den Eisenbahnsektor, unter anderem durch Verstaatlichung des Netzes. Die Wirtschaft verzeichnete ein starkes Wachstum, vor allem in der Schwerindustrie und im Verkehr, unterstützt durch Prozesse der industriellen und finanziellen Konzentration.
Das politische System gewährte dem Kaiser weitreichende Befugnisse; die Parteien waren folgendermaßen unterteilt:
- Liberale – geteilt zwischen nationalen Kräften und der gemäßigten Linken.
- Konservative – mit großer Bedeutung in Preußen.
- SPD (Sozialdemokratische Partei) – gegründet 1875; sie vertrat eine marxistische Programmatik.
- Zentrum – die gemäßigte katholische Partei, die für ein Großdeutschland war und die Interessen der Kirche verteidigte.
Reichskanzler Bismarck (1871–1890)
Otto von Bismarck war von 1871 bis 1890 Reichskanzler. Er war das Herzstück der Innen- und Außenpolitik des Reiches und verfolgte eine präventive Strategie zur Sicherung des Reiches. Er führte den Kulturkampf gegen die katholische Kirche und strebte staatliche Kontrolle über Bildung und Klerus an. Da diese Politik jedoch scheiterte, gab er sie 1879 auf und suchte die Annäherung an die Katholiken.
Bismarck kämpfte auch gegen die Sozialdemokraten, führte aber gleichzeitig drei Sozialversicherungsgesetze ein (Kranken-, Unfall- und Altersversicherung), die weltweit Pioniercharakter hatten. Sein Sturz wurde durch seinen Widerstand gegen die koloniale Politik Kaiser Wilhelms II. ausgelöst; schließlich trat er zurück.
Deutschland unter Wilhelm II (1890–1914)
Wilhelm II. zeigte großes Interesse an kolonialer Expansion und prägte die Politik des Reiches wesentlich. Flottenpolitik und Aufrüstung bestimmten sein Handeln. Der Reichskanzler von Bülow unterstützte Maßnahmen wie den Flottenverein (Navy League) und imperialistische Vereinigungen, was bei allen europäischen Nachbarn Verdacht erweckte und zu einem ungezügelten Wettrüsten beitrug.
Die Bildung von zwei Blöcken (1893–1914)
Diese Entwicklung begann mit dem Aufstieg Kaiser Wilhelms II., der ein Kolonialreich anstrebte und die Hegemonie Deutschlands in Europa fortsetzen wollte. Man versuchte, die französisch-russische Allianz zu schwächen, und entwickelte eine Weltpolitik zur kolonialen Expansion. Dies verschlechterte die Beziehungen zwischen den europäischen Mächten, förderte populären Nationalismus und führte zu einem Wettrüsten. Die europäischen Nationen teilten sich in zwei Blöcke auf:
- - Der Dreibund mit Deutschland, Italien und Österreich-Ungarn, welches Italien schließlich verließ.
- - Die Entente cordiale mit Frankreich und England, zu der schließlich auch Russland hinzukam.